Mittwoch, 18. Januar 2017

The milky waters of confession

„Ein rotes Herz aus Plastik, eingehüllt in durchsichtiges Zellophan. Es ist ein ‚Geschenk‘ an eine Frau und sie ist glücklich, als sie es bekommt. Diese Erbärmlichkeit nennen wir Kultur.“ (Lupo Laminetti)


Blogstuff 108
Die Welt der Politik ist extrem undurchsichtig. Du steckst deine Hand hinein und siehst deine Fingerspitzen nicht mehr. Du steckst deinen Arm bis zum Ellbogen hinein und bekommst Angst um deine Hand.
Erster Tag meiner Mikrorevolte: Ich trinke meinen Coffee-to-go im Sitzen.
Hätten Sie’s gewusst? Berlin hatte früher das Autokennzeichen 1A, eigentlich IA (also römisch 1 und dann A), Rheinhessen hatte VR (also römisch 5 und dann R für Rheinhessen). Die Staatslimousine des Bundespräsidenten hat das Autokennzeichen 0 – 1 (= Chef der Nullen), die Bundeswehr hat Y – falls Sie mal vom MAD verfolgt werden sollten. Ach, Autokennzeichen … mit dem Thema habe ich früher jede Frauen rumgekriegt.
Der Selbsthass der Linken, der Hass auf das eigene Land, ist eine paradoxe Form von Nationalismus. Dahinter verbirgt sich die typisch deutsche Überheblichkeit. Unsere Vergangenheit ist die allerschlimmste, unsere Verbrechen sind die allergrößten, kein Völkermord war so schlimm wie unser Holocaust. Wir sind immer die Nr. 1, oder? Wir können gar nicht anders.
Ab 2026 findet die Fußball-WM mit 128 Mannschaften statt. Es beginnt mit einem 64stel-Finale und geht im K.o.-Modus weiter. So braucht der Weltmeister wie bisher sieben Spiele bis zum Titel.
Was wurde eigentlich aus Heinz Pralinski? Er hatte gerade für ein Honorar von 5000 Euro einen Cameo-Auftritt in der Benny Hill Show.
Und was macht Andy Bonetti? Er steht für „Dumbo 2 – Zu schwer zum Fliegen“ vor der Kamera. Er bekommt für die Rolle eine Jahreslieferung Kartoffelchips und eine Fritteuse.
Eines Tages wird mir ein Arzt sagen, ich hätte noch sechs Monate zu leben. Meiner Mutter ging es ebenso. In diesem halben Jahr werde ich keine Zeile mehr schreiben, aber ich bin mir sicher, dass mir in dieser Zeit die besten Ideen meines Lebens kommen werden.
Bei Christen heißt es erweiterter Selbstmord, wenn sie andere Menschen mit in den Tod reißen. Gegen die 150 Toten bei der Germanwings-Aktion 2015 sind die islamistischen Aktionen in Deutschland halt immer noch Peanuts - oder besser: Pistazien.
„Flunkey“ ist ein alter englischer Begriff für Hofschranze. Wir werden ihn in der Berichterstattung über Trump sicher lesen können.
SPD-Wahlkampfslogan: „Maas macht mobil – bei Terror, Hass und Spiel.“
Fakten: “In President Obama’s last year in office, the United States dropped 26,172 bombs in seven countries.” Quelle: http://blogs.cfr.org/zenko/2017/01/05/bombs-dropped-in-2016/
Unsere Zivilisation ist auch ästhetisch ein Problem. Schauen Sie sich eine Berghütte in der Schweiz oder eine Ritterburg an. Sie passen in die Landschaft, sie wirken klein inmitten der Natur. Die heutigen Kraftwerke und Wolkenkratzer, überhaupt alles, was wir bauen (mit wenigen Ausnahmen), ist von atemberaubender Hässlichkeit.
Bitte singen Sie den folgenden Text zur Melodie von „I’m a lumberjack“ von Monty Python:
Ich bin Ausbeuter und mir geht’s gut
Am Tag packt mich die Börsenwut
Ich beute aus, ich sacke ein, ich häng herum im Club
Ich zahle keine Steuern, genau wie mein Papa
P.S.: Hat Merkel eigentlich den FDJ-Orden für hervorragende propagandistische Leistungen erhalten?

