Mittwoch, 24. Juni 2015

Wie Bonetti die Sache mit dem Nobelpreis vermasselte

„Die Hessen sind umzingelt von lauter Deutschen, haben keinen direkten Zugang zum Meer, zu den Alpen und zum Ausland und daher keinen Kontakt zur Freiheit.“ (Matthias Beltz)
Es nieselte und Bonettis Kammerdiener Johann saß am Fenster. Was für ein scheußlicher Tag, dachte er. Und ausgerechnet heute hatte die Sekretärin des Meisters einen Zahnarzttermin. Die Extraktion zweier Weisheitszähne. Keine Chance, dass sie heute an ihren Arbeitsplatz zurückkehren würde. Johann musste das Telefon bedienen und ausgerechnet heute gab es im Vorzimmer des hessischen Großschriftstellers zahlreiche Anrufe von irgendwelchen Spaßvögeln, die Bonetti zu seiner am Vorabend in einer Talkshow getätigten Aussage, wenn Homosexuelle heiraten dürften, dann könne auch ein Albaner sein Schaf vor den Traualtar führen, befragen wollten.
Dann kam die Sonne heraus und Grenadine, das französische Hausmädchen, winkte mit einem Taschentuch aus dem Garten zu Johann herauf und zog dabei ein süßes Schnütchen. Wer hätte da widerstehen können? Also taumelte der getreue Famulus einem flüchtigen Abenteuer entgegen, während nur wenige Minuten später zum wiederholten Mal das Telefon in Bonettis Vorzimmer klingelte. Der Meister, der gerade in fünffüßigen Jamben die Schönheit des Herbstnebels beschreiben wollte, hörte das endlose Klingeln des teuflischen Apparats. Und als niemand den Hörer abhob, ging er selbst zu Werke.
„JA!!!“ brüllte er in den Apparat.
Und ohne eine Antwort abzuwarten, brüllte er weiter: „Wenn du verXXXtes Stück XXX nochmal hier anrufst, dann werde ich deinen XXX Mini-XXX in einen Schraubstock quetschen und solange zudrehen, bis du ohnmächtig wirst, du XXX Sohn einer XXX!“
Auf die schüchtern und mit schwedischem Akzent vorgebrachte Bemerkung, das Nobelpreiskomitee sei am Apparat, folgte ein orkanartig gebrülltes „Verarschen kann ich mich alleine!!!“
Dann legte Bonetti auf und schritt befriedigt zur Vollendung seines Gedichts. Er setzte sich mit einem huldvollen Lächeln an seinen Computer und hämmerte ein Rock’n Roll-Solo in die Tasten. Unter seinen Fingern sprangen die Worte wie aus silbernen Quellen hervor, unbändige Schaffenslust durchströmte ihn, die Klarheit seiner Vorstellungskraft reinigte ihn gleichsam vom Schmutz der erlittenen Erniedrigungen, und am Ende war es ihm, als hätten die göttlichen Musen selbst ihn geleitet.
Die Wahrheit hat er glücklicherweise nie erfahren.
P.S.: Mit seinem Gedichtzyklus „Nebelherbst“ feierte Bonetti nur einige Wochen später bei seiner osthessischen Lesereise an der A 66 in Gründau-Lieblos („Ristorante Zum Paradies“) und in Linsengericht-Eidengesäß („Gaststätte Dorfkrug“) große Erfolge. Hat jedenfalls mein Friseur erzählt.
P.P.S.: Das erinnert mich an eine Tournee, die Mr. Bonetti vor etwa dreißig Jahren mit Johnny Malta gemacht hat. Damals klapperten die beiden Schriftsteller – noch unter Pseudonym, sie nannten sich Weathergod McKenzie und Jeffrey Wanamaker - mit ihren Novellen sämtliche Autobahnraststätten entlang der A 5 ab. In der Literaturszene waren sie unter dem Namen „The Booze Brothers“ bekannt, weil sie immer in Schnaps (Booze) ausbezahlt wurden und ihre eigenen Geschichten auch nur betrunken ertragen konnten.
Heart - Barracuda. https://www.youtube.com/watch?v=p0OX_8YvFxA

Andy Bonetti in der Pizzeria. Er ist aufgrund seiner Lesungen und seiner umfangreichen Bestellungen so beliebt, dass er nach dem Essen einen Grappa UND einen Ramazzotti spendiert bekommt. Das hat außer ihm nur Gerd Müller geschafft.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen