Sonntag, 31. Dezember 2017

Perspektiven

Ich stehe im Gang eines ICE. Vor mir eine Frau mit einem tonnenschweren Koffer. Über uns ist gerade noch ein wenig Platz in der Gepäckablage.
Sie sieht mir volle zwei Sekunden in die Augen. Ich habe verstanden.
„Kann ich Ihnen helfen?“
„Das wäre sehr nett.“
Ich nehme den Koffer und schiebe ihn einfach in die Lücke zwischen den Sitzreihen direkt vor uns.
Sie lacht.
„Man muss nur die Blickrichtung ändern“, sage ich und gehe weiter zu meinem reservierten Platz.


Liebe Leserinnen und Leser, liebes dritte Geschlecht, das ich nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts an dieser Stelle offiziell begrüßen darf!
Ich wünsche Ihnen 2018 einen Thriller mit Happy End, ein unverhofftes Treffen mit geliebten Menschen aus längst vergangenen Zeiten, das Erwachen an einem unbekannten Ort, atemberaubende Ausblicke von geheimnisvollen Türmen, die Idee für ein prachtvolles Gemälde, ungeahnte Momente des Erkennens und das befreiende Gelächter, das wir nur von den Göttern kennen. Man muss nur die Blickrichtung ändern.

Westbam feat. Richard Butler - You Need The Drugs. https://www.youtube.com/watch?v=eSJgf3_3T74
Und denken Sie heute Abend bitte daran: „Jäder nor einen wenzigen Schlock.“

Samstag, 30. Dezember 2017

Die wunderbare Welt der Philatelie 3

Im dritten und letzten Teil meiner kleinen Reihe möchte ich Ihnen ausgewählte Marken aus vier verschiedenen Ländern präsentieren. Nachdem die letzte Folge dezent „rechts“ bzw. „deutsch“ angehaucht war, wird es jetzt ein wenig „links“ und „international“. Auch aus aktuellem Anlass. Oskar Lafontaine von „Rot für die Welt“ hat schließlich eine neue „linke Sammlungsbewegung“ angekündigt. Aufgepasst, judäische Volksfront!
Ich beginne mit Nordkorea, meinem aktuell bevorzugten Sammelgebiet. Kim Kong und die Rakete.

Der große Vorsitzende hat bestimmt die ganzen Bücher hinter ihm gelesen.


Ich mag die knuffigen kleinen Kinderkommunisten.


Kommunismus verleiht Flüüügel.


Wenn Kommunisten träumen.


Wenn Kommunisten marschieren.


Solidarität mit den Schwarzen - so waren die Roten, bevor sie braun wurden.


Bella Italia.


Aber auch britische Marken können sich sehen lassen.

Ein kurze Anmerkung zur spätkapitalistischen Postdemokratie

Der Geburtsfehler dieser Republik ist nie behoben worden. Deutschland hat sich nicht selbst befreit und bekam seine Staatsform auf Befehl der Siegermächte: eine parlamentarische Demokratie in den drei westlichen Besatzungszonen, Sozialismus in der östlichen „Zone“ (wie sie vom Westen bis heute hämisch genannt wird). Daher gibt es seit 1945 kein wirkliches Interesse an Politik, d.h. an demokratischer Willensbildung. Es scheint niemanden zu stören, dass die „Volksvertretung“ in Berlin eine Lachnummer ist, die noch nicht mal eine Regierung zustande bringt.
Wie nah die Politiker dem Volk sind, haben wir 2017 am Tag der deutschen Einheit in Mainz erlebt. Anwohner der Jubelmeile durften ihren Balkon nicht betreten und sollten sich auch nicht am Fenster zeigen. Auf den Dächern der Innenstadt waren Scharfschützen postiert.
Es gibt den „familial-beruflichen Privatismus“ (Freizeit, Konsum) und den „staatsbürgerlichen Privatismus“ (Delegation des politischen Willens an sogenannte „Volksparteien“, d.h. Staatsparteien), der Staat zieht sich zugunsten des Marktes aus der Gesellschaft zurück und entpolitisiert die Bevölkerung (Jürgen Habermas: Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus, 1973). Merkel ist der vorläufige Höhepunkt der Entwicklung: soziale Exklusion = politische Exklusion.

Blutjunge Medien in Not

Lesedauer: 7 Minuten.
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Nächste Woche: Das liebestolle Medienpensionat. Schwerpunkt: Kanalverkehr.

Auch eine Art Kindheit

„Die Bauernleut werden sich gewanden wie die Städtischen, und die Städtischen wie die Narren.“ (Weissagung des Mühlhiasl)
Langsam, aber unerbittlich rollte der Wagen die Dorfstraße hinunter, hielt an der Hauptstraße kurz an und bog nach links ab. Ich sah dem Wagen hinterher. Meine Eltern hatten mich zu meinen Großeltern aufs Land gebracht. Eine Woche würde ich mit ihnen alleine sein. Ein tiefes Gefühl von Wehmut, Heimweh und Traurigkeit. Ich konnte ganz deutlich mein Herz spüren.
Meine Großmutter war blind und mein Großvater war stumm. Die Großmutter sprach unaufhörlich, aber nicht mit uns, sondern sie führte ein endloses Selbstgespräch, sodass mein Großvater und ich oft unbemerkt die Küche verließen, wo sie weiter sprach. Der Großvater verzog sich für Stunden in eine nahe gelegene Kneipe, ich saß im Wohnzimmer und las oder ich malte ein Bild.
Es gab nur Illustrierte zu lesen, keine Bücher. „Frau im Spiegel“, „Neue Post“ und „Tina“. Alte Ausgaben, die Nachbarn und Verwandte mitgebracht hatten, um sie der Großmutter vorzulesen. Es war wie im Wartezimmer eines Arztes, ich saß auf dem Sofa und las den ganzen Klatsch über Adlige und Prominente. Damals gab es sicher kein Kind auf der Welt, das die Adelshäuser Europas so gut kannte wie ich.
Manchmal saß ich aber auch nur regungslos da und genoss die Stille des leeren Raums. Ich schaute mich um, ließ den Blick wandern und noch heute kenne ich jeden Gegenstand aus dem Wohnzimmer meiner Großeltern. Der Schrank mit den wenigen Büchern, die in einer Schrift gedruckt waren, die ich nicht lesen konnte. Das Bild mit der Blumenvase, das mein Vater als junger Mann gemalt hatte. Daneben eingerahmt die Urkunde seiner Meisterprüfung.
Gelegentlich ging ich in den Hof hinunter und schoss einen Gummiball gegen das Garagentor. Freunde hatte ich keine. In all den Jahren habe ich in diesem Dorf niemanden kennengelernt. Wenn ich, was selten genug vorkam, auf die Straße hinausging, eine leere Seitengasse, die teilweise von kleinen Häusern, teilweise von Gemüsegärten gesäumt war, ging ich nie weiter als fünfzig Meter nach links oder rechts. Nie wäre ich so weit gegangen, dass ich das Haus nicht mehr gesehen hätte.
So vergingen die Jahre meiner Kindheit.
Genesis – Mama. https://www.youtube.com/watch?v=xeGhazPjhoA

Freitag, 29. Dezember 2017

Die wunderbare Welt der Philatelie 2

Es war bekanntlich nicht alles schlecht im Dritten Reich. Denken Sie an die Autobahnen oder die Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Die Welt zu Gast bei Freunden.
Zu den schönen Seiten der Diktatur gehörten die Briefmarken. Hier meine Favoriten aus der Zeit von 1933 bis 1945.


Die Durstigen tränken. Was für ein edles Motiv.


Chicagofahrt Weltausstellung 1933. Der berühmte Zeppelin.


Diese Marke symbolisierte schon 1934, wohin die Reise unter der aufgehenden Sonne des Hakenkreuzes gehen würde.


Die Saar kehrt heim ins Reich. Ist das Bild nicht rührend?


Zum Vergleich: So nüchtern sah die Gedenkmarke zur erneuten Eingliederung des Saarlands 1957 aus. Demokratie ist doof.


Das Bild zeigt eine Winzerin vom Rüdesheimer Berg. Dieser Weinberg liegt im Rheingau auf der – von mir aus betrachtet - gegenüberliegenden Rheinseite.


Endlich hat man dem belgischen Aggressor die alten deutschen Hansestädte Eupen und Malmedy entrissen.


Hier zeigt die Reichspost ihren subtilen Humor. Die amerikanischen und sowjetischen Truppen haben bereits das Reichsgebiet erreicht, aber nun heißt es plötzlich „Großdeutsches Reich“ statt „Deutsches Reich“.


Hier eine typische Tracht aus Niedersachsen. Im Dritten Reich trug die deutsche Frau noch einen Schleier – oder wenigstens ein Kopftuch (siehe Winzerin).

Ich träume von der FDP

Christian Lindner ist ein Geber, kein Angeber. Er gibt uns wieder das Gefühl, die Opposition ist die Führungsreserve unserer Republik. Ich habe heute Nacht zum ersten Mal von ihm geträumt.
Ich laufe durch Berlin, als direkt vor mir ein Autounfall passiert. Zwei Wagen krachen frontal aufeinander. Ich laufe zu dem völlig zertrümmerten Kleinwagen hinüber und sehe, das Lindner blutüberströmt aus dem Wrack kriecht und liegen bleibt. Den herbeilaufenden Schaulustigen gebe ich fachmännisch die Anweisung, den Notruf zu wählen und einen Krankenwagen an den Unfallort zu beordern. Obwohl ich den Politiker erkenne, frage ich ihn, ob er mich verstehen kann, um festzustellen, ob er überhaupt ansprechbar ist. Er nickt nur und sieht mich mit seinen ewig verschlafenen Bambi-Augen an. Dann frage ich ihn nach seinem Namen. „Nein, nein“, antwortet er, „ich komme alleine zurecht.“ Ich wiederhole die Frage. Er sagt, er hieße Molder. Den Vornamen will er mir nicht sagen. Ich gehe weiter.
Und dann lese ich direkt nach dem Aufwachen diese Meldung. Tödlicher Unfall in der Nähe von Schweppenhausen. Gruselig, oder?
http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/polizei/toedlicher-unfall-auf-der-a61-bei-waldlaubersheim-lange-vollsperrung_18417648.htm