Tangerine Dream - Logos (Velvet Part). https://www.youtube.com/watch?v=9uydjwEWsto

Dienstag, 17. Januar 2017

Meine Meinung zum Weltwirtschaftsgipfel

Wenn man es konsequent zu Ende denkt, kommen eigentlich nur noch brutale Gewalt und gigantische Naturkatastrophen in Frage. Wäre ich nicht schon genetisch durch Prokrastination belastet und technisch so unglaublich unbegabt, würde ich längst mit der Pumpgun durch Davos laufen. Stellen Sie sich vor, Sie lesen morgen in der Zeitung: die tausend reichsten und mächtigsten Menschen der Welt wurden erschossen. Es würde die Geschichte schon verändern, oder?
Eine Schnitzerei aus Ostafrika, von mir dramatisch in Szene gesetzt. Das Bild ginge im New Yorker fast als Kunst durch.

Top Ten der Fake News des Jahres

Nach Papst-Besuch: Schäuble kann wieder laufen
Darmstadt 98 kauft Lionel Messi
Erika Steinbach wird noch vor der Wahl die erste Bundestagsabgeordnete der AfD
Araber zum israelischen Präsidenten gewählt
Sensation: Horst Seehofer gibt Fehler zu
Ex-DDR-Architekt baut Mauer zwischen USA und Mexiko
Bangladesh baut Billigcomputer für den chinesischen Markt
Frittierfett erfunden, das schlank macht
Donald Trump ist der uneheliche Vater von Frauke Petry
Das Frankfurter Bahnhofsklo wurde zum Unort des Jahres gekürt
Wladimir Putin annektiert Borkum – und keiner merkt’s
P.S.: Das waren elf Meldungen. Eine von ihnen ist kein Fake. Welche ist es?
Maceo and The Macks - Cross The Track (We Better Go Back). https://www.youtube.com/watch?v=yPYM7uX_-h8

Jetzt! Neu! Nur für kurze Zeit: „Wattenscheid nach der Revolte“. Von einem Autor, der sich nachts für Andy Bonetti hält. Mit Hintergrundinformationen zu allen wichtigen Themen dieser Welt. Als E-Book für nur 4,80 €.

