Samstag, 17. Februar 2018

Die Jusos - Putins Marionetten

Die BILD-Zeitung, Flaggschiff des deutschen Qualitätsjournalismus, berichtete gestern, Juso-Chef Kühnert stünde in Verbindung mit "Juri", einem Schergen des Moskauer Blutregimes, um die Regierungsbildung in unserem Vaterland zu verhindern. Ich habe es immer gewusst: Die Sozialdemokraten sind die fünfte Kolonne Moskaus. Nordkorea liefert die Cheerleader zur Anti-GroKo-Kampagne und Gregor Gysi schreibt die Texte für die Flugblätter. Eine rote Verschwörung!

Eine Perle des investigativen Journalismus

Rund um Schweppenhausen ist ja immer was los.
„weiß von nichts“
„Uns ist nichts bekannt“
"wollen gesehen haben"
Interessengemeinschaft „Hunsrückbahn – so nicht“
Aber lesen Sie selbst - ich werde Sie auf dem "Laufenden" halten:
http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/bad-kreuznach/vg-langenlonsheim/vg-langenlonsheim/in-guldental-und-windesheim-rollt-mehrmals-taeglich-ein-zug-ueber-die-schienen--und-keiner-weiss-woher-er-kommt_18530703.htm

Montagmorgen im Büro

„Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, bleibt zu Recht ein Sklave.“ (Aristoteles)
Edgar Hufnagel hatte es in seinem sechzigjährigen Leben bis zum stellvertretenden Filialleiter der Kreissparkasse Wichtelbach gebracht. Er verließ am Freitagnachmittag um drei Uhr sein Büro ebenso entspannt wie er es am Montagmorgen betreten hatte. Aber an diesem Montag, es war der erste April, war alles anders.
Er hielt es natürlich für einen Scherz seiner Kollegen. Obwohl seine Kollegen bisher noch nie zu Scherzen dieser Art aufgelegt gewesen waren. Er hatte die Tür zu seinem Büro geöffnet und sie gleich wieder geschlossen. Ein Scherz. Der erste April. Oder hatte er sich einfach nur getäuscht?
Er öffnete die Tür ein zweites Mal. Wirklich. Es war keine Täuschung. Er war echt und bewegte sogar die Arme. Hufnagel schloss die Tür und ging auf die Toilette. Er wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser und betrachtete lange Zeit sein Spiegelbild über dem Waschbecken. Ich bin verrückt geworden, dachte er. Es gab keine andere Erklärung.
Zum dritten Mal öffnete er an diesem Morgen die Tür zu seinem Büro. An seinem Schreibtisch, auf seinem Stuhl saß ein Pandabär. Hufnagel starrte ihn mit offenem Mund an.
Der Pandabär drehte seinen dicken pelzigen Kopf zu ihm und lächelte. „Guten Morgen, Herr Hufnagel.“
Hufnagel sagte nichts und blieb in der Tür stehen.
„Seien Sie unbesorgt“, sagte der Bär freundlich. „Kommen Sie ruhig näher. Ich beiße nicht.“ Er lachte brummend.
Hufnagel trat zögernd näher, die Aktentasche schützend vor seinen dicken Bauch gepresst. „Wer sind Sie?“
„Mein Name ist Alex“, sagte der Pandabär.
„Und was machen Sie in meinem Büro? Ist das ein Scherz? Drehen Sie hier mit versteckter Kamera fürs Fernsehen?“
„Nein, nein, Herr Hufnagel“, antwortete der Bär. „Da kann ich Sie beruhigen.“
Aber Herr Hufnagel beruhigte sich nicht. Wieso konnte ein Pandabär überhaupt sprechen? Offenbar machte er am Computer auch gerade eine Kalkulation. Neben der Tastatur lagen einige Formulare.
„Man hat uns gesagt, dass Sie Pandabären mögen. Also hat man mir die Gestalt eines Pandas gegeben. Ich mache ab heute Ihre Arbeit.“

„Meine Arbeit? Sie?“
„Ja, genau. Warum holen Sie sich nicht einfach einen Kaffee und setzen sich zu mir. Ich habe noch einige Fragen zu laufenden Krediten und zu Ihrer Vorruhestandsregelung.“
„Ich bin … entlassen?“
„Das ist ein hässliches Wort. Ich mache nur ab heute Ihre Arbeit. Sie können sich neuen Aufgaben widmen. Ihre Altersvorsorge ist gesichert. Die Kunden werden sich freuen, denn ich bin wirklich vierundzwanzig Stunden für sie da.“
Chilly - For Your Love. https://www.youtube.com/watch?v=OGBUHWjOtWI