Der Aufstand der Ameisen

„Das Mönchlein erklärte ihm, dass man Christus lieben müsse, weil er sich für die Menschheit geopfert habe. Und Tito erwiderte ihm, dass dann die Maulwürfe und Kaninchen, die in den physiologischen Laboratorien geopfert würden, um neue Heilmittel zum Wohle der Menschheit auszuprobieren, ebenso gut Jesus Christus seien.“ (Pitigrilli: Kokain)
Nichts ist unpolitischer als die Natur, könnte man meinen. Die Wildschweine demonstrieren nicht gegen die Leiden ihrer Artgenossen in den Mastbetrieben. Der Weizen streikt nicht gegen Pestizide und der Eisbär wehrt sich nicht, wenn sein Lebensraum einfach dahin schmilzt. Die Natur ist duldsam, sklavisch, rechtlos und die Chance auf ein Zeitalter der Aufklärung bleibt ihr auf ewig verschlossen.
Aber gerade diese Hoffnungslosigkeit macht sie in ihrem Untergang zu einem politischen Subjekt. Ohne je ein Bewusstsein entwickelt zu haben, nimmt sie Einfluss auf unsere Gesellschaft, auf Wirtschaft und Politik. Klimawandel, Artensterben und Umweltzerstörung führen zu einem Paradigmenwechsel.
Wenn kein Regen mehr fällt, verdorren die Pflanzen. Ökonomisch bedeutet das die Vernichtung von Investitionen und Profiten, gesellschaftlich bedeutet das den Verlust von Arbeit und Brot, politisch bedeutet das die Möglichkeit von Krieg um Land und Wasser. Der Abschied von den Bienen erfolgt ohne Lärm und Spektakel – aber die Menschen werden in Zukunft deren Arbeit verrichten müssen. Der Anstieg der Meeresspiegel vollzieht sich in Zeitlupe – dennoch werden ganze Metropolen für immer von den Wellen verschlungen.
Wir nehmen die Natur als politisches Subjekt nicht wahr, weil sie nicht auf unserer Ebene von Politik kommuniziert, beispielsweise mit Demonstrationen, Debatten oder Streiks. Aber – als Konsequenz unseres kollektiven Versagens – werden wir ihr eines Tages zuhören müssen. Wir werden auf ihre Forderungen eingehen müssen. Vielleicht werden wir uns auch ihrer Herrschaft unterwerfen müssen.
Genesis - Turn It On Again. https://www.youtube.com/watch?v=2B1ub5g5L0k

Robert Crumb

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Die wunderbare Welt der Philatelie 1

Mit Briefmarken verbinde ich viele schöne Erinnerungen. Ich habe tausende Marken aus aller Welt, für die sich niemand mehr interessiert. Hier einige besondere Stücke aus dem deutschen Postgebiet:

Das war die erste Briefmarke (im Amtsdeutsch: Postwertzeichen), die von der Deutschen Bundespost nach meiner Geburt herausgebracht wurde. Das war am 24.8.1966 und sie zeigte den berühmten Philosophen Leibniz.


1974 begann ich, Briefmarken zu sammeln. Damals war die Bundesrepublik noch im Studentenalter und voller Träume. Heute ist sie im Rentenalter und ohne Hoffnung.


Die Fußball-WM 1974 war das erste große Turnier, das ich im Fernsehen gesehen habe. Damals spielten noch Amateure für die deutsche Nationalmannschaft – zumindest auf Seiten der DDR.


Diesen Block gab es 1990 zur deutschen Einheit. Ging es da eigentlich um Brücken?


27.9.1990. Das war die letzte Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin. West-Berlin hatte vor der Wiedervereinigung eigene Briefmarken.


Am 2. Oktober 1990, einen Tag vor der Einheit, brachte die Deutsche Post der DDR noch sechs neue Sondermarken heraus. Eine zeigte den roten Planeten Mars. Diese Schlawiner … Das waren die letzten Marken des Sammelgebiets DDR.

Die Geburt der Literatur aus dem Geiste Bonettis


Baustoff 182
„Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht, als ich angefangen habe zu schreiben: Es bleibt doch im Inneren unermesslich viel mehr als das, was man in Worte fassen kann. Jeder Gedanke, selbst ein flacher, scheint, solange er noch unausgesprochen bleibt, tiefer, und der in Worte gefasste – lächerlicher und gewöhnlicher.“ (Fjodor Dostojewskij: Ein grüner Junge)
Industrie 4.0: Die Russen haben meinen Kühlschrank gehackt und zwanzig Liter Wodka bestellt. Ich weiß nicht, wie ich das finden soll.
Zwischen dem Stuttgarter Hauptbahnhof und dem BER wird jetzt eine Transrapidstrecke gebaut. Eröffnung 2099.
Auf der Verpackung lese ich, dass ein Liter fettarme Milch 49 Gramm Zucker enthält. Wann gibt es endlich auch Leitungswasser mit Zucker?
Die längste Papstwahl gab es im 13. Jahrhundert, sie dauerte zwei Jahre, neun Monate und zwei Tage. Wird Angela I., dieses harte Stück Graubrot in Menschengestalt, den Rekord schlagen?
Der Kriegstreiber Henry Kissinger, vier US-Präsidenten und etliche andere amerikanische Politiker bekommen den Friedensnobelpreis, aber Gandhi nicht. Manne Siegbahn erhält den Nobelpreis für Physik, aber Stephen Hawking nicht. Winston Churchill und Günter Grass wird der Literaturnobelpreis zugesprochen, aber Andy Bonetti nicht.
Kennen Sie eine Religion namens „Diskordianismus“? Eines der fünf Gebote lautet: „Ein Diskordier ist zu Beginn seiner Illumination dazu verpflichtet, an einem Freitag allein nach draußen zu gehen, um fröhlich einen Hot Dog zu genießen; diese Zeremonie ist dazu da, um gegen die beliebten Heidentümer dieser Tage zu demonstrieren: gegen die katholische Christenheit (freitags kein Fleisch), das Judentum und den Islam (kein Fleisch vom Schwein), den Hinduismus (kein Fleisch von der Kuh), den Buddhismus (kein Fleisch von Tieren) und den Diskordianismus (keine Hot-Dog-Brötchen).“ „Im Diskordianischen Kalender besteht das Jahr aus fünf Jahreszeiten (Chaos, Zwietracht, Verwirrung, Bürokratie und die Nachwirkung).“ (Quelle: Wikipedia)
Hätten Sie’s gewusst? Das Jahr 2018 beginnt mit einem Montag. Das ist kein gutes Zeichen. Ein Montagsjahr ist wie ein Montagsauto. Ich hoffe, wir bringen es irgendwie hinter uns, ohne das allzu viel schiefgeht.
Machen wir uns nichts vor. Die Oblate ist kleiner und dünner als ein Bierdeckel, aber sie schmeckt genauso. Kein Wunder, dass das Abendmahl nicht mehr in Mode ist. Warum macht es die Kirche nicht wie die indischen Restaurants? Dort gibt es zum Papadam immer diese drei leckeren Soßen. Auch Guacamole-Dip wäre eine schöne Ergänzung zur Oblate. Einfach mal offen sein für neue Ideen. One World und so.
Pandora Fleischmann, die Grand Dame des pfälzischen Neokubismus, präsentiert ab nächster Woche ihre Werke in der Galerie Feinbier in Berlin-Schalottenburg. Die Wahlfischbacherin, die in Kaiserslautern aufwuchs, ist für ihre gemalten Wortspiele weltbekannt. Berühmt wurde sie mit ihrem Gemälde „Die Fliedermaus“.
Max Raabe - Der perfekte Moment… wird heut verpennt. https://www.youtube.com/watch?v=m_Pvo5veOss

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Morbus Bonetti

Unter Morbus Bonetti versteht die Wissenschaft den Glauben, direkt nach dem Tod ein Gigant der Weltliteratur zu werden.
Das Gegenstück ist der Morbus Grass. Man ist Teil der Weltliteratur, hat aber eigentlich nur Scheiße zusammengeschrieben.

Betriebsgeheimnis

„Die Menschen sind keineswegs so wunderbar, dass man sich ihretwegen Sorgen machen müsste.“ (Fjodor Dostojewskij)
Wie entsteht ein typischer Blogstuff-Text? Das ist ganz einfach. Man nehme einen beliebigen Textbaustein aus dem Internet und baue ihn in Sekundenschnelle um. Bei Bonetti Media Unlimited kommt bekanntlich alles in die Wurst. Beispiel: „Mertesacker ist für seine faire Spielweise bekannt, er kommt mit sehr wenigen Fouls aus. Dies verdankt er vor allem seinem guten Stellungsspiel. Er zeigt ein ausgeprägtes Gefühl für den Raum. Mit seiner Spielintelligenz erahnt Mertesacker früh, wohin ein Ball gespielt wird und kann so oft gegnerische Pässe in die Tiefe ablaufen, ohne in schwierige Eins-gegen-Eins-Situationen zu geraten. Zu seinen Stärken gehört auch die Spieleröffnung.“
Daraus wird dann eine drittklassige Persiflage, die sich schnell wegliest und bestenfalls zu einem Schmunzeln anregt. Ziel ist es, den Namen Bonetti positiv in Ihrem Hirn zu verankern, damit Sie beim nächsten Besuch einer Bahnhofsbuchhandlung wieder zu einem Bonetti greifen. Achtung, jetzt wird es latent komisch: „Bonetti ist für seine faire Schreibweise bekannt, er kommt mit sehr wenigen Beleidigungen aus. Dies verdankt er vor allem seinem guten Satzbau. Er zeigt ein ausgeprägtes Gefühl für den Text. Mit seiner Schreibintelligenz erahnt Bonetti früh, wohin sich eine Geschichte entwickelt. Zu seinen Stärken gehört auch die Texteröffnung.“ Und so geht es bei uns den ganzen Tag.
Clutch - The Regulator Lyrics. https://www.youtube.com/watch?v=d4WlqxPzQ28