Entwertung der Arbeit

„Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique ‚regieren‘ zu lassen.“ (Sophie Scholl: Flugblatt I)
Die alt gewordenen Freunde der marxistischen Arbeitswerttheorie haben das moderne Spiel der Finanzmärkte nie begriffen. Nicht nur die menschliche Arbeit schafft einen Wert, auch in der Petrischale der Spekulation entstehen Werte. Wer beispielsweise mit einem Optionsschein auf die Wertentwicklung einer Aktie spekuliert, muss noch nicht einmal einen Anteilsschein eines Unternehmens und damit einen Anteil an der Wertschöpfung durch menschliche Arbeit erwerben. Auf diese Weise entstehen jedes Jahr neue Billionen an Dollar, Euro oder Yen. Und dieses virtuell erzeugte Geld kann ich jederzeit in Grundstücke, Autos oder Goldbarren umtauschen.
Geld, das mit menschlicher Arbeit nichts zu tun hat, wird real – und alle Leute, die tatsächlich den Buckel für Geld krumm machen, schauen natürlich blöd aus der Wäsche. Es sind inzwischen Derivate, also Wettscheine auf die Entwicklung von Aktien, Zinsen, Rohstoffpreisen usw., auf dem Markt, die dem Zehnfachen der tatsächlichen weltweiten Wirtschaftsleistung entsprechen. Mit Arbeit erwirbt man in dieser Welt nur noch das Brot zum täglichen Überleben, die Spekulanten kaufen derweil mit ihren Casinogewinnen, was immer sie haben wollen.
Während eine unlustige Schar von Marxisten noch immer auf das im 19. Jahrhundert prophezeite Endes des Kapitalismus wartet – Fall der Profitrate und tralala -, schafft sich die Zockeria fröhlich eine neue Welt. Die Produktion von Waren und ihr Konsum – das läuft nebenher. So wie man vielleicht einen Teil seines Villengrundstücks einem Kräutergarten gewidmet hat. Das richtige Geld wird im Casino produziert. Nicht nur durch Derivate, auch durch Kredite – gerne an die lieben, aber etwas ärmlich lebenden Erfüllungsgehilfen von der Politik, die munter neue Staatsschulden produzieren.
Geld wird aus Geld geschöpft, liebe Freunde der Weltrevolution, und nur noch zu einem geringen Prozentsatz aus Arbeit. Und diese Arbeit überlassen wir, gemeinsam mit dem Müll und den Abgasen, den Chinesen und ihren Nachfolgern in der industriellen Nahrungskette. Euer revolutionäres Subjekt sitzt gerade in Shanghai und freut sich über den riesigen neuen Flachbildschirm. Nächstes Jahr geht es mit einer Reisegruppe zum Schloss Neuschwanstein und nach London. Mit dieser Mastkur hat man in den fünfziger und sechziger Jahren auch das europäische Proletariat domestiziert.
Das Theater, in dem die Inszenierung des sozialistischen Siegeszugs aufgeführt wurde, ist längst leer. Die Darsteller haben die Bühne verlassen und auch das Publikum ist gegangen. Der Mensch kann dem Siegeszug des Kapitalismus nichts mehr entgegensetzen, nur noch die Natur. Erst ihr Kollaps wird die Wende bringen. Ich werde es zum Glück nicht mehr erleben.
Murray Head – Say It Ain’t So. https://www.youtube.com/watch?v=-enIN21BWWI

Montag, 16. Januar 2017

Sein erster Tag als Präsident

