Sonntag, 20. August 2017

Der Wille

Gedanken, Ideen, Pläne – das sind die glitzernden Reflexe des Sonnenlichts auf den Wellen. Darunter verborgen ist der Wille zu leben. Dieser Wille schläft nie, im Gegensatz zu unserem inneren Monolog. Deswegen träume ich jede Nacht von den wesentlichen Dingen: Essen, Trinken und Sex. Unter dem Bewusstsein liegt das Paradies. Vom Staat und von der Arbeit träume ich nie.

Foodblog Berlin – die Nachspeise

Lychee, Bayrische Straße 9, Wilmersdorf. Ein ausgezeichneter Chinese, den Saurons gefräßiges Auge bisher nur deshalb übersehen hat, weil er knapp außerhalb meiner Kiezgrenze (1 km zu Fuß) liegt. Schon als Vorspeise gibt es leckere Garnelenspieße und meine heißgeliebten Jakobsmuscheln. Das knusprig gebratene Rindfleisch in einer Honig-Knoblauch-Soße verschaffte mir einen ungekannten Genuss. From Zero to Hero auf meiner kulinarischen Festplatte.
Michl’s, Peschkestraße 18, Friedenau. Leckere Bratwürste und Ochsenbäckchenragout – kleiner und schöner Biergarten in einer entspannten Umgebung. Fränkische Küche, fränkisches Bier. Ein weiterer Treffpunkt für Franken-Fans: das Fränkla in meinem Kiez, Güntzelstraße 24.
Café am Schäfersee, Residenzstraße 43, Reinickendorf. Es ist wie in einem Märchenfilm: Auf der Residenzstraße tobt der multikulturelle Untergang des Altreichs mit Basecap, Kopftuch und Woolworth. Sie treten durch einen Hofeingang – und stehen plötzlich vor einem idyllischen Seepanorama. Hier sitzt das deutsche Bürgertum bei Kaffee und Eisbecher. Es wäre perfekt – wenn nicht alle sechzig Sekunden ein Passagierflugzeug im Tiefflug über das lauschige Fleckchen donnern würde.
Angus, Kreuzbergstraße 11. Ein 300-Gramm-Entrecote-Steak mit Pommes und Kräuterbutter für 14 Euro? Ein leckerer großer Burger, Black Angus Beef, mit Pommes für 6,50? Pizza und Pasta für vier oder fünf Euro? Hier sind Sie richtig. Seit vielen Jahren eines meiner Stammlokale. Nur einen Steinwurf von der nervtötenden Bergmannstraße entfernt.
Mai Phai, Feuerbachstraße 16, Steglitz. Ausgezeichnetes Thai-Restaurant, stilecht eingerichtet. Spezialität des Hauses ist hauchdünn geschnittenes Kalbsfilet in Curry-Kokosnusssoße.
Nuova Mirabella, Alt-Tempelhof 27. Warum nicht mal raus aus der Innenstadt und Tempelhof besuchen? Nach einem Spaziergang durch den Ortskern und den Alten Park gehe ich in ein nettes italienisches Restaurant und esse eine große Pizza mit Parmaschinken, Parmesan und Rucola. Vorher gibt es Brot und Oliven, nachher einen Grappa. Das kostet zusammen 7,50 €. Ist ein Haken an der Sache? Nein. Ganz im Gegenteil: in Sachen Ambiente, Bedienung und Publikum ist es hier bürgerlicher als bei vielen Italienern, die ich aus Wilmersdorf oder Charlottenburg kenne. Man würde ein solches Lokal gar nicht in Tempelhof vermuten. Es kann so einfach sein, wenn man die ausgetretenen Pfade verlässt.
???. Dreimal habe ich in Berlin eines meiner Lieblingsgerichte getestet: Bami Goreng. Ein indonesisches Lokal in Schöneberg, eines in Moabit, ein Inder, der auch indonesische Gerichte anbietet. Keines der Lokale hat mich überzeugt. Die besten gebratenen Nudeln gibt es immer noch im Shaniu's House of Noodles in der Pariser Straße – aber in diesem mikroskopisch kleinen China-Restaurant habe ich bei meinen letzten vier (!) Versuchen keinen Platz bekommen.
Tex Mex Cantina, Georgenstraße, S-Bahnbogen 198, nahe Bahnhof Friedrichstraße. Nach Schließung meines Stamm-Mexikaners war ich auf der Suche nach einer neuen Heimat in Sachen Burrito & Co. War ganz okay, aber hat mich nicht begeistert. Vor allem die Touri-Preise. Ein Weizenbier aus der Flasche für 4,50? Kennt jemand ein gutes mexikanisches Restaurant in Berlin?
P.S.: Was ich nicht mehr geschafft habe: die Pizza Kafka in der Pizzologie in der Moltkestraße 30 deep in the south. Kann das jemand für mich erledigen?
Tears for Fears – Change. https://www.youtube.com/watch?v=33JK-XxN0BY

Wer findet das Schnitzel mit Zigeuner? Copyright: Harri.

Samstag, 19. August 2017

Trump – Kim – Erdogan

„In diesem Schauspiel Welt, das eitel ist und bös, schwärmt kranker Narren Schar und faselt noch vom Glück.“ (Voltaire)
Ob Geschichte die Entfaltung der objektiven Vernunft ist (Hegel), wie wir in guten Zeiten hoffen, oder nur die Manifestation des subjektiven Willens (Schopenhauer), wie wir in schlechten Zeiten fürchten, mag jeder für sich selbst beantworten. Ob Vernunft überhaupt noch eine Kategorie ist, die zur Analyse der gegenwärtigen Politik taugt, darf man angesichts der handelnden Akteure jedoch bezweifeln. Ein Argument kann man widerlegen, ein Maschinengewehr nicht, um es mit Ernst Jünger zu sagen.

Foodblog Berlin – der Hauptgang

Jing Yang, Albrechtstraße 125, am S- und U-Bahnhof Rathaus Steglitz. Echter Chinesen-Chinese mit sehr angenehmer Atmosphäre. Frische Zutaten, großartig zubereitet – und wenn scharf auf der Karte steht, ist es scharf. Nach dem Essen sprach die Wirtin eine Weile mit mir, weil ich zum ersten Mal das Lokal besucht habe. Gutes Gespräch, sehr aufmerksam. Die Hunan-Küche ähnelt der Sichuan-Küche. Fazit: nach nur einem Besuch hat es dieses Restaurant in den erlauchten Kreis meiner Stammlokale geschafft. Aufgepasst, Tian Fu und Hot Spot!
Burger de Ville. Berlins Burgerladen Nr. 297 im Kranzlereck, Innenhof. Fast Food-Service mit Slow Food-Geschwindigkeit. Man steht am Tresen Schlange, zahlt sofort und bekommt ein rundes Ding, das brummt, wenn der Burger fertig ist. Mein Gerät trug die Nr. 13 – und so kam es dann auch. Ich habe länger gewartet als in einem normalen Restaurant, weil man mich vergessen hatte. Der maximaltätowierte, dauertelefonierende Schnöselspanier brachte mir schließlich den Cheeseburger mit einem gequälten Lächeln an den Tisch. Aber vielleicht passt ein dicker Mann im Jeans-Saitling auch nicht in diese Ansammlung von schönen Frauen und geföhnten Typen in Business-Klamotten? Bun zu trocken, Patty mittelmäßig (medium bestellt, well done bekommen), Soßen langweilig. Fazit: völlig überschätzt – nie mehr wieder.
Nürnberger Wirtshaus, Sredzkistraße 30, Prenzlauer Berg. Ausgezeichnetes fränkisches Bier vom Fass, v.a. das Zirndorfer Kellerbier. Als ausgewiesener Frankenfan, der jedes Jahr vier Mal vor Ort ist, kann ich auch das Essen empfehlen. Giant Schäufele. Nette Atmosphäre, Tische vor der Tür und sehr freundliche Bedienung.
Krimiserie „Der Foodblogger“: Wir sehen ihn am Steuer eines Wagens bei einer wilden Verfolgungsjagd – mit einem Hot Dog in der Hand. Er schleicht durch eine dunkle Lagerhalle – und isst dabei Pizza. Als ein Gebäude explodiert, springt er gerade noch rechtzeitig aus dem Fenster – während er einen Burger umklammert. Er öffnet Türschlösser mit Essstäbchen und bezahlt seine Informanten mit Donuts.
Uncle Sam, Schloßstraße 49, nur wenige Gehminuten vom S- und U-Bahnhof Rathaus Steglitz entfernt. Grillsergeant Lee hat seinen Standort geändert, aber ich finde ihn immer wieder. Sein Homestyle Burger ist der Nullmeridian des Burger-Universums, quasi der Ur-Burger, bevor die ganzen Experimente mit Guacamole und Tofu losgingen. Adenauer hätte diesen Burger gegessen.
Goldies, Oranienstraße 6. Im guten alten SO 36 gibt es jetzt einen souveränen Frittenladen. Diverse Soßen und ungewöhnliche Beilagen. Exzellente Qualität, dahinter stecken zwei Top-Köche. Normale Portion nur 2,40 €.
XL Döner, Schloßstraße 27B, Charlottenburg. Nicht weit vom U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz kann man sich mit einem leckeren Dürüm Döner mit Spezialsoße gemütlich in einen kleinen Park setzen und chillen.
Kumpel & Keule, Eisenbahnstraße 42, Wrangelkiez. Sehr guter Metzger in der Markthalle, Burger und Bratwürste kann man gleich vor Ort verkosten. Klasse!
Momiji, Bleibtreustraße 52, an der „Asienmeile“ Kantstraße. Wer gerne japanisch isst, sich aber vom einfachen Sushi zu warmen Mahlzeiten upgraden möchte, steht häufig vor dem Problem, dass die „echten“ Restaurants ziemlich teuer sind. Nicht im Momiji: In diesem Lokal gibt es günstige Nudelsuppen sowie Rind, Huhn und Fisch auf Reis – alles um die zehn Euro. Es schmeckt auch noch und die Gastgeber sind einfach nett. Pluspunkt: Statt nervigem Flötengedudel erklingt im Hintergrund geschmeidiger Bossanova, der das sommerlich gestimmte Gemüt erfreut.
Amma, Brandenburgische Straße 22, Wilmersdorf. Es gibt viele gute Inder in der Stadt, ohne das ein Lokal herausragt. Daher möchte ich jetzt mal ein einzelnes Gericht loben: „Ente Amma“ im gleichnamigen Lokal. Wunderbare Soße und eine Riesenportion leckeres Fleisch, so dass ich gleich anschließend nach Hause auf mein Sofa musste, wo ich gerade noch den 14-Uhr-Zug nach Nickerchen City erwischte.
Il Casolare, Grimmstraße 30, Kreuzberg. Manchmal kann das Leben so einfach sein: Pizza oder keine Pizza? Wenn Sie keine Lust auf Pizza haben, können Sie gleich wieder gehen. Dafür gibt es bei diesem echten Italiener ohne Hipsterallüren auch Salsiccia oder Pferdefleisch als Belag. Drumherum ein netter Kiez am Landwehrkanal.
Beatles – Penny Lane. https://www.youtube.com/watch?v=S-rB0pHI9fU
Bonetti vs. Schäufele. Quelle: Ackerboy.