2018 – Das Erwachen der Macht

Aus meinem Jahreshoroskop 2018 in „Die Welt“:
„Kein anderes Zeichen beherrscht das Rampenlicht wie ein Löwe. Sie sind bekannt für Ihre wahnsinnige Kreativität. Viele Löwen sind Künstler, Schriftsteller und Musiker.“ Noch Fragen?
2018 ist Jupiter in meinem Haus. Also in meinem astrologischen Haus. Ansonsten haben antike Götter bei mir Hausverbot. Ich sage nur „Enkeltrick“. „Mit dem großherzigen Jupiter in Ihrem heimischen Bereich könnte 2018 das Jahr sein, in dem Sie Wurzeln schlagen. Oder Sie könnten an einen Ort ziehen, an dem Ihr Leben wirklich abhebt.“ Also bleibe ich entweder in Schweppenhausen oder ich ziehe weg. Wahnsinn. Diese Astrologen!
„Saturn betrat Steinbock und damit Ihren Bereich der alltäglichen Arbeit und des Wohlbefinden am 20. Dezember 2017. Er wird dort zweieinhalb Jahre bleiben. Sie werden mehr Verantwortung bekommen und somit erlangen Sie auch mehr Kenntnisse und Erfahrungen.“ Noch mehr Verantwortung? Ich leite seit neun Jahren eines der größten Medienimperien der Blogosphäre. Und wie kann ich noch mehr Kenntnisse erlangen, wenn mir jetzt schon der Kopf vor lauter Wissen platzt?
„Pluto ist auch seit 2008 in diesem Bereich und beide Planeten helfen Ihnen, disziplinierter, konzentrierter und strukturierter zu werden.“ Endlich weiß ich, wer immer den Schreibtisch aufräumt und das Kalenderblatt abreißt. Der Hund von Micky Maus hält mein Arbeitszimmer in Ordnung.
„Single? Eine ganze Parade an interessanten und außergewöhnlichen Menschen wird in Ihr Leben kommen.“ Gab es in Schweppenhausen jemals eine Parade? Und auch noch mir zu Ehren? Das wird ein aufregendes Jahr.
„Am 8. November betritt Jupiter das Zeichen Schütze und damit Ihren Genuss-Bereich und bleibt dort 13 Monate.“ Das klingt nach Übergewicht und Fettleber. Aber da muss ich wohl durch. Hilft ja nix. Das werden die längsten Bacchanalien meines Lebens.
„Seien Sie bereit, Gewohnheiten abzulegen, die Sie schwächen und lösen Sie sich von Menschen, die Sie nicht schätzen.“ Diesen Ratschlag hätte ich dreißig Jahre früher gebraucht. Rotwein und Schokolade haben mich bereits so geschwächt, dass mir die Kraft fehlt, den Aufstand gegen Merkel und Trump anzuführen.
„Warten Sie nur, bis Merkur am 19. August rückläufig wird. Das wird ein neuer Anfang, eine kleine Wiedergeburt. Das kann einen neuen Job bedeuten, eine neue Einkommensquelle oder ein ausgefallenes Kreativ-Projekt. Kreisen Sie den 25. August ein, denn dann tritt die Sonne in ein fantastisches Trigon mit Uranus und Saturn.“ Hoffentlich erinnere ich mich im Sommer noch an dieses Horoskop.
„Der erste Steinbock-Neumond in Ihrem Bereich des gesunden Lebens am 31. Januar ist die ideale Zeit, um eine neue Diät oder ein Wellness–Programm anzufangen.“ Ausgerechnet an diesem Tag bin ich zu einer Party eingeladen. Lohnt sich eine Diät eigentlich, wenn ich mich ab November 13 Monate der Völlerei hingebe?
„Ziehen Sie in Betracht, heilige Orte zu besichtigen, eine Pilgerfahrt zu machen oder ein Meditations-Retreat zu besuchen. Lieber Löwe: 2018 wird eine wilde Tour.“ Heilige Orte? Das Currywurstmuseum in Berlin? Soll ich nach dem Führerschein jetzt auch noch den Heiligenschein machen? Kann ich nicht einfach 2018 ein bisschen chillen? Boah … auf 2018 habe ich jetzt schon keinen Bock mehr.
Interpol - The Undoing. https://www.youtube.com/watch?v=UgNA3VdRdRk

Dienstag, 26. Dezember 2017

Sensation! Kiezschreiber Exklusiv


Bonetti Media geht 2018 neue Wege

Wichtige Informationen werden ab 2018 in Dialogform von Eichhörnchen verbreitet. Sie werden sich daran gewöhnen.

Meanwhile in Neukölln


Leider nur Fake News - aber gut gemacht.

Erlösung

Als ich in Berlin den Zug besteige, fühle ich mich noch gut. Nach dem Umsteigen in Frankfurt werde ich schon schwächer. Als würde ich mich auflösen. Station um Station komme ich dir näher. Ich kenne jedes Haus, jeden Hügel, jedes Feld. Als der Zug an der Endstation hält, gehe ich durch die Wand nach draußen. Ich gehe quer durch den Wald, ich brauche keine Wege. Dann stehe ich vor deinem Haus. Ich sehe dich. Du sitzt auf einem Sessel und liest ein Buch. Ich könnte einfach zu dir hinein kommen, aber ich sehe dir nur lange zu. Würdest du mich jetzt überhaupt noch bemerken? Könntest du meine Berührung noch spüren?

Sonntag, 24. Dezember 2017

Reichtum

„Er war sanft und heiter wie der einsame Baum am Seeufer.“ (Sun Li)
Manchmal stelle ich mir vor, ich wäre ein sehr reicher Mann. Aber kein Industrieboss oder Aktienjongleur, sondern einfach jemand, der jede Menge Geld hat. Keine Verpflichtungen, kein Stress. Ich bin in diesem Tagtraum auch nicht berühmt oder habe eine großartige Erfindung gemacht.
Als reicher Mann könnte ich natürlich in einem Palast leben. Aber ich bin bescheiden und lebe in einer kleinen Wohnung. Ich könnte Dienstpersonal beschäftigen, aber ich sage mir: die paar Stunden Hausarbeit im Monat schaffe ich auch selbst, dann gehen mir auch keine Butler und Dienstmädchen auf die Nerven. Ruhe ist unbezahlbar.
Ich könnte einen preisgekrönten Koch anstellen, der mir die leckersten Gerichte zaubert. Aber dann würde ich sicher zunehmen, das wäre nicht gut für meine Gesundheit. Manchmal ist es nämlich durchaus gesund, Leitungswasser zu trinken und kein Brot im Haus zu haben. Umso mehr freut man sich über Kleinigkeiten wie ein Stück Schokolade, wenn man gerade eingekauft hat.
Ich stelle mir vor, ich hätte einen Ferrari und eine Limousine, die von einem Chauffeur gesteuert wird. Aber dann frage ich mich: Ist es nicht viel lustiger, inkognito als reicher Mann mit dem Bus zu fahren? So wie die Kalifen und Könige im Märchen, die sich unerkannt unters Volk mischen. Das ist wesentllich interessanter, als alleine in einer Blechkapsel zu sitzen oder sich auf dem Rücksitz zu langweilen.
Ich könnte mir die teuersten Klamotten und Schmuck kaufen. Kostbare Gemälde und Skulpturen. Edelste Möbel und Teppiche. Aber ich interessiere mich für all diese Dinge nicht. Mir reichen einfache T-Shirts und Jeans. Ich hätte kein Vergnügen am Luxus. Außerdem locken diese teuren Sachen doch nur Einbrecher an, vor denen ich mich fürchten müsste.
Ich hätte die Möglichkeit, auf Reisen zu gehen und in den besten Hotels der Welt zu wohnen. Fliegen in der First Class mit Schampus und Kaviar. Aber eigentlich bin ich gerne zu Hause und was würde ich auf der anderen Seite der Welt finden, was ich nicht schon hätte? Manchmal ist ein Dokumentarfilm im Fernsehen viel entspannter. Eine Stunde Paris, vom Sessel aus betrachtet, reicht mir völlig.
Ich würde gerne Geld verschenken, wenn ich es im Überfluss hätte. Schenken macht mir nämlich großen Spaß. Aber würde ich nicht einen anderen Menschen mit einer Million Euro aus der Bahn werfen? Habe ich das Recht, das Leben anderer Menschen zu verändern? Ihn womöglich zu einem Faulpelz zu machen? Ich könnte es höchstens für wohltätige Zwecke an internationale Organisationen spenden, aber damit finanziert man hauptsächlich deren Personal.
So denke ich über mein Leben als reicher Mann nach und komme zu dem Schluss, dass ich gar nicht anders leben würde als jetzt gerade. Eigentlich ist Geld nicht wichtig. Wozu sollte ich reich sein?
Frohe Weihnachten wünscht Ihnen, Ihrer Familie und Ihrer Bezugsgruppe
Der Kiezschreiber
Daniela Andrade ft. Cutest Dog in the Galaxy - Christmas Time Is Here. https://www.youtube.com/watch?v=_iAaEH_dR_Y

Lovis Corinth – Walchensee im Winter.

Samstag, 23. Dezember 2017

Die Bonetti- Regeln


1. Überfordere die Leser nicht mit deinem Genie.


2. Nicht jeder Satz muss sensationell sein. Es reicht, wenn jeder zweite Satz atemberaubend schön und voll tiefschürfender Erkenntnis ist.


3. Natürlich wird man noch in tausend Jahren Lieder über dein Leben singen. Aber die Weltliteratur gehört dir nicht allein. Lass Shakespeare und Kafka neben dir existieren.