„Europa steht kurz vor dem Scheitern, der Terrorismus ist weltweit auf dem Vormarsch. Schuld ist aus meiner Sicht der Kapitalismus. Das Profitdenken ist die oberste Maxime, die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke. Wir haben vielerorts keine wirkliche Demokratie mehr, denn die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Der Mensch ist nur noch ein Werkzeug in der Hand der Eliten.“ (Shlomo Graber)
Was bisher geschah: Am Freitag, den 20. Januar, wurde Tronald Dump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt. Am Abend gibt es im Weißen Haus eine Riesenparty mit all seinen Freunden: Milliardäre, Wrestler, Schönheitsköniginnen. Danach geht er ins wohlverdiente Wochenende. Am 23. Januar 2017 ist sein erster Arbeitstag.

***
Es ist zehn Uhr morgens. Dump steht vor dem Weißen Haus und hat alle Angestellten des Hauses auf dem Rasen antreten lassen. Er will es sich nicht nehmen lassen, die Männer und Frauen, die Obama gedient haben, persönlich zu entlassen. Er sagt zu jedem einzelnen von ihnen den berühmten Satz aus seiner Fernsehshow: „You are fired.“
Fox überträgt landesweit. CNN wurde bereits in den frühen Morgenstunden von einer Einheit der Navy Seals besetzt, der Sender ist vom Netz gegangen. In Kentucky und anderen Südstaaten laufen begeisterte Rednecks und Hillbillies auf die Straße und schießen mit ihren automatischen Waffen in die Luft. Sie rufen „Jesus ist groß und Dump ist sein Prophet“.
Um elf Uhr sitzt Dump im Oval Office und erklärt China den Handelskrieg. Auf alle chinesischen Importe gibt es eine dreißigprozentige Steuer, die sogenannte Walltax. Das hat nichts mit der chinesischen Mauer zu tun, sondern mit der Mauer, die Dump an der amerikanisch-mexikanischen Grenze bauen möchte und die durch diese Steuer finanziert werden soll.
China erklärt daraufhin, dass keine iPhones mehr produziert und nach Amerika geliefert werden sollen. Apple-Aktien brechen dramatisch ein, der Kurs der Samsung-Aktie explodiert. Experten warnen, dass die Unterversorgung mit Smartphones zu Unruhen in der jüngeren Bevölkerungsgruppe der USA führen könnte.
Um zwölf Uhr verkündet Dump, der bekanntlich nicht nur mit Immobilien, sondern auch mit Wrestling und Misswahlen sein Geld macht, dass es unter den weiblichen Abgeordneten des Kongresses zu einer Wahl der Miss Liberty kommen wird. Dann sieht er ein bisschen Fernsehen und isst einen Hot Dog.
Kurze Zeit später geben die Russen bekannt, sie hätten ein Sexvideo, dass Dump in einer Nazi-Uniform mit sechs Nutten in einem Moskauer Hotelzimmer zeigt. Die Demokratische Partei fordert ein Impeachment-Verfahren, da der US-Präsident erpressbar sei. Dump tritt vor die Kameras. Mit dunkelrotem Kopf brüllt er in die Mikrophone, man hört hauptsächlich den Begriff „Fake News“.
Um ein Uhr mittags twittert er: „Amerika erklärt China den Krieg. Nachmittag Golfplatz.“ Ohne es zu wissen, liefert er damit eine Parodie auf den berühmten Satz von Franz Kafka.
Dann arbeitet er an seinem Handicap und unterzeichnet später bei einem opulenten Abendessen im Weißen Haus noch einen Vertrag mit einem Immobilienkonsortium in Dubai.
Brand X – Nuclear Burn. https://www.youtube.com/watch?v=jodxpGvLwzc