Freitag, 18. August 2017

Foodblog Berlin – die Vorspeise

„Die Nacht tut ihm wohl. In seinen Zimmern angekommen, setzt er sich, entschlossen, bis zur Raserei zu arbeiten, an den Schreibtisch.“ (Robert Walser: Kleist in Thun)
Ungarische Gaststätte, Eschengraben 41. Wenn Sie mal sehen wollen, wie der Prenzlauer Berg war, bevor die Besserverdiener aus Westdeutschland eingeritten sind, gehen Sie in diesen Kiez. Gehen Sie in diese Kneipe. Sie könnten auch in einer x-beliebigen Kleinstadt in Deutschland sein. Im kleinen Gastraum hängt das Wildschweinfell neben dem Feuerlöscher, das Blechreklameschild von anno dunnemals neben den schmiedeeisernen Garderobenhaken. Ein Pandämonium teutonischer Gemütlichkeit. Wenn aus dem Radio „Slave to Love“ von Roxy Music dudelt und die verblühte Wirtin das Lied mitsummt, während sie mir ein böhmisches Schwarzbier zapft, bekomme ich glänzende Augen. Genau deswegen bin ich Schriftsteller geworden, um diese kostbaren Augenblicke, diese Perlen eines Berliner Sommernachmittags für Sie, liebe Lesende, festzuhalten. Das Essen ist lecker und die Preise sind sensationell: für zwei große Bier, ein ungarisches Gulasch mit hausgemachten Nockerln, einen Palatschinken mit Zucker und den abschließenden Aprikosenbrand zahle ich nur sechzehn Euro. Als „Blue Eyes“ von Elton John läuft, wird die Wirtsfrau traurig und schnieft vor sich hin. An was erinnert sie das Lied? Aber ich kann sie nicht fragen, obwohl ich der einzige Gast im Hause bin. Wir hatten über die Spatzen gesprochen, die sie im winzigen Biergarten mit Brot gefüttert hat, über das bevorstehende Unwetter und ihren arthrosekranken Hund, der unter einem Tisch liegt und den sie aus dem Tierheim hat. Aber nach ihren Gefühlen kann ich sie unmöglich fragen. Zwei verlorene Seelen in einem rätselhaften, unendlich schönen, unendlich tragischen Universum.
Elton John – Blue Eyes. https://www.youtube.com/watch?v=4CiyKeSnSxk

Bonetti meets Gysi

„Ein Mensch erschlug seine Frau und verwurstete sie. Die Tat wurde ruchbar. Der Mensch wurde verhaftet. Eine Wurst wurde noch gefunden. Die Empörung war groß.“ (Friedrich Dürrenmatt: Die Wurst)
Kinder, nee, was erlebt man nicht alles auf seine alten Tage, wenn man mal nach Berlin fährt.
Ich begab mich am späten Vormittag von Wilmersdorf nach Köpenick, um der dortigen Schlossplatzbrauerei einen Besuch abzustatten. Eine kleine Weltreise. Im Prinzip falle ich am Schlossplatz aus der Tram und bin sofort in der winzigen Brauereigaststätte, vor der einige Tische und Stühle stehen.

Hier gibt es Bier nach einem jahrtausendealten babylonischen Rezept, das bei Ausgrabungen gefunden wurde. Es schmeckt übrigens ausgezeichnet – hätte ich gar nicht erwartet. Es gibt noch andere historische Biere aus der alten Preußenzeit und das hauseigene Helle kostet nur 2,60 den halben Liter.
Es ist Markt auf dem Schlossplatz. Nach dem ersten Bier entdecke ich einen fränkischen Wurststand und genehmige mir ein Paar Weißwürste. Eine Viertelstunde später sitze ich in einer gemütlichen Runde mit dem Wurstverkäufer, der seinen Stand auch vom Kneipentisch gut im Auge hat, einem Lkw-Fahrer und zwei anderen Herren im gesetzten Alter zusammen. Hier in Köpenick wird noch richtig berlinert. Gelegentlich gesellt sich auch der Mann vom Brotstand für ein Baby-Weizen zu uns.
Dann passiert es: Gregor Gysi betritt mit einem Mitarbeiter die Szene. Keiner quatscht ihn dumm an, er ist gut gelaunt und genehmigt sich erst mal ein Bierchen. An den Tischen kein schlechtes Wort über ihn, alle scheinen ihn hier zu mögen. Von allen prominenten Politikern ist er auch mir am sympathischsten. Gebe ich gerne zu. Wegen ihm habe ich mal die Linken gewählt.
„Trinkt nicht so viel, es ist noch früh am Tag“, ruft er unserer Runde mit einem breiten Grinsen zu. Dann entdeckt sein Mitarbeiter den Weißwurststand. Während er neben uns ein Paar Würste futtert, plaudert Gysi gelassen mit dem Wurstverkäufer. Er isst nichts, erzählt aber, er würde am liebsten „ortsgebunden“ essen und trinken. Kölsch trinkt er nur in Köln, Weißwürste isst er nur in Bayern usw. Zum Abschied winkt er ins Lokal, alle lächeln und nicken ihm freundlich zu. Dann schlendert der Kanzler der Herzen weiter über den Markt.
Gregor Gysi weiß vermutlich bis heute nicht, dass er Andy Bonetti getroffen hat.
Beach Boys – Darlin’. https://www.youtube.com/watch?v=sJ-CHtccbGE

Donnerstag, 17. August 2017

Blogpost 2000

Die nächste Lichtschranke ist überschritten. Ein Delta-Blogger auf dem Weg in die Unsterblichkeit …
Wenn ich weiterhin etwa 500 Blogposts im Jahr raushaue, dann bin ich in sechzehn Jahren bei Nr. 10.000. Das wird 2033 sein. In diesem Jahr werde ich 67 Jahre alt und gehe in Rente. Bei Nr. 10.000 ist Schluss. Versprochen.
Oder ich mache ein neues Blog auf.
Oder die Maschinen haben die Herrschaft übernommen. Dann mache ich natürlich, was die Maschinen sagen. # Iloveskynet

Bild: Thomas Magnum Enzensberger, Gebrauchtwagenhändler („Abgefahrene Reifen – abgefahrene Preise“), möchte im nächsten Jahr eine Weltumsegelung als Ultraleichtmatrose auf einem Legoschiff machen. Der frühere Polenböllerverkäufer („Lieber einmal im Jahr knallen als das ganze Jahr durchgeknallt“) ist begeisterter Volleyballspieler und gilt als Granate unter dem Korb.
Depeche Mode - Waiting For The Night. https://www.youtube.com/watch?v=8Z-fyNdnOKE

Das ist Tobi

Das ist Tobi.

Tobi hat sich verändert.
Wenn ich ihn nicht kennen würde, hätte ich Angst vor diesem Bild.
Ich würde nachts die Straßenseite wechseln, wenn ich ihm begegnen würde.
Tobi ist jetzt Veganer.
Tobi ist aktives SPD-Mitglied.
Tobi hatte nie Sex.
Ich weiß nicht, was Tobi als nächstes macht.
Er hat zu einer Grillparty Gemüse mitgebracht.
Wir sind tolerant. Wir haben es neben die Steaks gelegt.
Ich habe Tobi ein Bier angeboten. Er hat über tierische Fette im Klebstoff des Etiketts geredet.
Während ich seinen uferlosen Ausführungen lauschte, war ich in Gedanken weit weg.
Meeresrauschen. Das Kreischen der Möwen.
Ich bin ein guter Zuhörer.
Tobi.

Die Melancholie des Umlands

Leser-Reporter Harri hatte im Juli ein Meet & Greet mit Andy Bonetti gewonnen, dass sich schließlich zu drei Tagesausflügen ins Berliner Umland, von den Eingeborenen als „Brandenburg“ bezeichnet, ausdehnte. Wir waren in Neuruppin, Cottbus, Zehdenick, Luckau, Gransee und und und. Harris Bruder hat übrigens ein Weingut in Deutsch-Südwest (Baden-Württemberg), dessen Weine und dessen hervorragenden Sekt ich verköstigen durfte. In diesem Sommer wurden Maßstäbe für die Leser-Reporter von Bonetti Media Unlimited gesetzt.
Wir haben auch den Musiker Rainer „Max“ Lingk besucht, der früher bei der Berliner Underground-Punk-Band „Die Haut“ Gitarrist war. Außerdem hat er mit Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten), Debbie Harry (Blondie), Jeffrey Lee Pierce (Gun Club) zusammengearbeitet, Filmmusik geschrieben (Tatort u.a.) und arbeitet gerade in einem Musikprojekt mit Jugendlichen und Migranten. Er hat ein nettes kleines Häuschen im Grünen und ein cooles Tonstudio unterm Dach.
http://www.maz-online.de/Lokales/Prignitz/Musikprojekt-will-den-Norden-rocken

Luckau, Marktplatz.

Schloss Branitz - hier wohnte Fürst Pückler.

Schlosspark mit rätselhafter Pyramide - Area 51 in der Lausitz.

In diesem Dokument kapitalistischer Trostlosigkeit verbirgt sich ein Selfie von Harri und Andy.
Die Haut ft Nick Cave, Blixa Bargeld, Lydia Lunch, Kid Congo Powers, Alexander Hacke - Little Doll. https://www.youtube.com/watch?v=L_YJx8AVgq0
P.S.: Alle Bilder sind von Harri. Danke!