Blogchain Technology


Blogsuff 181
„Der Zeitraum zwischen ‚Junge, denk an dein Pausenbrot.‘ und ‚Mama, denk an deine Tabletten.‘ vergeht übrigens im Leben recht schnell.“ (Horst Hutzel)
Wer Texte vor der Veröffentlichung noch mal durchliest, ist unprofessionell. Wer redigiert, hat Angst. Nach diesem Motto arbeiten heute alle großen Inline-Reduktionen.
An Weihnachten gibt’s bei uns Filetsteaks vom Kobe-Einhorn. Noch Fragen?
Einen echten Nihilisten erkennt man daran, dass er zu Weihnachten nichts verschenkt und nichts geschenkt bekommt. Ich kenne keinen einzigen.
Man sagt ja, Hundejahre müsse man mit sieben multiplizieren. Aber Schneckenjahre muss man durch drei teilen. #Merkels4.Amtszeit
Kabarett ist wie Gottesdienst. Die Prediger erreichen immer nur ihre Glaubensgemeinschaft. Die Ungläubigen kommen gar nicht erst. Daher verändern Satire und Kirche auch nichts.
Geduld ist in unserer Zeit ein Zeichen von Schwäche.
Was nutzt uns in Zeiten knallharter Verwertungsinteressen noch das Wissen aus einem Universitätsstudium? Sie fangen in einem Unternehmen an und am ersten Arbeitstag sagt Ihnen der Abteilungsleiter: „Vergessen Sie alles, was Sie an der Uni gelernt haben. In unserem Konzern machen wir es so: …“ Und dann drücken Sie am besten gleich die Klospülung in Ihrem Kopf und hören Ihrem neuen Boss zu.
Viele Leser sind mit Begeisterung dumm und vorsätzlich passiv, wenn es um die selbständige Überprüfung von Fakten und Zusammenhängen geht.
Die Welt teilt sich nicht nur in Reiche und Arme, sondern auch in Dicke und Dünne. Ist es Ihnen auch aufgefallen? Die Dicken werden immer dicker und die Dünnen werden immer dünner.
Ich weiß gar nicht, wie es manche Blogger schaffen, noch nebenbei berufstätig zu sein. Ich mache das jetzt vier Jahre Vollzeit – und bei mir rollt die Kopeke!
Ich glaube schon, dass Herrscher ihre Untertanen lieben. Die Spinne liebt ja auch die Fliegen. Gut, sie verachtet diese kleinen, dummen und schwachen Tiere auch ein wenig. Aber sie hasst sie nicht.
Hätten Sie’s gewusst? Heinz Pralinski ist jetzt Mitglied bei A.D.E.L. (Allianz der englischen Landlords) und hat ein Platte mit Speed Metall-Versionen von Karel Gott-Songs wie „Biene Maja“ rausgebracht.
Aus alter Gewohnheit und Sentimentalität sagen wir immer noch „Bauern”, wenn wir doch eigentlich von Agrarindustriellen sprechen müssten.
Mein Urgroßvater war der letzte Bauer in der Familie. 1954, er war bereits über achtzig Jahre alt, teilte er sein Land unter den zehn erwachsenen Kindern auf. Er machte zehn gleiche Teile daraus und jedes Teil wurde auf einen Zettel geschrieben. Mein Vater durfte die Lose ziehen. Nicht der Erstgeborene bekam wie üblich den Hof, sondern es wurde demokratisch unter allen Nachkommen aufgeteilt – Männer wie Frauen. Das war nicht selbstverständlich, aber sympathisch. Dadurch erlosch zwar das Bauerngeschlecht Eberling, aber es eröffnete im Wirtschaftswunder allen Kindern neue Möglichkeiten. Das Bauernhaus kam zur jüngsten Tochter Auguste, die ihren Mann im Krieg verloren hatte. Der Urgroßvater blieb bei ihr bis zu seinem Tod leben. Und mein Großvater, der in einer Kaolin-Grube arbeitete, kam auf diese Weise zu seinem Baugrundstück und dem Gemüsegarten.
Hätten Sie’s gewusst? In Japan sterben pro Jahr so viele Menschen durch Schusswaffen wie in den USA in sechs Stunden.
DAF - Als wär's das letzte Mal (Boys Noize Remix). https://www.youtube.com/watch?v=HE23A5d2Tlg

Freitag, 22. Dezember 2017

Weihnachten – Guter Bulle, Schlechter Bulle

Ich erinnere mich noch an die Weihnachtsfeiern der Vereine, in denen meine Familie aktiv war. Damals gab es nicht den netten Coca-Cola-Weihnachtsmann, sondern die knallharte Konfrontation mit dem eigenen Schicksal und der eigenen Seele. Die Eltern hatten uns darauf vorbereitet, dass wir auf dieser Feier mit dem Nikolaus und seinem Gehilfen, dem Knecht Ruprecht, zusammentreffen würden. Wir sollten, so drohte man uns mehrfach, in uns gehen und uns fragen, ob wir das Jahr über „brav“ gewesen seien. Nun ist es als Kind schwierig, ein ganzes Jahr zu überblicken. Es moralisch zu überblicken, ist völlig unmöglich. Es selbstkritisch zu bewerten im Hinblick auf eine Weihnachtsfeier bzw. Bestrafungsorgie – absurd.
Also stand ich, als es endlich soweit war, mit klopfendem Herzen vor dem Tribunal der Erwachsenen. Bin ich „brav“ gewesen? Dann gab es Geschenke vom Nikolaus. Wenn ich nicht „brav“ gewesen bin, würde Knecht Ruprecht mich mit seiner Rute verhauen. Es wurde also offen mit Gewalt gedroht. Jedes Kind wurde einzeln aufgerufen. Vor allen Erwachsenen musste man den endlosen Weg zum Nikolaus und seinem Henker gehen. So müssen sich die letzten Meter vor dem Schafott angefühlt haben.
„Bist du denn auch brav gewesen?“ rollt es donnernd aus dem Mund vom Nikolaus. Habe ich überhaupt geantwortet? Wie durch ein Wunder ging es dennoch gut. Ich bekam eine bunte Tüte mit Walnüssen, Mandarinen und Plätzchen in die Hand gedrückt und war für dieses eine Mal von der Schuld eines Jahres voller Ungehorsam und alberner Streiche befreit. Dazu gab es eine Ermahnung für das weitere Leben, die – wie ich erst als Erwachsener erfuhr – von den Eltern in Auftrag gegeben worden war.

Mona Lisa nach Nordkorea entführt!

Ist das noch Kunst?

Kurzschluss beim Superwastl?

Der Superwastl nennt es “Beschäftigungsanreiz” und muss aufpassen, dass er nicht lachen muss, wenn er es sagt. Denn der Superwastl hat sich beim erfolgreichsten konservativen Politiker, den Deutschland je hatte, etwas abgeschaut: Hartz IV. Nur heißt es bei ihm anders: Wastl IV.
Bisher haben Arbeitslose Arbeitslosengeld bekommen. Wenn das Arbeitslosengeld ausläuft, bekommt man eine Notstandshilfe von bis zu 95 Prozent der bisherigen Bezüge. Die Notstandshilfe, ein sehr schönes Wort übrigens, wird abgeschafft, der Arbeitslose bekommt dann nur noch die „Mindestsicherung“, die früher Sozialhilfe hieß.
So werden die Arbeitslosen jeden Job annehmen. Der Niedriglohnsektor, der sich in Deutschland bereits bewährt hat, kommt jetzt auch nach Österreich. Über siebzig Jahre nach dem Tod des Führers sind beide Länder in einer Neuauflage des Reichsarbeitsdienstes wieder vereint. Danke, Superwastl!
Vermögen über 4.189 Euro und selbstgenutzte Immobilien werden übrigens in die Mindestsicherung einbezogen. Großartig. Warum sollten nur die Deutschen den Segen der Altersarmut genießen? Fettreiche Speisen und Bewegungsmangel sind die Geißel des Alters. Endlich sehen wir auch in Linz und Innsbruck Pfandflaschensammler mit Rollator.
P.S.: Mit Heinz Faßmann ist auch ein Deutscher in der österreichischen Bundesregierung. Sollte Frau Merkel im Gegenzug DJ Ötzi als Dancefloor-Minister nehmen? #großdeutsche Lösung
Weitere Kurzgeschichten folgen in Kürze

Eine grausame Selbstverständlichkeit

Eine Freundin hat gerade bei „Krautreporter“ eine schöne Geschichte veröffentlicht, wie Weihnachten aus Sicht eines türkischen Kindes ist. Wenn man die einzige Familie im Dorf ist, die nicht feiert, weil sie nicht christlich ist, und die auch keine Lust hat, solche Sitten der Eingeborenen zu imitieren.
Nein, schön ist die Geschichte nicht. Sie ist traurig. Sie erzählt von einer Heimat namens Istanbul, die nur ein ferner Sehnsuchtsort ist, während sich die Deutschen Geschenkpäckchen überreichen, zusammen singen und ein Festmahl veranstalten. Sie ist in diesen Tagen ausgeschlossen von der Welt ihrer Freundinnen und Mitschüler, die am ersten Tag nach den Weihnachtsferien von ihren Geschenken erzählen.
So muss der Blick der DDR-Bürger auf die alte Bundesrepublik gewesen sein, die sie nur aus dem Fernsehen kannten. Schöne Menschen, die ständig mit dem Traumschiff unterwegs sind. Die Rama-Familie, die sich lachend gegenseitig die Brötchen schmiert. Reihenhausglück und Opelseligkeit. Morgens verlässt Vati im frisch gebügelten Hemd seine Familie, um ins Büro zu fahren, während seine wunderbar duftende Ehefrau den vollautomatisierten Haushalt schmeißt.
Die Wirklichkeit ist, sechzehn Millionen Ossis mussten des schmerzhaft erfahren, ganz anders. Mit Weihnachten ist es genauso. Sei froh, dass du es nie erleben musstest, liebe Elif. Denn Weihnachten ist nicht nur eine Reise in die alte Heimat, sondern auch in die eigene Vergangenheit. Es ist die Rückkehr zu Menschen und Orten, die man aus guten Gründen verlassen hat. An Heiligabend fallen sie dir alle wieder ein.
Familie und Heimat sind nicht nur die Projektionsflächen für glückliche Erinnerungen. Hier hat sich deine persönliche Identität, dein konkretes Ich unter den Faustschlägen der Enttäuschungen, Streitereien, Demütigungen und Intrigen gebildet. Was ein ganzes Jahr unter der Oberfläche des Bewusstseins gehalten wurde – und sei es mit Hilfe großer Mengen Alkohol -, kommt an Weihnachten wieder schmerzhaft ans Licht.
Spätestens am zweiten Weihnachtstag wissen wir, warum wir unsere Verwandten nur gelegentlich sehen und wieso gerade diese Tatsache der eigentliche Grund ist, nicht längst Amok gelaufen zu sein. Über lange Zeit hat sich der Eiter in der Wunde aufgestaut – und gnade uns Gott in der Höhe, wenn dieses Furunkel aufplatzt.
Wenn du im Alter von fünfzig Jahren noch von deiner Mutter den Spruch hörst: „Pass auf, tu dir nicht weh“, während du gerade den Braten anschneidest, möchtest du ihr am liebsten das Tranchiermesser in den Hals rammen. Und wer hätte noch nie davon geträumt, diesen Drecksweihnachtsbaum mit Benzin zu übergießen und einfach abzufackeln? Ich habe es jedes Jahr als ultimative Zen-Übung empfunden, meiner Großmutter nicht die Dose mit ihren staubtrockenen, steinharten Plätzchen über den Schädel zu ziehen. Stattdessen lobte ich sie. Und wehe, ich habe mir nicht genug von diesem abartigen Geröll in den Mund geschoben. Altes Familienrezept my ass!
Ich erinnere mich an eine Szene, als meine Schwester und mein Vater im Duett in einer Brüllorgie versanken. Meine Schwester nahm ihren dreijährigen Sohn und stürmte zur Haustür hinaus. „Dieses Haus betrete ich nie wieder“, schrie sie zum Abschied. „Nie wieder“, krähte das kleine Echo neben ihr. Dann verschwanden sie. Um im nächsten Jahr wieder mit uns allen Weihnachten zu feiern.
Meine Mutter hat es einmal geschafft, schon vor dem Weihnachtsessen einen hysterischen Anfall zu bekommen. „Es reicht nicht“, kreischte sie immer wieder wie eine abgestochene Sau. „Es reicht nicht!“. Die Pute war angeblich zu klein. Als die Gäste eine halbe Stunde später kamen, weigerte sie sich, am Weihnachtsessen teilzunehmen. Kreidebleich, mit weit aufgerissenen Augen, den Rücken an die Esszimmerwand gepresst, beobachtete sie stumm unser Mahl. Es reichte.