Sonntag, 15. Januar 2017

Wie Bonetti zu seiner Biographie kam

„Würden wir wissen, würden wir nicht schreiben (…), alles, was geschrieben wurde, wurde aus Unwissenheit geschrieben, aus der Qual des Unwissens, alle Bibliotheken der Welt sind die Summe des Unwissens der Menschheit, und je besser ein Buch ist, umso mehr ist es aus der Qual des Nichtwissens geschrieben worden, denn nur (…) die Idioten meinen, sie wüssten. Je heller ein Geist brennt, umso mehr verdunkelt sich um ihn die Welt.“ (Karlheinz Deschner: Die Nacht steht um mein Haus)
Kennen Sie Reinhard Aschenbrenner? Große Persönlichkeit, legendärer Verleger. Hat sein Handwerk beim alten Aschenbrenner gelernt und dem konnte man bekanntlich nichts vormachen.
Zu Beginn der folgenden Szene betritt der junge Bonetti, ein völlig unbekannter Lokalredakteur Anfang zwanzig, das gigantische, fußballfeldgroße Büro von Herrn Aschenbrenner. Ein Ventilator surrt, möglicherweise auch eine lästige Mücke am Fenster. Aschenbrenner scheint ihn gar nicht zu hören. Er ist über ein Manuskript vertieft, murmelt Flüche, streicht wild mit einem Rotstift auf einer Seite herum und schreibt Anmerkungen.
***
Vorsichtig, langsam einen Fuß vor den anderen setzend, näherte sich Bonetti dem mächtigen Mahagonibollwerk des Verlegers.
Aschenbrenner nahm ihn gar nicht war, eine Zigarre glomm in seinem Mundwinkel. Schließlich stand Bonetti vor ihm und wartete geduldig.
Nichts passierte.
Bonetti setzte sich auf den winzigen und harten Holzstuhl vor dem Schreibtisch des Verlegers.
„Habe ich Ihnen erlaubt, sich zu setzen?“ donnerte die Stimme Aschenbrenners durch den Flugzeughangar von Büro.
Bonetti sprang – wie von der berühmten Tarantel gestochen, die wir aus zahlreichen Redewendungen der Gebrauchsliteratur kennen – vom Stuhl hoch. „Äh … nein … ich fürchte, Sie haben …“.
„Ruhe!“ brüllte der Verleger und las ungerührt weiter.
Nach einer Viertelstunde, die Bonetti wesentlich länger vorkam, legte Aschenbrenner das Manuskript zur Seite und sah den jungen Mann vor ihm verständnislos an.
„Wer hat Sie überhaupt hereingelassen und warum?“
„Ja, das war so … äh … ich habe gedacht …“
„Sie haben gedacht. Da haben wir ja schon mal die Fehlerquelle“, sagte Aschenbrenner und lachte dröhnend. „Sie sind Bonetti und haben bei mir eine Kurzgeschichte eingereicht.“
Bonetti lächelte schüchtern. „Das ist richtig. Haben Sie denn schon einmal reingeschaut?“
Der Verleger schob das Manuskript über den Tisch und nickte. „Ich habe schon beschissenere Sachen gelesen, wesentlich beschissenere. Sie liefern mir innerhalb von drei Monaten ein Romanmanuskript auf der Basis dieser Geschichte ab. Geben Sie den Figuren einen Hintergrund, geben Sie ihnen Tiefe, bauen Sie ein paar Nebenhandlungen ein. Wir haben uns verstanden?!“
„Sehr wohl, Herr Aschenbrenner.“ Bonetti nahm das Manuskript und wollte den weiten Weg zum Ausgang auf sich nehmen.
„Da wäre noch was“, brummte der Bass des Verlegers durch den Raum. „Um ein Buch verkaufen zu können, brauchen wir eine Biographie.“
„Na ja“, bekannte Bonetti, „ich bin noch sehr jung. Ich war auf der Schule und habe mir gerade meine erste eigene Wohnung genommen.“
„Das kriegen wir schon hin. Wo sind Sie geboren?“
„In Bad Nauheim. Das ist in Nordhessen.“
„Sie sind also auf einem Biobauernhof aufgewachsen und haben früh Ihre Liebe zur Natur erkannt“, konstatierte Aschenbrenner ungerührt.
„Eigentlich war mein Vater Finanzbeamter und meine Mutter Musiklehrerin.“
„Großartig. Also haben Sie eine musische Begabung, die schon in Ihrer Familie liegt.“
„Ich weiß nicht, Herr Aschenbrenner.“
Der Verleger machte sich bereits Notizen. „Haben Sie Bad Nauheim denn schon einmal verlassen?“
„Ich habe mit meinen Eltern früher immer Urlaub auf Mallorca gemacht. Und die Klassenfahrt mit der Oberstufe ging nach Lübeck.“
„Ausgezeichnet, Bonetti. Es gibt also einen starken Einfluss der iberischen Literatur und von Thomas Mann. Was haben wir noch?“
„Wenn Sie so fragen, Herr Aschenbrenner. Ich gehe gerne mit meinen Freunden ins Lokal ‚Waldfrieden‘ am Minigolfplatz.“
„Also haben Sie auch Autoren wie Charles Bukowski und Malcolm Lowry maßgeblich beeinflusst. Sie treiben außerdem regelmäßig Sport. Das reicht mir, den Rest erfinde ich dazu.“
Und so endete Bonettis erstes Gespräch mit seinem Verleger und haargenau so ist auch seine Biographie entstanden – oder der Blitz möge mich treffen.
The Allman Brothers Band – Pegasus. https://www.youtube.com/watch?v=gOKzSGa-u3Y
P.S.: Stellen Sie sich zu dieser Szene eine Fotografie von Andy Bonetti vor, auf der er nachdenklich und geheimnisvoll aus dem Fenster blickt. Für die Inspiration zu diesem Text bedanke ich mich bei Carlos Ruiz Zafón, Heinz Ohff und meinem treuen Leser Harri.

Samstag, 14. Januar 2017

Die Diktatur des Kapitals

„Angela trank ihren Cocktail aus und spürte den Nebel in sich hochsteigen.“ (Evelyn Waugh: Mit Glanz und Gloria)