One Blogstuff to rule them all


Blogstuff 143
„Was lag in der Luft? – Zanksucht. Kriselnde Gereiztheit. Namenlose Ungeduld. Eine allgemeine Neigung zu giftigem Wortwechsel, zum Wutausbruch, ja zum Handgemenge.“ (Thomas Mann: Der Zauberberg)
Mein Ziel ist die Unsterblichkeit und bis jetzt ist es hervorragend gelaufen.
Im Spiegel sehe ich den unvorteilhaften Faltenwurf meines weißen T-Shirts, aber dann bemerke ich, dass es mein Bauch ist.
Nach Schopenhauer kann sich nur das Genie durch Kunst vom Leiden der Welt erlösen. Das „Weltauge“ erkennt, was der „Fabrikware der Natur“, dem Normalo also, verborgen bleibt. Dabei vernachlässigt das Genie das Naheliegende, das Banale. Plötzlich ergibt das ungespülte Geschirr in meiner Küche einen Sinn.
In der U2 sitzen mir drei weibliche Teenager gegenüber, die offenbar zum ersten Mal in Berlin sind. Sie starren die ganze Zeit auf ihre Smartphones und lesen sich gegenseitig die U-Bahn-Stationen vor, anstatt einfach aus dem Fenster zu schauen. Und so erreichen wir bald die „Möhrenstraße“. Was für eine elegante Lösung für die Debatte um den politisch nicht mehr korrekten Straßen- und Stationsnamen. Zwei Punkte – und das Problem ist vom Tisch.
Hätten Sie’s gewusst? Durch Andy Bonettis vielbeachteten Roman „Dauerbaustelle“ wurde Berlin über Nacht berühmt.
Sobald ein Schaffner die erste Klasse des ICE betritt, verwandelt er sich in einen Kellner. Ich sehe einen graumelierten Herrn in Uniform, der ein Tablett mit einem Glas Bier trägt. Er kommt zurück, um kurz darauf mit einem Handbesen und einer Kehrschaufel erneut das Abteil der ersten Klasse zu betreten. In der zweiten Klasse ist er eine Respektsperson, die meine Fahrkarte kontrollieren darf. Hinter der Tür ist er ein Diener.
Ich sitze nur zwei Meter von der ersten Klasse entfernt und kann die bessere Welt durch eine Glasscheibe sehen. Eben kamen zwei Kinder an mir vorbei, die sich dort die Sitze angesehen haben. "Die sind viel größer", stellt das Mädchen gegenüber ihrem Bruder fachmännisch fest. Ja, liebe Kinder, dort sind ja auch die größeren Ärsche.
Andy Bonetti hat es geschafft, kommerziell zu werden, bevor er berühmt wurde.
Ich hätte gerne gegen meine Eltern rebelliert, aber sie waren nie zu Hause.
Die gebürtigen Berliner sind viel gelassener als die Zugereisten. Vielleicht kommt die Wut der Neuberliner daher, dass sie in die Stadt gekommen sind, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, um sich und anderen etwas zu beweisen? Viele Träume platzen in Berlin und irgendwann kapiert die Kellnerin, dass sie nie Schauspielerin wird, und der Pizzabote, dass er nie Rap-Star wird. Und dann sind sie den Rest ihres Lebens wütend und enttäuscht. Sie haben an ihr Talent geglaubt und sich angestrengt – und es nicht geschafft. Daran müssen Andere schuld sein.
Warum können Männer es nicht spüren, wenn Soße oder Fett auf ihrem Kinn ist? Ist es ein Gendefekt? Früher dachte ich, es sei nur bei alten Menschen so, aber mir passiert es inzwischen auch schon.
Damals im Kerzenschein waren wir schöner als im Neonlicht.
Berlin ist so groß, dass oft völlig anderes Wetter herrscht, wenn ich in einem anderen Teil der Stadt aus dem Höhlensystem der BVG krieche.
Wenn Bonetti behauptet, er stehe über anderen Autoren wie Hemingway oder Sartre, dann ist das nicht abwertend gemeint. Er ist einfach nur besser als sie.
BER: Der Flughafen ist ein Symbol für Berlin. Die ganze Stadt ist eine Dauerbaustelle. Sie wird nie fertig werden. Es wäre ja auch traurig, denn wenn etwas fertig ist, verändert es sich nicht mehr.
„Meister“, fragten die Jünger, „was ist das Wesen der Literatur?“ Der Meister schwieg. Die Jünger wiederholten die Frage, doch ihr Meister blieb stumm. „Wie sollen wir je von dir lernen?“ klagten die Jünger. „Schweigt“, rief der Meister, „ich habe euch die Antwort bereits gegeben.“ Als die Jünger in der Kantine waren, musste Bonetti laut lachen.
Weezer – Buddy Holly. https://www.youtube.com/watch?v=kemivUKb4f4

Mittwoch, 16. August 2017

Not guilty

Rückreise von Berlin nach Schweppenhausen. Ich habe das große Glück, mir mit einer sympathischen und lebhaften Familie einen Tisch im Großraumwagen eines ICE teilen zu dürfen. Eine Afro-Belgierin mit zwei kleinen Mädchen und einem Baby auf dem Arm.
Hinter Berlin schreitet das Personal zur Fahrkartenkontrolle. Madame zeigt auf ihr Smartphone. Dort ist ein Foto von einer Fahrkarte zu sehen. Die Kontrolleuse erklärt ihr, dass sie ein Online-Ticket oder einen Ausdruck braucht. Leider versteht die Dame kein Deutsch und die Kontrolleuse kein Englisch.
Ein Kollege wird hinzugezogen, der des Englischen mächtig sein soll. Immer wieder weist er die belgische Mutter darauf hin, dass ihre Fahrkarte ungültig sei. Er erklärt es auf Englisch. In seiner Übersetzung heißt „nicht gültig“ überraschenderweise „not guilty“. Die Diskussion zieht sich in die Länge. Ihr Mann habe die Fahrkarte in Brüssel gebucht. Jedes Mal, wenn der Schaffner „not guilty“ sagt, muss ich mir ein Lachen verkneifen. Es ist nicht einfach, denn er sagt es sehr oft.
Jetzt schaltet die Dame auf Französisch um. Sie könne kein Englisch, erklärt sie resolut, man möge ihr jemanden bringen, der Französisch kann. Der Schaffner ruft über Funk im ganzen Zug die Fahrgäste auf, man möge sich in Wagen 23 begeben, da hier ein Dolmetscher benötigt werde. Mir wird klar, dass sich hier etwas Großes anbahnt. Das wird eine längere Geschichte. Zum Glück habe ich Bier dabei und öffne mir erwartungsvoll die erste Flasche.
Eine junge Frau erscheint, die Englisch und Französisch, aber kein Deutsch kann. Der Schaffner erläutert ihr die Lage auf Englisch. Not guilty. Sie wissen schon. Die Frau übersetzt ins Französische und erläutert der Belgierin, sie müsse in Frankfurt ins Reisecenter und sich eine korrekte Fahrkarte besorgen. Das Foto einer Fahrkarte sei nicht ausreichend.
So in die Ecke gedrängt rastet Madame aus und spielt ihre letzte Karte. Mein Schulfranzösisch reicht aus, um die wesentlichen Punkte zu erfassen. Die ganze Welt sei rassistisch, die Deutschen sowieso und der Schaffner sei einfach nur krank. Weiter geht es auf Englisch, das sie plötzlich wieder fließend kann: sie sei eine stolze Afrikanerin und lasse sich das alles nicht bieten. Überall werde man als Schwarze schlecht behandelt. Das Ende ihrer wütenden Suada ist in einer afrikanischen Sprache, die ich nicht beherrsche. Ich mittendrin, am Fenster, ohne Fluchtmöglichkeit.
Der Schaffner gibt auf, die junge Frau geht. Positiv ist zu vermerken, dass niemand im Zug empört ist, böse blickt oder zischt, wie man es in solchen Szenen öfter erlebt hat. Die Aggression der Belgierin läuft ins Leere, bis sie sich wieder beruhigt hat. Auch von den Müttern, die mit ihren Kindern und gültigen Fahrkarten auf dem Boden zwischen den Großraumabteilen kauern müssen und die Szene beobachtet haben, gibt es keinen Kommentar zum Verhalten der Schwarzfahrerin (das ist nicht rassistisch gemeint, sonst hätte ich BIMBOSCHLAMPE geschrieben).
Als alles vorbei ist, kommt zehn Minuten später ein ahnungsloser deutscher Rentner des Weges und streichelt das Baby auf dem Arm von Madame. Ihr fassungsloser Blick. Was soll sie machen? Ihn auch als Rassisten beschimpfen? Bis Frankfurt herrscht Ruhe.
OMD – Talking Loud And Clear. https://www.youtube.com/watch?v=Piq--jBz8Zc

Dienstag, 11. Juli 2017

Sommerloch

„Seid überzeugt, dass das Geheimnis des Glücks die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber der Mut ist.“ (Perikles)
Liebe Einbrecher!
Ich bin die nächsten fünf Wochen nicht zu Hause. Ich werde die Zeit in Berlin verbringen, wo ich mit meiner neuen Band „Empty Teens“ in einigen Clubs spielen werde (Käse & Zweifel-Tour 2017). Nehmt bitte nur mit, was Ihr wirklich braucht. Lasst mir die alten MAD-Hefte und meine Matchbox-Autos, v.a. den Lamborghini Miura.

Ich empfehle allen Leserinnen und Lesern, während meiner Abwesenheit die knapp zweitausend Blogposts noch einmal zu lesen. Glutenfreier Spaß für die ganze Familie. Vergessen Sie nicht die Worte unseres großen Meisters:
„Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Monsignore Stracciatella, äh … nein, es ist natürlich Andy Bonetti, von dem hier die Rede ist)
P.S.: Für die Kiezschreiber-Sommerpause hat Ackerboy eine großartige Geschäftsidee: http://ackerbaupankow.blogspot.de/2017/07/geschaftsidee.html
Der Sommerohrwurm: https://www.youtube.com/watch?v=kYO6gUlzhqE

Montag, 10. Juli 2017

Schach mit lebenden Figuren – Hamburg revisited

„Civil disobedience is not our problem. Our problem is civil obedience.” (Howard Zinn)
Wann hat dieses Schachspiel mit lebenden Figuren begonnen? Lange vor unserer Geburt, so viel ist gewiss. Ich beschränke mich in der Analyse also auf die letzte Partie, die in Hamburg gespielt wurde.
Wie nennen wir die Spieler? „Das System“ vs. „Die Revolution“? „Oben“ gegen „Unten“? Weißes Haus meets schwarzen Block? Der Staat trifft auf seine Kritiker? Suchen Sie sich was aus. Da der Staat die Partie begonnen hat, hat er die weißen Figuren, passenderweise haben seine Gegner die schwarzen Figuren.
Weiß, Zug 1
Das große Jahrestreffen der mächtigsten Politiker der Welt findet in Hamburg statt. Bekanntlich sind Hamburg und Berlin die Heimat der Autonomen und aktionsorientierten Linken. In Hamburg wiederum ist St. Pauli der konkrete Ort der „Szene“ – dort sind auch die Messehallen, die für den G20-Gipfel genutzt werden sollen. Begründung: Man wolle näher am Volk sein. Gleichzeitig wird bekannt, dass man sich von einer Armee von 20.000 Polizisten – das Militär wartet im Hintergrund - vor diesem Volk zu schützen gedenkt. Eine Kontaktaufnahme mit gezogenem Revolver.
Schwarz, Zug 2
Es wird eine Demonstration mit dem Titel „Welcome to hell“ angemeldet. Auf der Homepage heißt es ganz klar „BLOCKIEREN – SABOTIEREN – DEMONTIEREN“. Demo heißt nicht nur Demonstration, sondern auch Demontage. Ganz offen wird ein „Aktionsbild“ publiziert, in dem es heißt: „sehen wir die internationale antikapitalistische Demonstration als Auftakt zur ‚heißen Phase‘ der direkten Aktionen und Blockaden gegen den G20-Gipfel.“
Weiß, Zug 3
Trotz dieser offenen Ankündigung der nächsten Züge reagiert Weiß nicht defensiv, sondern genehmigt die Demo. Als die Demo stattfindet, wird sie sofort und massiv von der Polizei angegriffen, obwohl sich der Demonstrationszug noch gar nicht in Bewegung gesetzt hat. Später heißt es, ein Betrunkener hätte eine leere Flasche geworfen. Nennen wir ihn Horst Gleiwitz.
Schwarz, Zug 4
Schwarz baut Barrikaden im eigenen Revier, dem Schanzenviertel, schmeißt Scheiben ein, legt Brände, zündet Autos an, plündert Geschäfte.
Weiß, Zug 5
Weiß reagiert über viele Stunden nicht auf die Straftaten, die unmittelbar vor ihm begangen werden. Erst als die Teilnehmer des G20-Gipfels sicher in ihren Hotelbetten sind, beginnt die Polizei, sich dem Schanzenviertel zuzuwenden.
Schwarz, Zug 6
Schwarz bereitet sich auf die Erstürmung des Schanzenviertels vor. Die Situation soll weiter eskalieren. Molotow-Cocktails und Gehwegplatten sollen von den Dächern auf die Polizisten regnen.
Weiß, Zug 7
Weiß nimmt das Angebot einer Eskalation an und schickt Spezialeinheiten mit automatischen Waffen zur Räumung des Viertels. Beide Seiten sind nun an einem Punkt angelangt, an dem man Tote in Kauf nimmt. Schwarz könnte von einem zweiten Benno Ohnesorg strategisch profitieren, Weiß könnte von einem toten Polizisten strategisch profitieren.
Schwarz, Zug 8
Schwarz gibt auf. Weiß wird den Sieg in den kommenden Tagen medial nutzen. Sozialdemokratische, grüne und linke Politiker und linke Aktivisten – vom Hamburger Bürgermeister bis zur Antifa – werden öffentlich angegriffen. Es werden „schärfere“ Gesetze und „härtere“ Urteile der Justiz gefordert. Der Bevölkerung wird klar gemacht, wer die Beschützer und wer die Feinde der Gesellschaft, des Eigentums und der Freiheit sind.
Fazit: Der Staat braucht die Gewalttäter und Hooligans ebenso wie den Terrorismus, um sich zu legitimieren. Welcome to paradise.
Procol Harum - A Whiter Shade Of Pale. https://www.youtube.com/watch?v=Mb3iPP-tHdA

Sonntag, 9. Juli 2017

„Du Nazisau“ - Populärkulturelle Invektiven als Form ritualisierter Kommunikation im Kontext sozialer Medien


Blogstuff 142
„Es blitzt, es donnert, und der Regen steppt über die Straße wie Popcorn in einer heißen Pfanne.“ (Andreas Glumm)
Fünfzehn Minuten Nachrichten genügen, um den Zorn-Akku wieder aufzuladen.
So viele Menschen haben den Tod verdient – aber dann sterben Gunter Gabriel und Chris Roberts. Deutschlands Antwort auf den Tod von David Bowie und Prince.
Ladenschild der Woche: „Ankauf von Trödel – Verkauf von Antiquitäten.“
Worte reduzieren die Welt auf das menschliche Niveau.
Farben: Die graue Maus mit dem Silberblick sah goldig aus, nachdem sie etwas Rouge aufgetragen hatte. Der Typ im Blaumann trinkt eine Berliner Weiße und hat seinen schwarzen Humor nicht verloren, obwohl er tief in den roten Zahlen steckt.
Die ultimative Mutprobe: Ich mache direkt gegenüber von Erdogans Palast eine Imbissbude auf und verkaufe Schweinefleisch-Döner.
„Plötzlich ergab alles einen Sinn.“ Einer meiner Lieblingssätze in Romanen.
Nerdic Walking: Mit riesigen Kopfhörern und den Blick aufs Display des Smartphones gesenkt durch den Wald laufen.
Nehmen wir mal an, ein Delta-Tier des hiesigen Politikbetriebs gibt in der Sommerpause einen Kommentar auf Twitter ab. Der Kommentar wird hundertfach im Netz kommentiert, worauf die Kommentare zu diesem Kommentar kommentiert werden. Kaskadenförmige Zeitverschwendung. Es wird auf diese Weise auch keine Öffentlichkeit hergestellt, denn es entstehen keine echten Kontakte zwischen den Kommentatoren, die politisch wirksam werden könnten. Soziale Medien als Politiksurrogat – demnächst noch kontrolliert und zensiert von den Konzernen und vom Staat.
Würde es helfen, wenn der Computer laut lachen würde, wenn jemand einen schwachsinnigen Kommentar oder eine dämliche Frage eingibt?
Hätten Sie’s gewusst? Es gab nur zwei Attentate von Frauen auf einen US-Präsidenten. Beide Male war Gerald Ford das Ziel. Lynette Fromme, Mitglied der Manson-Familie, versuchte es am 5.9.1975, Sara Jane Moore, Mitglied einer maoistischen Guerillatruppe, am 22.9.1975. Ford blieb unverletzt, beide Frauen bekamen lebenslange Haftstrafen und sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.
Idee für ein Denkmal: Ein übergewichtiger Mann mittleren Alters in Unterwäsche und Hausschuhen, der ein Dosenbier in der Rechten hält und sich mit der Linken am Hintern kratzt. Widmung: „Dem unbekannten Konsumenten.“ (Notizbuch, 23.1.2000)
Der Verkaufstresen am Rande der Unendlichkeit: Raumausstatter Orion. „Die oberste Raumbehörde gibt Alpha-Order.“ Was wollt Ihr: ein galaktisches Deutschland oder eine deutsche Galaxis?
Erfolg ist nur der Beifall von Fremden.
Es gibt übrigens längst die klassenlose Gesellschaft. Wir finden sie auf unseren Friedhöfen. Keiner ist toter als der andere. Zum Tod gibt es weder einen Komparativ noch einen Superlativ. Der Sensenmann ist der große Gleichmacher. Unsere lebenslange Reise in den Tod hat für alle dasselbe Ziel.
28 Länder dieser Erde habe ich mir auf meinen Reisen angeschaut. Das größte Land war die Sowjetunion, das kleinste die Vatikanstadt. Meine Favoriten: Brasilien (Menschen), Japan (Kultur), Italien (Städte) und die Schweiz (Landschaft).
Vorsicht! Literatur gefährdet Ihre fortschreitende Verblödung.
Bonetti will nichts von dir. Er nimmt dich auf, wenn du kommst, und er entlässt dich wenn du gehst. So wie Kafkas Gericht, Kubricks Hotel oder das Leben selbst.
Hätten Sie’s gewusst? In seinem autobiographischen Roman „Durst und andere Männergefühle“ bezeichnet Bonetti sein Haus in den Weinbergen als „Overlook Ranch“. Sein Arbeitszimmer heißt „Room 237“ – seine Toilette jedoch „Ground Zero“.
Blondie - Hanging On The Telephone. https://www.youtube.com/watch?v=E0U_dzYtWyE

Stanley Kubrick – Selfie von 1949.

Samstag, 8. Juli 2017

Hamburg

So werden Jugenderinnerungen geschaffen. Eine Nacht an den brennenden Barrikaden von Hamburg ist das unvergessliche Kleinod, von dem man noch bis ins hohe Alter an den Theken dieser Welt erzählen kann. Was ist dagegen ein Parteitag der Jungen Union? Der G 20-Gipfel als romantischer Sommertraum.
Derweil bot sich ein bizarres Bild: die mächtigsten Politiker der Welt sitzen gemeinsam in der Oper und lauschen Beethoven, bewacht von Sicherheitskräften in Divisionsstärke, während draußen vor der Tür die Stadt brennt. Nero hätte ein Gedicht geschrieben.
Immerhin hat die Polizei nach Mitternacht die Plünderungen beendet und die Brände gelöscht, nachdem die Machtelite das Kulturprogramm und das Galadinner absolviert hatte und alle Gipfelteilnehmer wieder sicher in ihren Hotels waren. So konnten endlich auch die jungen Demonstranten und die Beamten ins Bett.
Waren es Linke, die in Hamburg revoltiert haben? Warum haben sie dann Fahrradläden angegriffen und die Autos der Normalos abgefackelt? Warum haben sie ihren eigenen Szenebezirk, das Schanzenviertel, in Schutt und Asche gelegt? Sie hatten die Mächtigen dieser Erde einmal im Leben komplett wenige hundert Meter vor der Nase – und klauen Wodka??? Das ist so erbärmlich, dass ich gar nicht glauben kann, dass es Linke sind. Da fehlen mir die Worte. Der Schnaps in der Hand ist besser als die Merkel auf dem Dach, oder was? Eine Blamage …
P.S.: Quo vadis, Ulm?
"Gestern, am 07.07. um 18 Uhr fanden sich am Einsteindenkmal in Ulm ca. 30 Leute zusammen, um spontan gegen die massive Polizeigewalt in Hamburg zu protestieren." (Indiamedium)
Widerstand & schönes Wetter - you can't beat the feeling.
Cocteau Twins - Aikea-Guinea. https://www.youtube.com/watch?v=cl3lrcLzbGw
P.P.S.: "Wenig später stürmten die ersten Vermummten den Laden, klauten vor allem Alkohol, aber auch gängige Lebensmittel wie Toast, Schokoriegel, Gemüse." (faz.net)
Alkohol und Schokolade: völlig klar. Toast => brennende Barrikade. Gut. Aber Gemüse???
"Ist Weibsvolk anwesend?"

Die Nacht hat Augen

„Sie steigern den Verkaufserfolg ihres Buches, wenn Sie behaupten, Sie hätten mit diesem Werk den Tod Ihres besten Freundes oder Ihres krebskranken Shetlandponys verarbeitet.” (Andy Bonetti: 99 Tipps für den erfolgreichen Autor)
Es war weit nach Mitternacht, als mein Meister endlich an das Tor klopfte. Die Kerzen auf dem Kandelaber waren schon heruntergebrannt, als ich ihm öffnete. Er sah erschöpft aus, zugleich flackerten seine Augen wild im Licht der Kerzen.
„Du musst mir einen jungen Mann besorgen“, sagte er und ging an mir vorüber ins Wohnzimmer.
„Was ist geschehen?“ fragte ich ihn besorgt.
„Schweig!“ rief er. Dann starrte er lange in die vergehende Glut des Kaminfeuers.
***
In den nächsten Tagen trieb ich mich in den einschlägigen Studentenkneipen herum. Ich versuchte es mit Schmeicheleien und Verlockungen. Aber für einen kleinen buckeligen Mann, der kaum auf einen Barhocker kommt, ist es schwer, selbst wenn er sexuelle Ausschweifungen, kostenlose Drogen oder Eintrittskarten für Borussia Dortmund anzubieten hat.
Der Meister wurde ungeduldig und so änderte ich meine Taktik. Ich wartete am Bahnhof, bis ein unschuldiger Jüngling mit einem großen Koffer ausstieg. Er wirkte so verloren – er musste der Richtige sein. Ich folgte ihm in den Stadtpark, wo er sich auf einer Bank ein wenig ausruhte.
Ich setzte mich neben ihn und begann eine belanglose Plauderei. Er sei zum Studium der Sozialpädagogik in die Stadt gekommen. Dann hätte er ja nichts dagegen, mit einem Behinderten einen Schluck zu trinken, sagte ich lachend. Während ich von meiner schweren Zeit im Waisenhaus erzählte, holte ich eine Flasche Wein hervor und tat so, als ob ich tränke.
Der junge Mann, der aus einem Weindorf in der Pfalz stammte, setzte die ihm angebotene Flasche beherzt an und war alsbald sanft entschlummert. Die KO-Tropfen hatten gewirkt. Ich rief telepathisch den Meister, der uns mit einem gestohlenen Krankenwagen unauffällig aus dem Park abholte.
***
Nachts im Laboratorium. Ein schwindelerregend hoher Tesla-Transformator und viele Maschinen mit blinkenden Lichtern beherrschten den Raum und warfen riesige Schatten an die Wände.
Der Meister hatte mich sorgfältig instruiert. Er lag auf einem Operationstisch, neben ihm der betäubte junge Mann. Für diese Nacht war ein schweres Gewitter angekündigt. Sobald ein Blitz in den Transformator einschlug, sollte ich mit der Operation beginnen.
Mir lief der Angstschweiß über die Stirn und den Rücken hinunter bis in meine Gummistiefel. Das Skalpell zitterte in meinen Händen, der Whisky beruhigte erst allmählich meine Nerven. Nach Stunden des Wartens donnerte es. Dann schlug ein mächtiger Blitz mit lautem Krachen ein. Es konnte beginnen.
***
Am nächsten Morgen konnte ich mich an nichts mehr erinnern. Der junge Mann weckte mich und sagte mit sanfter Stimme: „Gut gemacht, Igor.“
Ich hatte es tatsächlich geschafft. Ich hatte die beiden Gehirne vertauscht.
***
Der Meister wurde inzwischen von der Polizei wegen vielfachen Mordes gesucht. Wir ließen den Studenten, dessen Gehirn jetzt im Körper meines Meisters war, genesen und brachten ihn in die Stadt. Dann riefen wir die Polizei.
Der Rest ist schnell erzählt. Während mein Meister im Körper eines anderen Menschen unbehelligt weiterlebte, wurde der Student vor Gericht gestellt. Augenzeugenberichte, Fingerabdrücke, Tatmotive. Der Richter hatte es nicht schwer.
Noch auf dem Weg zum Schafott beteuerte er seine Unschuld.
Brian Hyland - Sealed with a kiss. https://www.youtube.com/watch?v=xIkUiD8N81k

Foto: Danke, Ackerboy!