Copyright: Harri.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Superwastl – die Kurzfassung

Der Superwastl ist schon ein fesches Burli. Mit 27 Außenminister, mit 31 Bundeskanzler. Aber leider, liebe Leserinnen, ist der Superwastl schon vergeben. An die tierische Susi. Susanne Thier. Sie sind seit ihrer Jugend zusammen, sind aber noch nicht verheiratet.
Der Superwastl hat 2005 ein Jurastudium angefangen. Das ist zwölf Jahre her. Nach 24 Semestern hat er aber immer noch keinen Studienabschluss. Aber was soll’s? „Willi“ Schulz, der Möchtegern-Vizekanzler aus Deutschland, hat ja noch nicht mal Abitur bzw. die Matura, wie man in Österreich sagt.
Sein „Key-Look“ besteht hautsächlich aus Wet-Gel, weißen Hemden und eng geschnittenen Slim Fit-Anzügen. Als Nachwuchspolitiker hat er mal eine Magnetschwebebahn für Wien gefordert. Der Mann hat Visionen. Bei der Wahl 2010 war er in Wien mit einem „Geil-o-Mobil“ unterwegs, das entschieden besser aussah als das Guidomobil von Westerwelle aus dem Bundestagswahlkampf 2002. Superwastl trat damals mit dem Slogan „Schwarz macht geil“ an.
Der Superwastl ist superbiegsam. 2013 sprach er noch von einer „Willkommenskultur“ für Migranten – lange vor Merkel – und hat sich über jeden Neubürger gefreut, der die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen hat.

https://www.unzensuriert.at/content/0024766-Kurz-2013-Oesterreich-ist-Einwanderungsland-und-jeder-neue-Staatsbuerger-ist

Inzwischen fordert er eine drastische Reduzierung der Asylbewerberzahlen und eine „verpflichtende gemeinnützige Arbeit für Asylberechtigte“.

Aber so kommt man an die Spitze. Heute ist der Superwastl der Alleinherrscher in der ÖVP, die inzwischen „Liste Sebastian Kurz – Die neue Volkspartei (ÖVP)“ heißt. Die linksversifften Superschurken schauen blöd aus der Wäsche.

Fortsetzung folgt

Suchen Sie eine Wohnung?

Ich habe mal im Koalitionsvertrag von Merkel und ihren Vasallen von 2013 nachgeschaut. 2017 müsste also alles paletti sein. Genügend Wohnungen, bezahlbare Mieten. Hier ist zu Ihrer Erheiterung und vorweihnachtlichen Entspannung der Originaltext:
Gutes und bezahlbares Wohnen
Bündnis für Wohnen
Eine hohe Wohn- und Lebensqualität der Menschen in Deutschland sind ein wichtiges Ziel unserer Politik. Dem weiter wachsenden Wohnungsbedarf in den Ballungszentren und vielen Groß- und Hochschulstädten, dem notwendigen energetischen Umbau sowie den demografischen und sozialen Herausforderungen muss entsprochen werden.  (…)
Sozialer Wohnungsbau/Wohngeld
Wir setzen auf eine Wiederbelebung des Sozialen Wohnungsbaus. (…). Um Menschen mit geringeren Einkommen direkt zu helfen und gutes Wohnen zu ermöglichen, wollen wir die Leistungen des Wohngeldes weiter verbessern (…).
Bezahlbare Mieten
Damit Wohnraum insbesondere in Städten mit angespannten Wohnungsmärkten bezahlbar bleibt, räumen wir den Ländern für die Dauer von fünf Jahren die Möglichkeit ein, in Gebieten mit nachgewiesenen angespannten Wohnungsmärkten bei Wiedervermietung von Wohnraum die Mieterhöhungsmöglichkeiten auf maximal 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete zu beschränken. (…)
Künftig sollen nur noch höchstens 10 Prozent - längstens bis zur Amortisation der Modernisierungskosten - einer Modernisierung auf die Miete umgelegt werden dürfen. (…)
Bauqualität
Große öffentliche Bauvorhaben müssen in puncto Baukosten und Termintreue wieder verlässlicher werden.“ (S. 114ff.)
Wenigstens die Sache mit den Großprojekten hat ja geklappt. Danke, liebe GroKo.
https://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/2013/2013-12-17-koalitionsvertrag.pdf?__blob=publicationFile
Dieser Text ist voller zeitlos schöner Perlen, die wir hoffentlich auch im nächsten Koalitionsvertrag finden werden. Ein Beispiel: „Deutschland soll sich zu einem digitalen Kulturland weiterentwickeln.“ (S. 136) Oder auch: „Die Koalition will unabhängige Buchhandlungen in ihrer Funktion als Ort der kulturellen Vermittlung und Begegnung und angesichts der stetigen Zunahme des durch große Marktakteure geprägten Versandbuchhandels stärken.“ (ebenda)
Erinnert sich noch jemand an den NSA-Skandal aus dem Jahr des Vertrags? Ist von Merkel & Co. schon abgehakt.
Konsequenzen aus der NSA-Affäre
Wir drängen auf weitere Aufklärung, wie und in welchem Umfang ausländische Nachrichtendienste die Bürgerinnen und Bürger und die deutsche Regierung ausspähen. Um Vertrauen wieder herzustellen, werden wir ein rechtlich verbindliches Abkommen zum Schutz vor Spionage verhandeln.“ (S. 149)
P.S.: Auf Seite 98 taucht auch das Politikfeld auf, mit dem ich mich als Wissenschaftler zehn Jahre beschäftigt habe. Fortschritte gab es allerdings nicht zu vermelden.
Zeitpolitik: Familien brauchen Zeit füreinander. Deshalb machen wir uns stark für eine moderne lebenslauforientierte Zeitpolitik, die Frauen und Männer dabei unterstützt, Beruf, Familie und Engagement zu vereinbaren. Wir wollen Familien wieder zum Taktgeber des Lebens machen: Arbeitgeber, Betreuungseinrichtungen, Schulen, Ämter und Behörden, Dienstleistungsanbieter und Verkehrsbetriebe sollen die zeitlichen Bedürfnisse von Familien besser berücksichtigen und ihre Öffnungs- und Sprechzeiten aufeinander abstimmen. Zeitpolitik befördert wesentlich Wahlfreiheit und ein partnerschaftliches Zusammenleben in Familien.“

Freunde und sogenannte Freunde

„Gehen Sie zur Hölle. Gehen Sie direkt dorthin. Gehen Sie nicht über Gott.“ (John Sladek: Die stählerne Horde)
2013 – das Unglücksjahr. Im Mai habe ich einen Nervenzusammenbruch. Im Monat zuvor habe ich meinen letzten Roman abgeschlossen. Bis heute habe ich nicht mehr die Kraft zu großen Projekten gefunden und begnüge mich mit den kleinen Fingerübungen, mit denen ich mein Blog fülle.
Die Handlung dieses letzten Romans namens „Rheinkind“ spielt im Jahr 1980, ich gehe gedanklich in meine Kindheit und Jugend zurück. Ich lese die Tagebücher, die ich zwischen 1977 und 1982 geschrieben habe. Ich bestelle mir im Internet meine Lieblingskinderbücher „Ganki im Zauberwald“ von Antonia Arnold (damals habe ich es 5 x gelesen) und „Das Tal der Abenteuer“ von Enid Blyton und lese sie noch einmal. Ich bestelle mir sogar ein paar Spielsachen, die ich in meiner Kindheit mochte. Kurz: Ich versetze mich zum Schreiben in die Vergangenheit zurück.
2013: Ich verbringe fünf Wochen in einer Klinik. Danach ziehe ich von Berlin nach Schweppenhausen. Ein neues Leben beginnt, aber es ist die Hölle. Viele Monate liege ich mit einer schweren Depression im Bett. Ich bekomme Psychopharmaka, ich beginne eine Therapie, die bis Mai 2014 dauert. Es ist eine schreckliche Zeit, aber sie hat einen entscheidenden Vorteil. Ich weiß jetzt, auf wen ich mich verlassen kann. Wenn du ganz unten bist, weißt du genau, wer deine Freunde sind. Und wer die Schönwetterbekanntschaften sind, die dich nur kennen, wenn du dich mit ihnen einmal im Quartal in der Kneipe oder im Café zu oberflächlichem Geplauder triffst.
Auf meine Familie kann ich mich zu einhundert Prozent verlassen. Eine beruhigende Erfahrung. Der Freundeskreis gibt ein gemischtes Bild ab. Einige nehmen lange Reisen auf sich, um mich im Krankenhaus zu besuchen. Dann gibt es wiederum eine „Freundin“, die nur vier Kilometer Luftlinie von meinem damaligen Aufenthaltsort entfernt lebt – es sind zehn Minuten mit der U-Bahn – und dennoch in diesen fünf Wochen nicht die Zeit findet, mich einmal zu besuchen.
Aber eine Nachbarin, die ich vorher nur von kurzen Gesprächen im Hausflur kenne, kümmert sich rührend um mich. Eine Geschäftsfrau, deren Mann zu dieser Zeit schwer krank ist. Drei Monate später stirbt er. Und trotzdem findet diese Frau die Zeit, regelmäßig bei mir vorbei zu kommen. Während ich in der Klinik bin, ist auch noch in meine Wohnung eingebrochen worden. Sie kümmert sich um alles, sie hilft mir. Ein Mensch, der überhaupt nicht unter der Rubrik „Freundeskreis“ auftaucht, wird in dieser Zeit zu einer neuen Freundin.
Als ich monatelang in Schweppenhausen liege und die Decke anstarre, kommt ein „Freund“, der nur dreißig Autominuten entfernt in Mainz lebt, nicht ein einziges Mal vorbei. Jedes Wochenende fährt er zwei Mal an der Autobahnausfahrt von Schweppenhausen (ab da sind es noch zwei Kilometer bis zu mir) vorbei, wenn er seine Freundin in Köln besucht. Jeden Freitag. Jeden Sonntag. Er biegt kein einziges Mal ab, um zu sehen, wie es mir geht. Nach Berlin ist er zuvor natürlich auch nicht gekommen, obwohl er es als Erster in meinem Freundeskreis erfahren hat. Mein Vater hatte ihn angerufen.
Ich habe damals viel über das Thema Freundschaft lernen können. Selbst finstere Zeiten sind am Ende doch für etwas gut.
Dionne Warwick - That's What Friends Are For. https://www.youtube.com/watch?v=HyTpu6BmE88

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Schockholm

Bevor Bonetti Media Unlimited das Copyright auf einen neuen Mördergag anmeldet, wird er natürlich erst mal gründlich durchgecheckt. Schockholm. Hat unser Praktikant heute beim Geschirrspülen einfach mal so rausgehauen. Schockholm. Muss man erst mal drauf kommen. Aber dann habe ich es in die Suchmaschine eingegeben. Na klar. Rudolf Schock und Renate Holm:

Unter dem #Schockholm dann dieses Bild auf twitter:

Es ist so deprimierend ...

Brutstätte des islamistischen Terrors

In Berlin-Neukölln (wo sonst?) wurde jetzt ein Ausbildungslager für minderjährige Bombenleger entdeckt. Unser Dank geht an den Kiezschreiber-Leserreporter Bernd "Björn" Höcke.

Superwastl – der kürzeste Witz aller Zeiten


Der Österreicher an sich ist ja ein Türsteher. Er schützt die blonden Völker des Nordens am Südrand des alpinen Schutzgürtels vor artfremdem Gesocks, d.h. Balkan und schlimmer (= Moslems und Neger). Deswegen hat Österreich jetzt auch einen neuen Innenminister, der für die Polizei und den Grenzschutz zuständig ist.
Sein Name ist Herbert Kickl. Früher war er Schreiber für Haider. Jetzt ist er der Stephen Bannon der FPÖ. Wir alle lieben seine Sprüche wie „Daham statt Islam", "Deutsch statt nix verstehen" und "Mehr Mut für unser Wiener Blut - zu viel Fremdes tut niemandem gut".
Der Superwastl hat einen neuen Kameraden. Der Kickl passt perfekt ins Superheldenteam. Er ist Triathlet und schafft den Ironman in weniger als elf Stunden. Seiner Beförderung zum Quadrolet steht nichts im Wege. Ich hab ein gutes Gefühl, wenn ich an Österreich denke. Die Richtung stimmt.

Fortsetzung folgt,
der geschäftsführende Kiezschreiber

Ansichten eines Blinden


Blogstuff 180
„Ich arbeite nicht. Ich esse, ich trinke und wenn ich müde bin, lege ich mich schlafen. Arbeiten die Tiere im Wald? Denken Sie mal darüber nach. Ich kann jederzeit aufstehen und gehen, wohin ich will. Können Sie das auch?“ (aus: Andy Bonettis vielbeachteter Rede an die Weltbevölkerung)
Je älter ich werde, desto stärker verwischt sich für mich die Grenze zwischen Mensch und Tier. Neunzig Prozent der Menschheit ist doch so blöd wie das Vieh in den Ställen – sei es als Kunde, als Wähler oder als Reisender.
Niemand bezahlt mich fürs Bloggen, niemand gibt mir den Befehl, niemand setzt mir einen Termin oder ein Thema. Ohne diese völlige Freiheit wäre Bloggen ja total sinnlos. Kommerzielle Blogs sind daher keine Blogs im eigentlichen Sinne. Man hat ja früher auch nicht am Schreibtisch gesessen und ein kommerzielles Tagebuch geschrieben.
Frauen lästern gerne über Menschen, die sie kennen. Männer lästern gerne über Menschen, die sie nicht kennen.
Wenn ich einmal auf dem Sterbebett liege, werden nicht die Stationen meines Lebens an mir vorüberziehen, sondern die Leute, die mir in diesem Leben auf den Sack gegangen sind. Es wird wie der Einmarsch der Nationen bei den Olympischen Spielen sein, sämtliche Vollidioten aus allen Jahrzehnten, wohlgeordnet in alphabetischer Reihenfolge.
Bonetti – das ist die literarische Strukturierung der gesellschaftlichen Wirklichkeit.
Mit der stoischen Ruhe einer aztekischen Gottheit sah sich die Kleine, die aufrecht in ihrem Kinderwagen saß, nach allen Seiten um. In diesem Alter können Kinder grausame Götter sein, wenn sie zehn Mal ihren Teddy aus dem Wagen schleudern, wir ihn zehn Mal aufheben und ihnen wiedergeben, um einen Heulkrampf zu verhindern, gleichzeitig aber wissen, dass dieses blöde Plüschteil auch zum elften Mal rausfliegen wird.
Daran erkennt man den deutschen Untertan: Er klatscht eifrig bei den Ausführungen eines Claus von Wagner oder Volker Pispers und dann wählt er doch wieder SPD.
„Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst“, wirbt die Bundeswehr, schwer demokratisch bewegt. Wenn ich aber gegen euch bin und die Ausfahrt einer Panzerkolonne friedlich blockiere, kommt halt doch die Polizei und haut mir mit dem Knüppel auf den Kopf, gelle? Oder habe ich die Demokratie irgendwie falsch verstanden? Schickt mir die Antwort ruhig mit einer Drohne.
„Ich bin als starker Mann im ganzen Ort bekannt. Von weit her ruft man mich, um Gurkengläser zu öffnen. Aber vor diesem Glas Erdbeermarmelade versagten meine titanischen Kräfte – ich war fassungslos. Dann aber fasste ich neuen Mut. „Weib“, rief ich, „hol den Werkzeugkasten!“ Und leise zu meiner Tochter: „Und du holst den Verbandskasten.“ So oder so, bald würde roter Saft durch die Küche spritzen …“ (Heinz Pralinski: Do it yourself – die Wahrheit).
Hätten Sie’s gewusst? „Der Leberwurstbaum (…) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Trompetenbaumgewächse (Bignoniaceae). Die Art ist die einzige in der monotypischen Gattung Kigelia. Der Baum stammt ursprünglich aus Westafrika, er ist heute aber in ganz Afrika verbreitet.“ (wikipedia)
Jetzt weiß ich endlich, was mir an Berlin rein äußerlich gefällt. „Innerlich“ ist klar: jede Menge Action und den Leuten ist alles egal. Aber vom optischen Standpunkt ist Berlin ja keine Schönheit. Und die übliche Bemerkung, der Gendarmenmarkt sei doch schön – geschenkt. Bei einem hässlichen fetten Weib rettet die Frisur schließlich auch nichts mehr. Was mich anzieht: Berlin ist gebraucht, Berlin wirkt benutzt. Nicht wie ein neues Spielzeug, das noch nie aus der Originalverpackung genommen wurde, sondern abgegriffen und voller Gebrauchsspuren. Die Stadt wirkt deswegen seit Ewigkeiten so unfertig, weil ja jeder weiß, dass nach ein paar Jahren die schönen neuen Gebäude wieder abgeranzt, kaputt und beschmiert sein werden. Berlin, das ist der „Used Look“, den wir von Jeans kennen und schätzen. Es ist nicht so geleckt wie Baden-Baden oder München.
The Specials – Long Shot Kick De Bucket. https://www.youtube.com/watch?v=R6lbVLny2Jg

Dienstag, 19. Dezember 2017

FDP-Stellenangebot - Ohne Worte

"Wir Freie Demokraten im Deutschen Bundestag sind das aufregendste Start-up-Projekt der deutschen Politik. Wir wollen die Zukunft unseres Landes aktiv gestalten und suchen für das Abgeordnetenbüro des Ersten Parlamentarischen Geschäftsführers Dr. Marco Buschmann MdB einen
wissenschaftlichen Mitarbeiter (m/w)
in Berlin.
Sie erwartet
ein Arbeitgeber in einer Aufbruchssituation jenseits aller eingeschliffenen Routine,
eine abwechslungsreiche und interessante Tätigkeit in einem Team aus Überzeugungstätern,
mit Arbeitsplatz im Herzen Berlins sowie eine leistungsgerechte Vergütung."
(Quelle: FAZ Stellenmarkt)

Superwastl - Kurz und Schmerzlos

Als im Jahre 2000 die erste Haselnuss-Koalition (i.e. schwarz-braun) vereidigt wurde, musste Wolfgang Schüssel mit seinen Mannen aus Sicherheitsgründen den Tunnel zur Hofburg nehmen, weil 150.000 Antifaschisten in der Innenstadt demonstriert haben. „Heuer“ waren es nur 6.000, die durch Absperrungen so weit weg waren, dass man ihre „Nazi“-Rufe nicht mal hören konnte.
Man gewöhnt sich an alles. Faschismus tut auch nicht weh – wenn man die richtige Hautfarbe hat. Kleiner Spaß. Im Ernst, ich find’s gar nicht sooo schlecht. Endlich kann ich wieder „Neger“ sagen. Und der türkische Obsthändler lacht doch auch, wenn ich ihn einen „Drecksjuden“ nenne. Wir verstehen uns.
Wussten Sie, dass die Vereidigungszeremonie traditionell im Schlafzimmer von Maria Theresia stattfindet? Ruhe sanft, du unruhiger Geist der Kritik. Jetzt wird alles gut. Noch werden keine Halbmonde an die Geschäfte von Muslimen gemalt. Besonders gefällt mir das Bekenntnis zu Europa, Hitler ist schließlich auch erst im November 1933 aus dem Völkerbund ausgetreten. Bei der Volksabstimmung – am Jahrestag des Versailler Vertrags – stimmten 95 Prozent für unseren Lieblingsösterreicher.
Fortsetzung folgt

Das feuerblaue Sandboot

„Das ist eine lange Geschichte … Zum Teil besteht meine Idee gerade darin, dass ich in Ruhe gelassen werden möchte. Solange ich zwei Rubel in der Tasche habe, möchte ich allein leben und von niemand abhängen.“ (Fjodor Dostojewskij: Ein grüner Junge)
Es ist der Fluch aller großen Künstler. Wenn du von einer Idee besessen bist, dann bleibt dir nur eine Möglichkeit: alles dieser Idee unterzuordnen und sie am Ende einer Menschheit, die sie nicht verdient hat, zu Füßen zu legen. Ich musste dieses Buch schreiben. Der Titel war mir eines Morgens beim Erwachen so hell im Bewusstsein erschienen, als sei er von einer Aureole umgeben: „Das feuerblaue Sandboot.“
Geradezu euphorisch begab ich mich in mein Arbeitszimmer und skizzierte noch vor dem Frühstück die ersten Kapitel. Ich spürte sofort, dass etwas Großes mich gepackt hatte. Ein kühner Entwurf, ein epischer Bogen, der das universelle Schicksal und die allerletzten Fragen umspannte. Meine Hände an der Tastatur konnten kaum mit meinen Gedanken mithalten. Ein wilder Ritt auf Pegasus, dem Musenpferd.
Erschöpft ging ich einige Stunden später in die Küche. Kein Brot, keine Wurst, kein Wein mehr da. Nicht einmal das kleinste Stückchen Käse. Ich ging aus dem Haus, um etwas zu essen zu kaufen, aber meine Brieftasche war leer. Da fiel es mir wieder ein: Ich war pleite. Seit Monaten hatte ich kein Manuskript mehr verkauft, die eingegangenen Honorare waren längt ausgegeben, Vorschüsse von Verlagen nicht zu erwarten.
Und so begann es. Zuerst verkaufte ich meinen Fernseher und meine Stereoanlage. Meine DVDs und meine CDs. Das alles brachte weniger, als ich erwartet hatte. Aber es half mir über einige Wochen, in denen ich mit dem Buch gut vorankam. Es folgten der Samowar und die Mikrowelle. Auch diese Dinge brauchte ich nicht. Den Vermieter vertröstete ich auf eine angebliche Erbschaft in einigen Monaten.
Der Verkauf meiner Bücher war schmerzhaft. Jahrzehntelang hatte ich eine umfangreiche Bibliothek zusammengetragen. Je weiter ich zu meinen Lieblingsbüchern vordrang, umso schwieriger wurde es. Von vielen Büchern konnte ich mich verhältnismäßig leicht trennen, Grass und Handke zum Beispiel, aber als es an den Kern der Weltliteratur ging, an die zerlesenen Ausgaben von Kafka oder Dostojewskij, wurde mir das Herz schwer.
Ich aß nur noch Toastbrot mit Margarine oder Billignudeln mit Ketchup. Ich trank tagsüber Leitungswasser und abends eine Flasche Wein für 1,79 von Aldi. Und so hielt ich tapfer bis in die zweite Hälfte von „Das feuerblaue Sandboot“ durch. Dann musste ich mich von den Möbeln trennen. Aber wer zahlt heute noch Geld für alte Möbel? Es war eine Zeit der Entbehrungen und der Demütigungen. Wie oft habe ich in dieser Zeit ans Aufgeben gedacht?
Die letzte Seite schrieb ich auf einer alten Bananenkiste, das Notebook hatte ich auf meinen Knien. Aber das Buch war fertig. Ich schickte es an meinen Verlag - und was soll ich Ihnen sagen? Es wurde ein Welterfolg.
„Besonders glücklich war ich im Bett, unter der hochgezogenen Decke, wenn ich nun ganz allein, in voller Einsamkeit, ohne die herumlaufenden Menschen und ohne einen einzigen Menschenlaut, beginnen konnte, das Leben umzuwandeln. Die unbändigste Träumerei führte mich bis zur Entdeckung der ‚Idee‘, da alle Träume aus törichten sich mit einem Schlag in vernünftige verwandelten und aus der träumerischen Form eines Romans in die vernünftige der Wirklichkeit übergingen.“ (Fjodor Dostojewskij: Ein grüner Junge)
The Doobie Brothers - What A Fool Believes. https://www.youtube.com/watch?v=Rks6Soi6Bl0

Montag, 18. Dezember 2017

Tatkomplex G 20-Denunzierung

Lieber Hamburger Polizeigeneral,
Ich habe mir die Fotos genau angeschaut und bin bereit, als Zeuge gegen die Staatsfeinde Bernd Höcke, Adolf Gauland, Hans-Georg Maaßen, Lothar die Maiziere, Heinrich Himmler und meine Lieblingsbriefmarke auszusagen:

Superwastl

Beim neuen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz muss ich immer an eine Comicfigur aus meiner Kindheit denken: „Wastl, der Superkraftlackl mit dem goldenen Herzen“. Wastl ist in Bayern und Österreich die Kurzform für Sebastian. Auch werden Dackel gerne Wastl genannt – das passt ja wegen der großen Ohren.
Gleich zu Beginn seiner Amtszeit will Superwastl den Flüchtlingen ihr Geld und ihre Handys wegnehmen. Muhaha! Gefällt mir. Erst von den Schlepperbanden abgezockt und gerade aus dem Schlauchboot gestiegen – ZACK! Schon ist der Superwastl da und nimmt ihnen den letzten Groschen ab.
Im Comic gibt es noch „Ricki, Lausebengel und Helfer von Wastl“. Das ist natürlich der Strache. Ein rechter Lausbub ist er, der „Ricki“ Strache und immer zu Streichen aufgelegt. Ricki will die „Zuwanderung von Asylschwindlern in unsere Sozialsysteme stoppen“. Ui, das wird lustig, Kinder.
Superwastl und Ricki haben auch schon viele neue Freunde gefunden. Den Herrn Orban in Ungarn (geht da noch was in Sachen K.u.K.?) und Frau Le Pen in Frankreich. In Deutschland freut sich die AfD auf das neue österreichische Superheldenteam. Von dort ist unser Land schon einmal gerettet worden.
Fortsetzung folgt

Verdächtiges Pulver gefunden - Bürgersteig muss geräumt werden



Die Polizei fahndet nach einem gewissen Petrus. Der IS hat sich bereits zur Tat bekannt.

Nachts auf dem Fahrrad

„Ohne Wein und ohne Weiber / Hol der Teufel unsre Leiber“ (Konrad Stanko)
Ich war eigentlich schon achtzehn, aber ich hatte immer noch keinen Führerschein. Also fuhr ich mit dem Klapprad zu ihr, das mir meine Mutter gekauft hatte, als ich noch in die Grundschule ging. Für mich war es Understatement, mit meinen einsneunzig, dem Stone-Washed-Jeansanzug und der Verbrechervisage auf so einer Affenschaukel unterwegs zu sein, während die anderen Jungs schon mit ihrem ersten Auto angaben. Na und?
Ich klingelte. Der seriöse Big-Ben-mäßige Klingelton passte zur Villa. Ein Mercedes parkte vor der Garage. Der Rest der Straße sah auch nach Geld aus. Zum Glück machte sie gleich auf, bevor ich es mir nochmal anders überlegen konnte. Wenn ihre Mutter oder ihr Vater aufgemacht hätten – ich weiß nicht. Ich folgte ihr ins Haus und merkte zu spät, dass ich mir die Füße nicht abgetreten hatte und auch nicht gefragt hatte, ob ich die Schuhe ausziehen soll.
Von links kam ihre Mutter dazwischen gegrätscht wie ein Verteidiger. Ich spielte zu dieser Zeit Linksaußen, ich kannte die Tricks. Dieses Scheißlächeln werde ich nie vergessen. Und dann kamen die Fragen. Während ich routinemäßig antwortete, was ich denn eigentlich sei – Herkunft, Hobbies, Lebensplanung bis 65 -, fragte ich mich, was mir bevorstehen würde, wenn ich dieses Level endlich geknackt hätte.
Es war der Konzertflügel im Wohnzimmer, der extra für das verwöhnte Einzelkind mit den langen blonden Haaren, Prinzessin Lillifee auf ihrem rosaroten Einhorn, angeschafft worden war. Was sollte ich dazu sagen? Ich konnte noch nicht mal Noten lesen und das einzige Instrument in unserer Mietwohnung war die Blockflöte von meiner Schwester. Mit meinem Plädoyer für Punk und Heavy Metal – ein BASF-Chromdioxid-Band mit entsprechendem Material lauerte in der Innentasche meiner Jeansjacke – erntete ich nur ein fassungsloses Kopfschütteln der Mutter und klammheimlich zugeblinzeltes Einverständnis der Tochter.
Wir verzogen uns in ihr Zimmer ein Stockwerk tiefer und ich legte meine Musik auf. Erst tranken wir Wein, dann kamen Spirituosen ins Spiel. Diese Familie, Vater Zahnarzt, Mutter Studienrätin, war mindestens so gut sortiert wie meine Stammkneipe am Ingelheimer Bahnhof. Davon konnte ich nur träumen. Bei mir zu Hause musste ich aufpassen, dass meine Mutter, eine Putzfrau mit einem Faible für eine Flasche Billigsekt schon in der Mittagspause, mir nicht den Bierkasten leertrank, wenn ich abends um die Häuser zog.
Alsbald knutschten wir hemmungslos und meine Hand wanderte ungehindert unter ihr T-Shirt, wo ich zu meiner Überraschung eine knappe Handvoll warmes Glück zu fassen bekam, das nicht durch einen BH blockiert war. Es war ein schönes Besäufnis bei guter Musik, aber ich habe sie nach diesem Abend nie mehr wiedergesehen.
Es heißt, sie hätte einen Akademiker aus gutem Hause geheiratet, Karriere gemacht, ein Reihenhaus gekauft, Kinder bekommen und überhaupt den ganzen bürgerlichen Kanon abgearbeitet. Und ich? Ich habe noch nicht einmal ein Klapprad. In meiner Hosentasche klimpern ein paar Münzen und ich habe keine Ahnung, was morgen sein wird.
Depeche Mode – Blue Dress. https://www.youtube.com/watch?v=vamnlQ45P7E

Sonntag, 17. Dezember 2017

Ich habe einen Traum

„(Er) war so unbedeutend, dass man sich förmlich in seiner Gegenwart allein fühlte.“ (Franz Kafka: Elf Söhne)
Der Markt regelt alles gleichsam naturwüchsig. Ohne Eingriffe von außen kann sich die Marktwirtschaft am besten entwickeln. Also stelle ich, Christian Lindner, mir die folgenden Fragen: Wozu brauchen wir eigentlich noch Staaten? Warum zahlen wir Milliarden an Steuern und Abgaben? Reichen nicht Angebot und Nachfrage, reichen nicht die Unternehmen, die beides in Einklang bringen? Stellen Sie sich eine Welt vor, in der es keine Staaten, keine Kriege und keine Religionen mehr gäbe! Nur noch das Streben nach Glück – in Frieden und Freiheit. Ich stelle es mir so vor:
In der Zukunft haben Konzerne eigene Territorien, für die sie verantwortlich sind. Auf diesem Gebiet stehen ihre Produktionsanlagen, die Wohnhäuser ihrer Angestellten und sämtliche Infrastruktureinrichtungen, die benötigt werden: Schulen, Krankenhäuser, Einkaufszentren, Freizeiteinrichtungen usw. Jeder Mitarbeiter hat eine firmeneigene Kreditkarte, seine Familienmitglieder haben Familienkarten. Mit diesen Karten kann man sich alles kaufen, was man braucht. Die Verrechnungseinheiten werden automatisch vom Konto abgebucht. Hat man sein Konto überzogen, wird man zum Gespräch mit einem Konsumberater gebeten. Es gehört zur Philosophie der Beschäftigten, wirklich nur das zu kaufen, was man braucht. Wer plötzlich drei Waschmaschinen bestellt, bekommt Besuch von Mitarbeitern des Konzerns, die einen höflichen Blick in die Wohnung werfen. Wer zu viel Lebensmittel oder Alkohol kauft, darf sich mit einem Gesundheitsberater treffen. Ohnehin werden alle Bewohner der Konzernwelten regelmäßig auf ihre Gesundheit untersucht.
Die Konzernwelten tragen den Namen ihres Konzerns. In Bayern gibt es „BMW“ und „Siemens“, am Niederrhein gibt es „Bayer“ und in Frankfurt „Deutsche Bank“. Das frühere Südkorea wird in großen Teilen von „Samsung“ eingenommen, in Kalifornien gibt es „Facebook“ und „Microsoft“. In „Samsung“ und vielen anderen Welten macht der Konzern alles, bei „Facebook“ dürfen Leute auch kleine Geschäfte, Bars und Fitnessstudios auf eigene Rechnung eröffnen. Die Konzerne haben sich von Staaten entkoppelt, da sie mit Geld viel effektiver umgehen. Schon 2017 verfolgten die Staaten „Steuerhinterziehung“ der Konzerne gar nicht mehr, weil sie es im Grunde selbst wussten.
Zwischen den Welten, die gut bewacht sind, liegen die Badlands, die offiziell Free Territories heißen. Hier leben die Arbeitslosen, Kriminellen, Behinderten und Alten, die keinen Platz mehr in den Konzernwelten haben. Wer sich in den Konzernwelten nicht regelkonform verhält, muss damit rechnen, in die Badlands gebracht zu werden. Der Güterverkehr zwischen den Welten läuft über gut bewachte Straßen, auf denen automatisierte Trucks unterwegs sind. Reisen zwischen den Welten werden per Flugzeug gemacht. Urlaubsreisen führen in spezielle Welten, z.B. TUI-Land, zu dem die Balearen und die Kanarischen Inseln gehören.
Polizei und Militär wurden von den Konzernen abgeworben und arbeiten jetzt in den jeweiligen Sicherheitsdiensten. Waffen werden bei den Rüstungskonzernen bestellt, die ebenfalls eigene Welten haben. Wichtige Absprachen werden in der UWE (United Worlds of the Earth) in „Trumpland“, vormals New York City, getroffen.
Aus den siamesischen Zwillingen Staat und Ökonomie ist eine vollkommene Einheit geworden. Die Menschen bekommen endlich Bevormundung und Ausbeutung, äh … Entschuldigung: Sicherheit und Versorgung aus einer Hand. Eine Welt ohne Verbrechen und Arbeitslosigkeit, ohne Hunger und ohne Sorgen.
Richard Wagner - Tannhäuser Ouvertüre. https://www.youtube.com/watch?v=SRmCEGHt-Qk

Samstag, 16. Dezember 2017

Mein Kampfer

Sie sind eine Deutsche oder ein Deutscher? Was war Ihr erster Gedanke, als Sie die Überschrift gelesen haben?
Schöne Grüße von Iwan Petrowitsch Pawlow.

Digitalisierung Rulez II

„Was ist die Welt und ihr berühmtes gläntzen?
Was ist die Welt und ihre gantze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurtzgefasten Gräntzen
Ein schneller Blitz bey schwartzgewölckter Nacht.
Ein bundtes Feld da Kummerdisteln grünen;
Ein schön Spital so voller Kranckheit steckt.
Ein Sclavenhauß da alle Menschen dienen.“
(Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Die Welt)
Im Sommer machte der FDP-Politiker Alexander Sebastian Léonce Freiherr von der Wenge Graf Lambsdorff (so viel Zeit muss sein) den grandiosen Vorschlag, alleinerziehende Mütter sollten doch in Immobilien investieren. Sehr gut, man spart die Miete und hat auch etwas für seine Altersvorsorge getan. Aber denken wir doch mal weiter: Wie wäre es, wenn man zwei oder drei Wohnungen kauft? Dann könnte man von der Vermietung der anderen Wohnungen leben. Oder gleich ein ganzes Mietshaus? Dann wäre es ein Leben in Saus und Braus. Die alleinerziehende Mutter könnte die Geschäfte von der Finca auf La Gomera leiten und ein Kindermädchen würde sich um den Nachwuchs kümmern, während der Nagellack trocknet. Muss man den Frauen eigentlich alles erklären?
Aber jetzt kommt’s. Im Zuge der Digitalisierung und der sogenannten Künstlerischen Intelligenz (oder so ähnlich) machen bald Roboter unsere Arbeit. Warum kaufen Sie sich nicht einen Roboter, der für Sie arbeitet? Er geht morgens aus dem Haus, ach was, er kommt erst gar nicht nach Hause, weil er nicht schlafen oder fernsehen muss. Er kann drei Schichten pro Tag arbeiten und für Sie drei Gehälter erwirtschaften, während Sie in Unterhosen vor dem Computer sitzen und diesen Text lesen. Und jetzt denken Sie mal weiter: zwei Roboter. Können Sie mir folgen? Diese Zeilen hat übrigens der neue Apple Spartacus geschrieben. Ich rufe ihm nur noch vom Sofa die Themen zu. Menschen ohne Geld sind so blöd, ich fasse es manchmal gar nicht.
Tres – Operator. https://www.youtube.com/watch?v=sgjZzK7c0Sc

Der hundertste Geburtstag von Arthur C. Clarke

Dieser Mann war eine Inspiration. Danke. Andere haben Lobeshymnen geschrieben, die ich nicht übertreffen kann.

https://www.derstandard.de/story/2000070275689/der-star-und-die-sterne-100-geburtstag-von-arthur-c

Freitag, 15. Dezember 2017

+++ breaking news +++ Dschungel-Koalition steht

Martin Schulz verkündet die Mitglieder für das Dschungelcamp 2018:
Tina York - Kultur
Sydney Youngblood - Integration
Natascha Ochsenknecht - Frauen & Familie
Ansgar Brinkmann - Sport
Tatjana Gsell - Sex, Crime & Punishment
Sensation! Nicht dabei: Angela Merkel, Flinten-Uschi und Grummel-Gabriel.

Ein Teelöffel Hoffnung in einem Universum voller Scheiße


Blogstuff 179
„Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert.“ (Thomas Ebeling, Chef von Pro7Sat1)
Alle Jahre wieder: Rassisten fordern „weiße Weihnachten“.
Wir schütteln den Kopf über die vollautomatisierte Schweinemastanlage und gehen anschließend in die Fabrik oder ins Büro.
„Malta macht mit Pralinski einen Doppelspass, ehe der Joker ins Zentrum zum freien Bonetti lupft. Der Ehrenbrasilianer macht einen schnellen Schritt Richtung Tor und vollendet frei vor Keeper Laminetti eiskalt ins linke Eck.“ Bundesliga ist Poesie, Literatur ist Leistungssport.
Affirmation oder Aggression – damit sind schon 99 Prozent aller Kommentare bei Facebook, Twitter, in Blogs usw. abgedeckt. Ein Gespräch im eigentlichen Sinne kommt online offenbar nur im Ausnahmefall zustande.
Wir wollten autonome Gruppen, wir bekommen autonome Fahrzeuge. Der technische Fortschritt ist mal wieder schneller als der gesellschaftliche Fortschritt.
2018 können wir ein Jubiläum feiern: fünfzig Jahre Berliner Bauskandale. 1968 wurde mit dem Bau des Steglitzer Kreisels begonnen. Nach der Pleite des beauftragten Bauunternehmens kostete dieses Hochhaus bei seiner Fertigstellung den Steuerzahler schließlich 323 Millionen DM. Es folgte der Skandal um den Architekten Garski, der den Steuerzahler 112 Millionen kostete – für ein Bauvorhaben in Saudi-Arabien. Garski wurde in der Karibik verhaftet und ging für einige Jahre in den Knast. Fünf Jahre ging der Charlottenburger Baustadtrat Antes in den Bau, er hatte sich für Baugenehmigungen und Pachtverträge schmieren lassen. Der Flughafen BER zeigt uns, dass die alte West-Berliner Filzokratie immer noch lebt. Mein Tipp: der endgültige Termin ist 2022 – für den Abriss.
Hätten Sie’s gewusst? Andy Bonetti ist jetzt auch PC. Das ist die Abkürzung für den Titel eines britischen Kronrats („Her Majesty’s Most Honourable Privy Council“, kurz: Privy Council, noch kürzer: PC). Er berät die Königin persönlich in Fragen der Lektüre und der Auswahl von Dessertweinen. Zeitweise durfte er auch die Namen ihrer Hunde bestimmen, nach der Taufe von Wotan und Hermann wurde er aber von dieser Aufgabe entbunden.
Amazon Key – ich liebe es. Die Versandkrake aus Trumpland bietet jetzt ein digitales Türschloss an, dass der Paketbote mit einem Code öffnen kann, um mir das Paket in die Wohnung zu legen, wenn ich mal nicht da bin. Finde ich gut! In meiner Abwesenheit darf gerne auch AirBnB in meine Bude spazieren und mein Bett vergeben. Oder RWE bringt ein paar Tonnen Atommüll im Keller unter. Ist doch sowieso schon alles scheißegal, Leute! NSA und heimlich war gestern.
Manchmal liest Bonetti einen Text, den er gerade geschrieben hat, noch einmal laut vor. Im Sommer, wenn das Fenster seines Arbeitszimmers offen steht, brandet häufig spontaner Applaus der Zuhörer von der Straße hinauf. Nur so kann geschrieben werden, denkt er dann. Das ist Literatur.
P.S.: Sie können mich auch als Pennywise für Kindergeburtstage buchen.
Sex Pistols - Pretty Vacant. https://www.youtube.com/watch?v=VcauCclfytI