Blogstuff 107
2017: Erreicht mit Sigmar Gabriel jetzt der Fachkräftemangel auch den Bundestagswahlkampf?
Mit Gott ist es wie mit Broccoli: manche Menschen lieben Broccoli, manche Menschen hassen Broccoli, manchen Menschen ist Broccoli einfach egal.
Welchen Medien kann man noch trauen? Welche Quelle ist zuverlässig? Was stimmt, was stimmt nicht, was ist nur gefühlte Wahrheit in den ungefähren Sphären des Postfaktischen? Die Russen haben erst zwei Wochen nach uns Weihnachten gefeiert. Wer hat Recht?
In Deutschland herrscht wieder Ordnung. Schlechter Ausländer: Nafri. Guter Ausländer: Gemüsetürke umme Ecke.
Die Zehnerjahre neigen sich dem Ende entgegen, bald beginnen die zwanziger Jahre. Werden es „goldene Zwanziger“ wie im vergangenen Jahrhundert (Inflation, Börsencrash, Hitlers Aufstieg)? Silberne Jahre würden mir schon genügen.
Genossen! Ziel unseres Kampfs muss es sein, die EU durch die UdSSE (Union der sozialistischen Sowjetrepubliken Europas) zu ersetzen. „Wer sagt, die Lage sei hoffnungslos, lügt. Pessimisten und Skeptiker sind aus den Reihen des Proletariats wie die Pest zu verjagen. Die inneren Kräfte des deutschen Proletariats sind unerschöpflich. Sie werden sich Bahn brechen.“ (Leo Trotzki)
Was wurde eigentlich aus Heinz Pralinski? Er ist jetzt zum Assistant Deputy Manager Internal Navigation (Admin) bei Bonetti Media befördert worden.
Hat Jesus Miete gezahlt? Hatten er oder seine Jünger eine Eigentumswohnung? Früher hat man sich diese Fragen nicht gestellt, die heute den kapitalistischen Alltag dominieren.
Ich sitze in meiner Ecke, die Menge tobt wie entfesselt, der Trainer fächelt mir mit einem Handtuch Luft zu und schreit mir etwas ins Ohr, das ich nicht verstehe, während ich Blut in einen Eimer spucke. Da kommt der Gong. Erst jetzt beginnt der Kampf.
Gibt es heute noch einfache Arbeiter, die Marx oder Lenin zitieren können? Es gibt nur noch Salon-Bolschewisten, da der Sozialismus ausschließlich im snobistischen Bildungsbürgertum existiert. In meiner Jugend gab es ja wenigstens noch die Saloon-Bolschewisten, die man Samstagabend in der Kneipe am Tresen treffen konnte.
Überall sieht man junge Menschen mit winzigen Geräten, einer Art gizmologischen Gadgets, die sich mit drahtloser Telegraphie beschäftigen. Wohin das einmal führen wird?
Was die neue Bewegung „No Wasabi, No Pain“ eigentlich will, ist mir noch nicht so klar.
In moralischer Hinsicht neigen die Deutschen traditionell zu Übertreibungen. Sei es im Guten (ein Monat Sommermärchen 2006, drei Monate Willkommenskultur 2015) oder im Schlechten (NS-Zeit, Wilhelminismus).
Warum kann man Äpfel und Birnen eigentlich nicht vergleichen? Der Vorgang des Vergleichs setzt ja noch nicht voraus, dass ich zwei Dinge als gleich ansehe. Ich sage: Ja, denn beides ist Kernobst, und ich sage nein, denn beide schmecken unterschiedlich, sehen unterschiedlich aus und wachsen auf verschiedenen Bäumen. Nächste Woche: Zebras und Pferde – kann man sie vergleichen?
Die Ausrottung dieses Tiers, dessen Gene ich möglicherweise in mir trage, ist eine der großen Tragödien der Naturgeschichte. Ich spreche natürlich vom Riesenfaultier. Die Indianer, oft fälschlich als edle Wilde apostrophiert, haben diese wunderbare und friedliche Gattung grausam dahingemeuchelt. Vor zehntausend Jahren waren sie vom amerikanischen Kontinent verschwunden. Die letzten Exemplare des einst so stolzen Megatherium wurden um 1550 auf den karibischen Inseln Kuba und Hispaniola getötet. Im Mythos vom Mapinguari lebt dieses Tier bis heute fort, möglicherweise gibt es tatsächlich auch noch lebende Exemplare im Amazonasdschungel.
XTC - Living Through Another Cuba. https://www.youtube.com/watch?v=AZFCyMPvLd8