Freitag, 7. Juli 2017

Das dunkle Haus

Anfang der achtziger Jahre hielt Arthur F. Burns, der damalige US-Botschafter in Bonn, eine Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Darin fiel folgender Satz: „Die Ziegel des atlantischen Gebäudes waren Geld, Technologie und Waffen; der Mörtel aber, der sie zusammenhielt, waren das gemeinsame Erbe und die gemeinsamen Werte der abendländischen Kultur.“
Das Haus ist ziemlich runtergerockt. 2017 spricht Angela Merkel nur noch von einem Wertefundament. Von Fenstern, durch die man in die Welt schaut, oder von Türen, durch die man andere Kulturen hereinbittet, war ohnehin noch nie die Rede, wenn die Metapher vom Haus bemüht wird. Da geht es um betonharte Fakten, um die Steine, aus denen dieser Wehrturm namens „Westen“ geschaffen wurde.
So wirkt auch das aktuelle G 20-Treffen der selbsternannten Weltregierung. Man kann keinen Blick hinter die Fassade werfen. Das Haus ist von hohen Mauern umgeben, die von einer Armee bewacht werden. Steht das Haus in einer Stadt oder kann man die Nachbarhäuser von dort aus gar nicht sehen? Brennt überhaupt noch Licht? Ohne Fenster ist es schwer zu sagen. Vielleicht ist es auch ein Hochbunker oder eine Festung?
Warten wir die Reden der beteiligten Politiker ab. Wir dürfen uns auf „zentrale Bausteine“ freuen, auf „Säulen“ und „Eckpfeiler“ sowie diverse „Ebenen“. Schließlich muss das Haus ja vor dem Einsturz bewahrt werden – falls es nicht ohnehin auf Sand gebaut wurde. „Baumeister“ werden sie sich nennen und von einer „neuen Architektur“ sprechen, als wäre es das Jahrestreffen der Freimaurer. Jedes Gebäude teilt die Welt in ein Innen und ein Außen. Aber um das zu erkennen, braucht man Licht.

Stanleys Mondfahrt

“Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben? Wo ist das Wissen, das wir in der Information verloren haben?” (T.S. Eliot)
Es ist unter Freunden der gepflegten Verschwörungstheorie ein Dauerbrenner: War die Mondlandung ein Fake? Weisen die Aufnahmen nicht eklatante Fehler auf? The Great Space Swindle als Teil des Kalten Krieges um propagandistische Erfolge gegenüber dem Systemgegner? Ich vermute, beide Seiten haben in diesem Streit recht.
Ja, es gab die Mondlandung wirklich. Mit unseren Teleskopen können wir die Hinterlassenschaften der Apollo-Missionen erkennen, auf der Erde haben wir kiloweise Gesteinsproben von unserer Totgeburt. Und für eine Fake-Landung hätte man nicht weitere fünf Crews bis zur Einstellung des Programms 1972 auf den Mond schicken müssen.
Ja, Aufnahmen, die eine Mondlandung zeigen sollen, sind auf der Erde in Filmstudios entstanden. Die entscheidende Frage ist doch: Ist es legitim, ein tatsächliches Ereignis mit gefälschtem Material zu dokumentieren?
In den Wochenschauen des Kinos und später im Fernsehen wird bis heute nach diesem Prinzip gearbeitet. Das Problem ist ganz einfach und tritt regelmäßig dann auf, wenn es für Kameraleute und Fotografen zu gefährlich ist oder es aus technischen Gründen nicht möglich ist, Ausrüstung zu transportieren und bereitzustellen: Es gibt von entscheidenden Ereignissen keine Bilder.
Im 19. Jahrhundert reichte es den Menschen, von einem Ereignis in der Zeitung zu lesen. Ein Korrespondent berichtete z.B. von einem Krieg, in dem er Augenzeugen und Pressesprecher interviewte. Vielleicht hat er auch nach einer Schlacht den Schauplatz besichtigt, aber er war nicht bei den ersten Männern, die eine Festung eroberten. In jedem Krieg stehen Soldaten an vorderster Front, keine Kameraleute und Fotografen.
Im 20. Jahrhundert begann das Zeitalter des Bilds. Die Menschen wollten ein Ereignis nicht nur erzählt bekommen wie in den Jahrtausenden zuvor, sie wollten es sehen. Wie macht man aber z.B. die Landung der Alliierten in der Normandie sichtbar? Man kann nicht erst ein Kamerateam an den Omaha Beach bringen, das die Soldaten zeigt, die aus den Booten springen. Es gibt also keine Nahaufnahmen von der Invasion. Sie wurden später für die Wochenschau nachgespielt.
Was sehen wir wirklich, wenn wir Bildaufnahmen vom Krieg sehen? Männer an Kanonen, rollende Panzer, startende Flugzeuge. Es kracht und blitzt, zu sehen ist nischt. All diese Aufnahmen sind nur gestellt, weil sich die Produktion echter Bilder in der Praxis nicht durchführen lässt.
Es gibt noch eine zweite Möglichkeit, ein Ereignis sichtbar zu machen: das Symbolbild. Sie kennen sicher die berühmte Fotografie, auf der ein paar Amerikaner eine Flagge auf Iwo Jima aufrichten. Das war nicht am Tag der Schlacht, sondern Tage später. Eine Inszenierung. Und im Prinzip hätte man die Flagge auch in Iowa in die Erde stecken können. Wer von uns kann mit Sicherheit sagen, dass es auf der Insel Iwo Jima war?
Auch das Bild, auf dem der Rotarmist eine sowjetische Flagge auf dem Reichstag hisst, ist erst Tage später noch einmal nachgestellt worden. Ansonsten hätte ein Fotograf während der Kampfhandlungen dem Soldaten aufs Dach des Reichstags folgen müssen. Für die Presse ist aber bekanntlich der Zutritt zum Kriegsschauplatz verboten. Er wäre als Zivilist nur im Wege und ohnehin gesundheitlich stark gefährdet.
Wichtig ist nicht die Authentizität des Bildes, sondern die Tatsache, dass ein Ereignis tatsächlich stattgefunden hat. Die Eroberung von Berlin, die Schlacht um Iwo Jima, die Invasion der Alliierten – all das ist real. Wie die Mondlandung. Aber es war vermutlich nicht möglich, auf die Reise von Apollo 11, wo jedes Kilogramm Gewicht berechnet werden muss und jede zusätzliche Last zusätzlichen Treibstoffverbrauch bedeutet, eine Kameraausrüstung mitzunehmen, die für die nötige Qualität der Bilder gesorgt hätte.
Eine These, die schon häufiger geäußert wurde, besagt, Stanley Kubrick habe die Bilder für die NASA produziert. 1969 hat er an „2001“ gearbeitet und hatte also das Knowhow. Außerdem gibt es in „Shining“ einige Anspielungen von ihm auf dieses Thema. Warum nicht? Neil Armstrongs berühmter Satz bei der Landung soll ja auch angeblich vom Schriftsteller Arthur Miller im Auftrag der NASA geschrieben worden sein und ist ihm nicht spontan beim Betreten der Mondoberfläche eingefallen. Diese Rätsel werden uns sicher noch lange erhalten bleiben.
Duran Duran - New Moon on Monday. https://www.youtube.com/watch?v=h7n6Lgh4SZs

Donnerstag, 6. Juli 2017

Netzbeschmutzer mit vier Buchstaben

„Und vier Monate später stand in
Springers heißem Blatt,
dass das Georg-von-Rauch-Haus
eine Bombenwerkstatt hat.
Und die deutlichen Beweise
warn zehn leere Flaschen Wein.
Und zehn leere Flaschen können schnell
zehn Mollis sein.“
(Ton Steine Scherben: Rauch-Haus-Song)
Was habe ich gelacht. Boulevardpresse. Logo. So läuft das Geschäft, seit ich denken kann. Dann habe ich an das Lied von den Scherben denken müssen. Aber der Reihe nach.
Wie die Phrasenmäher heute auf ihrer Internetseite berichten, fahndet man nach zwei Berliner „Linksextremisten“, die „untergetaucht“ sein sollen. Übersetzt heißt das: unsere lieben Feinde von der Polizei sind mal wieder zu blöd, jemanden zu finden. Eigentlich haben sie gar nichts verbrochen, aber nun „hat das Landgericht die Ingewahrsamnahmen der zwischenzeitlich festgenommenen Männer bis zum 9. Juli angeordnet“, wird ein Gerichtssprecher zitiert. Dabei sei auch die „zeitliche Nähe zum Gipfel ausschlaggebend“. Man vermutet, dass die beiden Burschen in Hamburg sind.
Was war geschehen? In ihrem Auto waren eine Liste mit Polizeifahrzeugen, Einweghandschuhe und „eine große Kiste mit Streusand“ gefunden worden. „Die polizeibekannten Angehörigen der linksradikalen gewaltorientierten Berliner Szene wollten Zivilstreifen angreifen und in der Kiste mutmaßlich Waffendepots in der City anlegen.“
Na klar! Eine leere Kiste ist ein potentielles Waffendepot. Meine Küche ist ein Waffenlager und die Werkzeugkiste macht meine Werkstatt im Keller zu einer Folterkammer. Ich muss noch heute die leeren Weinflaschen zum Glascontainer bringen, bevor die Polizei diesen Text liest.
Ton Steine Scherben - Rauch-Haus-Song. https://www.youtube.com/watch?v=TYSFGT7UGS8

Andy Bonettis Vermächtnis


Blogstuff 141
„Bloß die Großen schreiben wie die Alten, ohne Brotgier, ohne Rücksicht auf Leser, bloß in den Gegenstand versenkt.“ (Jean Paul)
Ich habe einen Schlüsselbund wie ein Hausmeister, aber bei den meisten Schlüsseln weiß ich nicht mehr, für welche Tür sie sind. Mein Leben ist teilweise hochallegorisch.
Herostratos setzte den Tempel der Artemis in Ephesos, eines der sieben Weltwunder, in Brand, um berühmt zu werden. Sein Name sollte niemals vergessen werden – womit auf diesem Wege gesorgt ist. #Mark David Chapman
Erinnert sich noch jemand an die Verhandlungen zum Vollzug der Wiedervereinigung zwischen Schäuble (West) und Krause (Ost)? Schäuble sitzt als Minister auch 27 Jahre später noch fest im Rollstuhl, Krause hat längst seine politischen Ämter verloren, Insolvenz angemeldet und ist vorbestraft. An solchen Geschichten sieht man exemplarisch, wer die Gewinner und wer die Verlierer der "Einheit" sind.
Warum gibt es in Berlin Restaurants, in denen man Sardinenkonserven nach Herstellern und Jahrgängen sortiert bestellen kann, die der Kellner dann gekonnt öffnet? Warum laufen heute Frauen in meinem Alter mit absichtlich zerrissenen Jeans durch die Gegend? Wir sollten nicht nach dem Sinn fragen. Diese Welt hat weniger Sinn, als selbst das dümmste Rübenschwein vermutet.
Als der eiserne Vorhang 1989 gehoben wurde, zerfiel alles, was der Kommunismus bisher zusammengehalten hatte: der Warschauer Pakt, die Sowjetunion, Jugoslawien und die Tschechoslowakei. Zerfällt - mit dem Brexit als Startschuss – jetzt alles, was der Kapitalismus bisher zusammengehalten hat?
Der Herbst des Lebens wird immer mit dem Alter gleichgesetzt. Nehmen wir doch mal die Analogie von Lebensalter und Jahreszeiten ernst und gehen wir von einem Durchschnittsalter von achtzig Jahren aus. Die ersten zwanzig Jahre sind der Frühling, die zweiten zwanzig Jahre sind der Sommer. Dann beginnt der Herbst des Lebens schon an unserem vierzigsten Geburtstag. Bei mir geht es gerade auf Herbstende zu, die Blätter fallen – und über den Winter will ich gar nicht nachdenken.
Wäre die SPD ein Fußballer, würde man sagen: Sie kommt über links und hat einen starken rechten Fuß.
Trampen ist ja längst aus der Mode gekommen, aber mit einem leeren Benzinkanister funktioniert es immer noch ganz gut.
Nur mal so zwischendurch: https://www.youtube.com/watch?v=W42x6-Wf3Cs
Als Zivildienstleistender habe ich während der Konfirmandenfreizeit auf der Burg in Bacharach zwei Nächte mit einem Pfarrer in einem Zimmer geschlafen. Passiert ist nichts. Das lag vermutlich daran, dass er mit einer gutaussehenden Französin verheiratet war und ich eine scharfe Ingelheimerin am Start hatte. # Zölibat
Mein erster Kontakt mit anderen Kindern in Schweppenhausen fand 1975 im Niemandsland der Wiesen am Dorfrand statt. Ich traf auf eine Gruppe gleichaltriger Jungs und habe als Stadtkind vorsichtshalber erst mal einen Stein geworfen. Damals war ich noch im Handballverein, der Wurf war weit und präzise, wenn er auch keinen direkt traf. Dann lief ich zurück auf unser Grundstück, wo ich mich ins Gartenhäuschen verkroch. Das Haus stand damals noch nicht. Zu meiner Verwunderung kamen keine Schmährufe wie „Feigling“. Die Jungs spielten in der Nähe des Gartenzauns, während mein Vater im Garten vor sich hin wurschtelte. So begann ich, Vertrauen zu den Menschen aufzubauen, die heute noch meine Freunde und Bekannten sind.
Die Methode der subversiven Integration führte Johnny Malta in die Verlagsszene, in der er letztlich versumpft ist. Geändert hat er gar nix.
Zwei Männer stehen schweigend und verlegen im Park, während ihre Hunde kopulieren.
Berlin - No More Words. https://www.youtube.com/watch?v=YVlrhahj8G4

Mittwoch, 5. Juli 2017

Panda & Schlagstock

So mag ich meine Heimat: Wir sehen unsere Staatschefin mit einem zuckersüßen Panda, der gerade von einem befreundeten Diktator angeliefert wurde, und gleichzeitig bekommen die Gegner ihrer Politik in Hamburg von ihrer Knüppelgarde die Fresse poliert.
Kann mir jemand nochmal ganz kurz den Unterschied zwischen BRD und DDR erklären? Wir haben das Beste aus beiden Systemen: Wirtschaft West und totalitärer Staat Ost.

Das Internet darf nicht demokratisch werden

„Wahres Können braucht keine Anstrengung.” (Tiger & Dragon)

Sie kennen den Tor-Browser, den Anonymisierungsdienst, der Ihre Spuren im Netz verwischt, so dass Sie mühelos Kalaschnikows und Teddybären mit dickem Stofflümmel kaufen können? Vergessen Sie’s.
Kennen Sie den „Platinum Browser“? Es gibt längst ein Netz für reiche Menschen, in denen die echten Nachrichten kommen, die für relevante Kaufentscheidungen am Aktienmarkt wichtig sind. Hier bekommen Sie die News, lange bevor die Nachrichtenagenturen sie an die Medien und damit an das Fußvolk durchreichen.
Wo sind die angesagten Partys, wo treffen sich die wichtigen Leute, was muss man anziehen, was muss man kaufen, um weiterhin zum inneren Tempelbezirk zu gehören?
Wo gibt es garantiert keine Überwachung, wo darf ich noch „Neger“ und „frigide Emanze“ schreiben?
Wo muss ein asthmatischer Zwergpinscher wie Heiko Maas draußen bleiben?
Vergessen Sie das Darknet! Kommen Sie an einen Ort, den nur die Auserwählten kennen!
Lieferservice für Hummer und Langusten, Kaviar und eisgekühlten Champagner. 24 Stunden. Auf Kredit.
Lassen Sie sich beliebig viele Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente ausdrucken.
Direkter Kontakt zu Entscheidungsträgern in Wirtschaft, Sport und Politik.
Investieren Sie in die Zukunft, von der im Losernet noch keiner etwas weiß.
Der „Platinum Browser“ ist nur wenigen vorbehalten.
Sie gehören nicht dazu.
R.E.M. - The Great Beyond. https://www.youtube.com/watch?v=k_JnCWT-_O8

Dienstag, 4. Juli 2017

Fachfrage für Nerds

Wie nimmt die Besatzung des Raumschiffs Orion ihre Mahlzeiten zu sich?
a) mit Messer und Gabel
b) mit Stäbchen
c) mit den Händen
d) mit einem neuartigen Gerät
e) lustige Alternative für echte Nerds: mit einem Bügeleisen

Werden Sie unglücklich – in sieben einfachen Schritten

"Der Genuss einer guten Zigarre lässt uns an Zeiten zurückerinnern, die es gar nicht gegeben hat." (Oscar Wilde)
Sie kennen das: Man hat sie auf eine Party eingeladen und nun sitzen sie einsam in der Ecke, während ein Partylöwe gerade einer begeisterten Menge sein Unglück schildert. Scheidung, Entlassung und eine schwere Krankheit. Der Typ fesselt seine Zuhörer mit einem Berg von Problemen, während bei einem Langweiler wie Ihnen alles in bester Ordnung ist.
Schritt 1
Lösen Sie Probleme nicht. Geben Sie ihnen Zeit zu wachsen. Das Auto macht ein verdächtiges Geräusch? Na und?! Bloß nicht zu Ihrer Werkstatt fahren. Der Leberfleck wächst von Tag zu Tag? Gehen Sie nicht zum Arzt, bis er nicht wenigstens die Größe eines Bierdeckels erreicht hat.
Schritt 2
Machen Sie die Probleme anderer Leute zu Ihren Problemen. Die Amerikaner wählen die größte Arschkrampe des Jahrhunderts zu ihrem Präsidenten? Regen Sie sich auf! Wir werden alle sterben, weil in Washington zum ersten Mal ein Vollidiot im Weißen Haus sitzt.
Schritt 3
Übertreiben Sie maßlos. Sie haben nach einer durchzechten Nacht keinen Kater. Nein. Sie haben einen Gehirntumor. Ihr Chef ist der unfähigste Versager aller Zeiten und viel schlimmer als die Chefs aller anderen Leute, die sie kennen.
Schritt 4
Setzen Sie sich Ziele, die Sie nicht erreichen können. Sie arbeiten Vollzeit, haben drei Kinder und renovieren nebenbei gerade Ihre Wohnung? Dann fangen Sie ein Medizinstudium an und nehmen Sie sich vor, es in Rekordzeit und mit Bestnote abzuschließen.
Schritt 5
Denken Sie immer negativ. Das Leben ist nicht nur schlimm – es wird auch immer schlimmer. Der Wolkenbruch gestern war ein Menetekel, ein klares Anzeichen des Klimawandels. Warnen Sie alle vor dem drohenden Weltuntergang. Oder wenigstens vor dem jederzeit möglichen „Sekundentod“.
Schritt 6
Hassen Sie sich selbst. Halten Sie sich für wertlos und suchen Sie nach Fehlern. Sie werden immer Fehler finden, wenn Sie nach ihnen suchen. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass niemand Sie mag? Das hat seine Gründe.
Schritt 7
Fangen Sie Streit an, wo immer Sie können. Widersprechen Sie nach dem Prinzip der „Contrary Opinion“. Alle finden Erdogan doof? Sie mögen ihn. RTL ist der mieseste Sender von allen? Sie sind ein großer Fan. Streiten Sie mit der Kassiererin im Supermarkt. Sprechen Sie als Fußgänger grundsätzlich jeden Falschparker an.
Wenn Sie diese sieben Regeln befolgen, steht Ihnen auf dem Weg ins Unglück nichts mehr im Wege.
Cigarettes After Sex - Keep On Loving You. https://www.youtube.com/watch?v=PDJPpG8e4n4

Montag, 3. Juli 2017

Scheitern – Aufgeben – Lachen, wenn es nichts zu lachen gibt


Blogstuff 140
„Die Hälfte aller gedruckten Bücher wird nicht verkauft, die Hälfte aller verkauften Bücher wird nicht gelesen, die Hälfte der gelesenen Bücher wird nicht verstanden, die Hälfte der verstandenen Bücher wird falsch verstanden.“ (Giovanni Papini)
An Geld, das man vernünftig ausgegeben hat, erinnert man sich nie.
Wenn man es in einem guten Augenblick schafft, die ganze Menschheit und ihr Treiben aus der Distanz zu betrachten, dann sind wir nicht die Krone der Schöpfung, auch nicht die Dornenkrone, sondern der größte Witz der Evolution – Sie und mich eingeschlossen.
1853 war George Crum Koch im Hotel Moon Lake Lodge in Saratoga Springs. Ein Gast beschwerte sich, dass die Bratkartoffeln zu dick, zu wenig gewürzt und nicht knusprig genug wären. Also schnitt er eine Kartoffel in hauchdünne Scheiben, würzte sie stark und briet sie anschließend besonders knusprig. Crum eröffnete bald darauf ein eigenes Restaurant in der Stadt und auf jedem Tisch stand ein Körbchen mit seinen speziellen Bratkartoffeln. Weil sie sich großer Beliebtheit erfreuten, verkaufte er sie auch in kleinen Schachteln außer Haus. Bis um das Jahr 1900 hießen sie Saratogachips, heute nennt man sie Kartoffelchips.
Vier Jahre später erfand Joseph Gayetty das Toilettenpapier, das zunächst als „Gayetty’s medizinisches Papier“ verkauft wurde. Es war aus ungebleichtem Manilahanf und 500 Blatt kosteten 50 Cent – was damals viel Geld war.
Anton Feuchtwanger verkaufte in St. Louis heiße Würstchen, denen er Handschuhe beilegte, damit man die heißen Dinger anfassen konnte. Allzu oft wurden die Handschuhe geklaut und er kam schließlich auf die Idee, sie in ein längliches Brötchen zu stecken, in das man praktischerweise auch direkt Senf oder Ketchup tun konnte. Der Hot Dog war geboren.
Vor achtzig Jahren, 1937, erfand Sylvan Nathan Goldman den Einkaufswagen. Der Supermarktbesitzer hatte sich geärgert, dass seine Kunden immer zu Kasse gingen, wenn ihr Einkaufskorb voll war. Wir sollten bei Neubenennungen von Straßen an diese Menschen und ihre nützlichen Erfindungen denken – aber bitte nicht an Helmut Kohl.
Ich würde ja Tiefkühlpizza – auch eine wichtige Erfindung - von einer kommunistischen Kolchose kaufen, wenn ich auf diese Weise den Klassenkampf unterstützen könnte, aber in meinem Supermarkt habe ich nur die Wahl zwischen Wagner und Dr. Oetker.
Wenn man auf der Straße von einem Verkäufer angequatscht und vollgelabert wird, heißt das übrigens „Dialogmarketing“. Die meisten dieser Leute werden von der „Agentur Provocateur“ (Spin-off der Bonetti Media AG) ausgebildet.
Das Flüchtlingsdrama, das sich in diesem Jahrzehnt auf dem Mittelmeer abspielt, gab es schon einmal in meiner Kindheit. Als die US-Armee nach dem verlorenen Vietnamkrieg 1975 das Land verließ, fürchteten viele Vietnamesen die Rache der Sieger. Die kommunistischen Sieger richteten 200.000 Südvietnamesen hin, ebenso viele starben in Umerziehungslagern und als Zwangsarbeiter. 1,6 Millionen flüchteten über das Meer, eine Viertelmillion Menschen starben bei der Flucht. Erst Ende der achtziger Jahre endete dieses traurige Kapitel. Den Begriff „Boat People“ kennen ältere Leser sicher auch heute noch. Etwa 10.000 von ihnen kamen nach Deutschland, dann wurde ein Aufnahmestopp verhängt.
Eines Tages hatte der Busfahrer keine Lust, an der Endstation anzuhalten, und fuhr einfach weiter.
Was soll ich von einem veganen Restaurant halten, dass „Emilia Carotti“ heißt und von den Yakitori-Brüdern eröffnet wurde?
Wie stelle ich fest, ob die Hausbesitzer gerade im Urlaub sind? Richtig. Der Briefkasten wird nicht geleert. Wie kontrolliere ich die Briefkästen? Indem ich so tue, als hätte ich in der Straße etwas zu tun. Merke: Alle Zeugen Jehovas und Werbeblättchenverteiler arbeiten als Spione für Einbrecherbanden.
Er behauptete steif und fest, sich nicht für Pornos zu interessieren.
The Smiths - Shoplifters of the World. https://www.youtube.com/watch?v=lJRN76hxFz0

Copyright: Harri, der sich langsam aber sicher ein Meet & Greet mit Andy Bonetti erarbeitet.

Sonntag, 2. Juli 2017

Herzdame mit Streuselkuchen

Manchmal frage ich mich, warum so viele völlig unbedeutende und unbekannte Leute mit ihrer Biographie bei Wikipedia landen. Es gibt andererseits Menschen, deren Biographie im diesem krebsartig wuchernden Lexikon fehlen. Nehmen wir Wilhelmine „Minna“ Eberling als Beispiel.
Als sie geboren wurde, herrschte noch ein Kaiser über das Reich, wie im Märchen. Ein Kaiser, den man nur vom Hörensagen kannte, denn Zeitungen las man in ihrer Familie nicht, Fernsehen und Radio waren noch nicht erfunden. Selbst von den großen Tragödien wie dem Untergang der Titanic erfuhr man damals erst nach Wochen etwas am Gartenzaun oder im Gasthaus.
Ihr Vater arbeitete bei der Reichsbahn und starb an Blinddarmentzündung, als sie vier Jahre alt war. Ihre Mutter starb an der Spanischen Grippe, als sie vierzehn war. Damals war der Weltkrieg gerade vorüber und sie musste sich als Waise Arbeit auf einem der umliegenden Bauernhöfe suchen.
Als sie siebzehn war, stieß ihr eine Kuh das linke Auge aus. Sie musste in eine Augenklinik, wo sie nach ihrer Genesung als Hilfskrankenschwester blieb. Sie heiratete in der Weltwirtschaftskrise einen Arbeiter, der sein Geld im Steinbruch verdiente. Sie war eine Fremde im Dorf ihres Mannes.
Ihr erster Sohn kam 1934 auf die Welt. Ein zweiter Sohn folgte einige Jahre später, doch sie musste ihn noch vor seinem dritten Geburtstag begraben. Wieder Blinddarmentzündung.
Dann kam der nächste Weltkrieg. Ihr Mann wurde 1945 noch zum „Volkssturm“ einberufen und musste fünfzehn Monate in französischer Kriegsgefangenschaft verbringen. Sie verbrachte diese Zeit mit ihrem Kind in einem Zimmer bei den Schwiegereltern und durfte nicht am Familienessen teilnehmen.
Im Wirtschaftswunder baute die Familie mit bloßen Händen ein Haus. 3000 DM Kredit von der Sparkasse und gelegentlich zwei Gehilfen für die Arbeit. Ein Stockwerk wurde an eine alleinstehende Lehrerin vermietet, eines bewohnte man selbst. Der Garten war komplett für Kartoffeln und Gemüse bestimmt, einige Hühner lieferten die Eier. Fleisch gab es nur sonntags.
Es gab kein Auto und sie ist niemals in ihrem Leben verreist. Sie hat den ganzen Tag Wasser aus der Leitung getrunken und war niemals im Ausland. Im Winter wurde nur die Küche geheizt und alle gingen vor acht Uhr abends ins Bett.
Sie wurde taub und hörte Volksmusik in ohrenbetäubender Lautstärke. Ihr Mann wurde ein schweigsamer, mürrischer Trinker. Beide bekamen etwa fünfhundert DM Rente.
Ich erinnere mich an das gute Essen. Pellkartoffeln mit Quark. Rohe Erbsen. Selbstgebackener Streuselkuchen. Einmal habe ich nur die Streusel gegessen, nicht den Boden. Mein Opa wurde fuchsteufelswild und erzählte wieder die Geschichten über die klägliche Ernährung in der Kriegsgefangenschaft. Meine Oma lächelte und ließ es mir durchgehen.
Den Tod ihres Mannes hat sie nicht verstanden. Ab diesem Tag war mein Vater ihr Mann. Obwohl sie erst 1991 starb, hat sie nie etwas von der deutschen Einheit erfahren. Als sie – wahnsinnig geworden – in einer geschlossenen Anstalt starb, war niemand von uns bei ihr.
Heartless Bastards - Only For You. https://www.youtube.com/watch?v=F8wqmh3KybI

Samstag, 1. Juli 2017

Die letzte Reise

Der Tag von Helmut Kohls Beerdigung ist typisch für einen Politiker. Er ist mit dem Auto, dem Schiff und dem Hubschrauber unterwegs – und in verschiedenen Ländern. Als wäre es die Leiche von James Bond oder Phileas Fogg. Angela Merkels Sarg geht vermutlich mal auf Welttournee. #Kanzlerin der Bankenrettung

Der große Kalenderschwindel

„Wenn die Polkappen schmelzen, steigt der Meeresspiegel und Städte wie New York, Tokio oder Hamburg verschwinden. Berlin wird zum neuen Venedig und ich kaufe mir ein Schlauchboot, das von dressierten Delphinen gezogen wird.“ (Andy Bonetti: Gute neue Zeit)
Der Bundestag kann noch nicht in die Sommerferien abhauen. Mir ist da noch was eingefallen. Es ist total ungerecht, dass der Februar nur 28 Tage hat, alle anderen Monate aber 30 oder 31 Tage. Ich spreche hier von einer massiven Diskriminierung, an der die alten Römer Schuld sind.
Das römische Jahr begann nämlich ursprünglich am 1. März und endete im Februar. Am Jahresende waren dann einfach nicht mehr genug Tage für den Februar übrig. 45 v.Chr. hat Julius Cäsar (genau, der Typ aus Asterix mit der großen Nase) zwar eine Kalenderreform gemacht (genau, „Reform“ – kann ja nix gutes bei rauskommen), bei der das Jahr endlich von 355 auf 365 Tage verlängert wurde, der Februar aber bei der Verteilung der zusätzlichen Tage wieder in die Röhre guckte.
Ich finde, alle Monate sollten 30 Tage haben. 31 Tage bekommen folgende Monate:
Februar – als Ausgleich für Jahrtausende der Diskriminierung
Mai – weil er so schön ist
August – weil ich da Geburtstag habe
Oktober – weil er manchmal auch schön ist
Dezember – damit die Zeit „zwischen den Jahren“ nicht kürzer wird
Der Schalttag alle vier Jahre wird per Volksabstimmung vergeben. Oder wir heben ihn für bessere Zeiten auf.
Herwig Mitteregger – Rudi. https://www.youtube.com/watch?v=VbxGz_r2JfU

Die Veganer-Mafia

Alle nannten ihn Joe Bananas. Sein richtiger Name war Giovanni Bonnano. Er war über einsneunzig groß, hatte breite Schultern und Oberarme, die aus seinem Nadelstreifenjackett zu springen schienen.
Bisher hatte er sein Geld mit illegalem Glücksspiel, Fußballwetten und Krediten zu Wucherzinsen verdient, bis er das Geschäft mit den Bio-Märkten entdeckte. Dort wurde ein Mörderumsatz gemacht und kein Schutzgeld bezahlt. Das wollte er ändern.
Als erstes nahm er sich einen Bio-Markt im Wrangelkiez vor. Falckensteinstraße. Er postierte zwei Männer im Eingangsbereich, die jeden neuen Kunden finster anblickten. Zwei weitere Schlägertypen schüchterten die Kunden ein. Schließlich kam der Marktleiter, ein blasser kleiner Mann namens Kai Nickel, und drohte, die Polizei zu alarmieren. Zwei von Joe Bananas‘ Leuten schleppten ihn ins Lager und erklärten ihm, das er ab jetzt zehn Prozent vom Umsatz abzugeben habe. Der Marktleiter schüttelte tapfer den Kopf. Die Salatgurke musste ihm chirurgisch aus dem Rektum entfernt werden.
Sie nahmen sich die nächsten Bio-Märkte vor. Scheiben wurden eingeschmissen und die Fahrradreifen der Marktleiter aufgeschlitzt. Schließlich hatte Joe die gesamten Biomärkte in Kreuzberg unter Kontrolle. Aber das reichte ihm nicht. Die nördliche Seite der Spree gehörte dem Genovese-Clan, also musste er sich etwas Neues ausdenken. Die Gewinnspanne dieser ganzen Bio-Scheiße war schließlich unglaublich verlockend. Also machte er seinen ersten eigenen Bio-Markt auf. Ganz prominent an der Bergmannstraße, wo jeden Tag zehntausende Vegetarier, Flexitarier und Veganer unterwegs waren.
Die Sache mit dem Gemüse und dem Obst war nicht schwer. Er kaufte einfach die billigsten Lieferungen aus Rumänien und anderen Ländern auf dem Großmarkt auf und verpasste ihnen ein Bio-Label. Er ließ sich polnisches Bier liefern und klebte ein zusätzliches Etikett „Veganer Bölkstoff“ auf die Flaschen. Bald stellte er fest, dass Fleisch billiger war als Gemüse. Also verkaufte er echte Buletten aus billigen Fleischresten als Grünkernbratlinge. Die Kunden rissen ihm die Ware aus den Händen. Endlich schmeckte dieses Bio-Zeug!
Wir kamen Joe Bananas auf die Schliche, als er eine Ladung Weißwürste aus Bayern geliefert bekam, die er als Tofu verkaufen wollte. Detective Kowalke und ich saßen in einem unauffälligen 1972er Pontiac Shadowland auf der anderen Straßenseite, als der Lieferwagen in die Hofeinfahrt einbog.

Eingangsbereich von „FrischeParadies - Joe Banana’s Super-Bio-Markt.“
Fortsetzung folgt
Billy Idol – Eyes Without A Face. https://www.youtube.com/watch?v=9OFpfTd0EIs

Freitag, 30. Juni 2017

Die Flut

Das folgende Video zeigt die Ecke Trautenaustraße und Bundesallee in Berlin. Ich wohne um die Ecke - zum Glück im dritten Stock und ohne Keller. U 3 und U 9 fielen gestern in meinem Kiez aus. 150 Liter pro Quadratmeter. Schön, dass ich gerade in Schweppenhausen bin.

https://www.youtube.com/watch?v=AJx1x3t4Ar0

Auf dem Einrad nach Acapulco


Blogstuff 139
„Es gibt eine Stunde der Nacht – die Stunde der Wölfe, wie Ingmar Bergman sie nannte -, in der man der Wahrheit nicht ausweichen kann. Sie schlägt um vier Uhr morgens, wenn man aufwacht und allein ist mit sich – mit seinen guten und schlechten Seiten, mit dem, was man getan, und mit dem, was man zu tun hat.“ (Sandro Pertini)
Hätten Sie’s gewusst? Papier ist in der Lage, sich selbst zu bewegen. Nachts bildet es auf Schreibtischen und in offenen Regalen gerne wirre Haufen. Als Fallen aufgestellte Papierkörbe funktionieren leider nicht.
Jedes neugeborene Kind müsste uns eigentlich mit tiefer Hoffnungslosigkeit erfüllen. Es kommt vollkommen erkenntnis- und erfahrungsfrei auf die Welt und soll dennoch in begrenzter Zeit seine Bestimmung erkennen. Betrachten wir sie einige Jahrzehnte später, hat der erste Eindruck nicht getrogen: Fast alle verbringen ihr Dasein mit dem würdelosen Gleichmut von Mastschweinen, ihr größtes Ziel ist die nächste Fuhre Abfall, in der sie wühlen können.
Auf meiner Geburtsurkunde steht glücklicherweise auch die Uhrzeit: 14.8.1966, 5 Uhr 10. Ein sonniger Sonntagmorgen. Am 25.6.2017, um 10 Uhr, habe ich also exakt eine Milliarde, 605 Millionen und 156.600 Sekunden gelebt. Oder 26.752.610 Minuten, 445.876 Stunden (abgerundet),18.578 Tage (abgerundet). Am 17. Mai 2021 wird der 20.000ste Tag in meinem Leben sein. Am 14. Dezember 2049 mache ich die tausend Monate voll! Dann werde ich 83 Jahre und vier Monate alt sein – übrigens exakt so alt wie mein Vater in diesem Monat.
Ein kleines Nickerchen am Nachmittag hat den Vorteil, dass man sich nicht so weit wegträumt wie in der Nacht. Ich träumte also, nachdem ich im Fernsehen etwas von einem nahenden Unwetter mit Hagelschauer und Sturm gehört hatte, von diesem Wetterumsturz, der die brütende Hitze beenden sollte. Es war dunkel und es schneite in meinem Traum. Ich ging zum Fenster und sah, wie die Nachbarkinder einen Schneemann bauten! Dann wachte ich auf. Fünfzehn Minuten später donnerte es, ein heftiger Regen setzte ein und große Hagelkörner schlugen auf dem Dach und in den Garten vor mir ein.
Warum ist Merkel die ideale Kanzlerin und warum gewinnt sie die Wahlen im September? Weil sie keine Ziele hat, weil sie den Status Quo repräsentiert. Sie ist perfekt für eine der ältesten Bevölkerungen der Erde, Durchschnittsalter: 46. Das heißt: Die Hälfte der Deutschen ist älter als 46. Da will man nur noch, dass alles so bleibt wie es ist. Bloß keine Veränderungen oder gar Experimente. So, wie es ist, ist es gut. Nicht weil es wirklich gut wäre, sondern weil man sich daran gewöhnt hat. Die Zeit der Träume und Pläne ist längst vorbei. Sie ist vielleicht die erste Regierungschefin, von der wir erst durch ihren Tod erlöst werden.
Hätten Sie’s gewusst? Andy Bonetti hat auf seinem linken Unterarm eine Uhr mit Armband eintätowiert. Die Uhrzeit: 5 Uhr 10.
Demosthenes stand einst am Meer und redete mit einem Kieselstein im Mund gegen die Brandung an, um seine Redekunst zu üben. Bonetti schreibt zu Trainingszwecken oft unter widrigsten Umständen, in einer voll besetzten U-Bahn zum Beispiel oder an der Theke einer Diskothek am Samstagabend. Seine Erzählungen konzipiert er gerne beim Wasserskifahren oder beim Fallschirmspringen.
Zum zweiten Mal bekomme ich 24 Stunden lang den Blutdruck mit einer Manschette gemessen, die sich regelmäßig automatisch zusammenzieht (vgl. „Cyborg“ vom 30. Mai in diesem Blog). Beim ersten Mal lag der Durchschnittswert bei 170 / 110 – schlaganfallgefährdet. Seitdem nehme ich jeden Morgen eine Tablette. Jetzt sind die Werte wieder halbwegs okay, bei 130 / 80. Nur nachts seien sie überdurchschnittlich. Der Arzt fragt mich, was ich denn in der vergangenen Nacht gemacht hätte? Da bin ich alle fünfzehn Minuten durch das Zusammenquetschen meines Oberarms geweckt worden, antworte ich. Natürlich, er nickt bedächtig, das erklärt einiges.
Hätten Sie’s gewusst? Popcorn sieht aus wie ein Haufen Totenschädel.
Urban Knowledge: Die Smartphones sind deswegen glatt wie Spiegel, weil sich die Leute heutzutage ihr Koks auf dem Telefon einpfeifen.
Blackstreet - No Diggity ft. Dr. Dre, Queen Pen. https://www.youtube.com/watch?v=3KL9mRus19o

Copyright: Harri, der bei Bonetti Media ein unbezahltes Praktikum absolviert (fünf Jahre - mit der Chance auf Verlängerung)

Donnerstag, 29. Juni 2017

Es ist erst vorbei, wenn der dicke Mann auf die Toilette geht

Der Biergarten in Schweppenhausen, wenige Tage nach Bonettis Ankündigung, kein Bier mehr zu trinken.
Der Dank geht an Leser-Reporter Harri.

Eine deutsche demokratische Republik

Jetzt tragen sie also den „Kanzler der Einheit“ zu Grabe.
Was wäre eigentlich passiert, wenn es nicht zur Wiedervereinigung gekommen wäre?
Wenn die Menschen aus der DDR nicht auf das Lockvogelangebot einer schnellen Heim-ins-Reich-Politik hereingefallen wären?
Wenn sie den Propagandalügen der Westmedien – die Bundesrepublik als eine Art Traumschiff mit Sascha Hehn als Staatsoberhaupt – nicht geglaubt hätten?
Sie hätten vielleicht einen neuen Staat aufgebaut. Sie hätten den Begriff „Deutsche Demokratische Republik“ mit Leben erfüllt.
Sie hätten neue Parteien gegründet, anstatt den verfilzten Parteiapparat der BRD zu übernehmen. Sie hätten ihr eigenes Land regiert, anstatt von anderen regiert zu werden.
Sie hätten den sozialen Fortschritt der DDR in Sachen Gleichberechtigung, in Sachen Kinderbetreuung, in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht über Bord geworfen.
Sie hätten womöglich in einer Gesellschaft gelebt, die nicht durch die krassen Unterschiede zwischen den Reichen und den Armen, durch Obdachlosigkeit und Zwangsarbeit („Hartz IV“) geprägt gewesen wäre.
Sie hätten Altersarmut und das Ende der Solidarität nicht akzeptiert.
Sie hätten aufgrund ihrer Erfahrung mit der Stasi den heutigen Überwachungsstaat nicht zugelassen.
Sie wären nicht in fernen Ländern in den Krieg gezogen und hätten damit auch nicht den Zorn von Terrororganisationen erregt.
Ihre Wirtschaft wäre nicht zerschlagen worden, sondern reformiert wie in Polen, Ungarn oder Tschechien. Dann hätte es auch keine Massenarbeitslosigkeit gegeben.
Sie wären nicht zu Bittstellern und Almosenempfängern in Bonn und später in Berlin geworden. Sie wären in die EU eingetreten und hätten Hilfe erhalten wie alle anderen Staaten auch.
Es würde nicht jeden Montag in Dresden eine Demonstration von frustrierten Faschisten geben. Es würden keine Flüchtlingsheime brennen.
Es hätte weiterhin zwei deutsche Staaten gegeben. Vielleicht wäre die DDR, von der ich hier spreche, aufgrund ihrer sozialen Errungenschaften sogar eine echte Alternative gewesen? Menschen wären von der BRD in die DDR ausgewandert, weil es dort einen funktionierenden Sozialstaat gegeben hätte. Diese DDR wäre attraktiv für Einwanderer gewesen.
Die BRD wäre aufgrund der Konkurrenzsituation nicht in diesen Abgrund an Ausbeutung und schamloser Selbstbereicherung abgedriftet. Das gesellschaftliche Abbruchprojekt namens Neoliberalismus hätte vielleicht gar nicht stattgefunden.
Da man die Wirtschaft und den Staat der DDR nicht zerschlagen hätte, wären auch die Kosten der Einheit, die auf 1,3 bis 2 Billionen Euro taxiert werden, nicht angefallen. Das Geld hätte man für Bildung, Infrastruktur, Rente und Sozialleistungen ausgeben können.
Leider haben sich die Menschen damals anders entschieden. Hat ihnen der Mut gefehlt, einen Neuanfang zu wagen? Hatten sie keine Geduld oder waren sie einfach nur naiv? Haben sie sich damals für den leichteren Weg entschieden, der am Ende doch sehr steinig war?
Helmut Kohl durfte jedenfalls „den Mantel der Geschichte“ packen und als zweiter Bismarck in die Geschichtsbücher eingehen. Schade. Wenn man es mal zu Ende denkt, ist das alles sehr bedauerlich. Aber leider nicht mehr zu ändern. Ohne die deutsche Einheit hätte man dieser Tage einen mittelmäßigen Politiker beerdigt, zu dem uns nur Titanic-Titelbilder eingefallen wären.
John Foxx – Underpass. https://www.youtube.com/watch?v=dgaLF2F5LWg

Mittwoch, 28. Juni 2017

Waldgeist gesichtet!

Achtung! Im Hunsrück wurde ein Waldgeist gesichtet.

Nehmen Sie die Kinder von der Leine und holen Sie Ihre Wäsche von der Straße.