Freitag, 16. Februar 2018

Voll in die Fresse – vom Kiezschreiber

Auch wenn es mich unsympathisch macht: Manchmal freue ich mich, wenn es anderen Menschen schlecht geht. Nehmen wir zum Beispiel die SPD. Diesen lauwarmen Drecksverein, der es immer vermasselt, selbst wenn es gar nichts zu vermasseln gibt. 16 Prozent in Umfragen, Chaos und Selbstzerfleischung. YES !!!
Ich glaube ja, dass Sozialdemokraten Masochisten sind. Die ritzen sich bestimmt. Die stehen morgens vor dem Badezimmerspiegel und mögen ihre eigene Fresse nicht. Eigentlich wollen sie, dass es ihnen schlecht geht. Es geht ihnen beschissen und alle schauen dabei zu. Öffentliche Selbstverstümmelung. I love it.
Wenn Sie ein wenig selbstverliebt sind, gelegentlich mal asozial und anderen Leute gerne mit vollem Anlauf in die Eier treten, gehen Sie zur FDP. Aber wenn sie von Beruf Opfer sein wollen, ein weinerlicher Waschlappen, der von allen gehasst und verachtet wird – dann sind Sie in der SPD goldrichtig.

Sie werden mich erwischen

Kurz vor Sonnenaufgang schlugen sie mit Fäusten an meine Tür. Vorsichtig öffnete ich das Schlafzimmerfenster und schaute hinunter. Einige von ihnen hatten sich vor meiner Haustür zusammengerottet. Ich musste verschwinden, so viel stand fest.
Ich kletterte aus dem Küchenfenster und sprang auf das Flachdach eines Anbaus. Ich lief auf die andere Seite und ließ mich an der Regenrinne in den Garten hinab. Dort kletterte ich über den Zaun auf das Nachbargrundstück.
Es gelang mir, auf eine Seitenstraße zu kommen. Zwei von ihnen stand an der Ecke zur Hauptstraße und sahen mich. Sie alarmierten die anderen. Ich rannte los und kam auf den Parkplatz eines Supermarkts. Ein offenes Auto, der Schlüssel steckte. Eine Frau räumte gerade ihre Einkäufe in den Kofferraum.
Ich setzte mich ans Steuer und fuhr mit quietschenden Reifen los. Das hatten sie natürlich bemerkt. Eine wilde Verfolgungsjagd begann. Sie blieben mir dicht auf den Fersen. Unfälle, Explosionen, das totale Chaos. Nichts für schwache Nerven, aber im Gassengewirr von Chinatown konnte ich sie abwimmeln.
Ich ließ den Wagen stehen und rannte in eine Wäscherei. Durch eine Tür hinter dem Verkaufstresen gelangte ich in einen Raum, in dem weiße Bettlaken auf der Leine hingen. Ich durchquerte ihn und gelangte auf einen Hinterhof. Dann kam ich in eine Werkstatt und anschließend in die Küche eines Restaurants.
Ich blieb nicht stehen und stand schließlich mitten im Restaurant. Dort saßen einige von ihnen, die mich erkannten. Sie sprangen auf und kamen auf mich zu. Ich stieß sie von mir und rannte hinaus ins helle Sonnenlicht.
Überall wankten Arbeitgeber wie Zombies durch die Straßen. Verdammter Fachkräftemangel! Eines Tages werden sie mich erwischen.
Frank Sinatra - I'll Remember April. https://www.youtube.com/watch?v=pepYluyez4k

Donnerstag, 15. Februar 2018

Nachrichten aus dem Fass

Es ist ein alter Traum von mir. Der Kern meiner Lebensphilosophie. Im Prinzip kreist mein Schreiben seit dreißig Jahren um dieses Thema. Das Nichts. Und in konkretes Handeln übersetzt: das Nichts-Tun.
Diogenes ist seit den Kindertagen, in denen ich mich mit den griechischen Sagen befasst habe, mein heimlicher Held. Nicht der listige Odysseus, nicht der Superheld Herakles. Sondern der Typ, der einfach nichts macht. Oskar aus der Sesamstraße ist sein modernes Pendant.
Wer untätig ist, macht sich unangreifbar. Kein Besitz, kein Ehrgeiz. Ich wehre mich nicht gegen die Leistungsgesellschaft, ich will sie auch nicht verändern. Ich nehme einfach nicht an ihr teil. Das ist Subversion in Reinkultur.
Stellen Sie sich vor: Die ganze Gesellschaft tritt in einen unbefristeten Generalstreik. Nichts passiert mehr. Alle Räder stehen still. Die Politiker werden hilflos fragen: Was wollt ihr denn? Und die Menschen antworten: Gar nichts. Das wäre das Ende. Chaos statt Gefängnis. Ein Neuanfang.

Ben

„Mit leeren Händen wanderte ich von Zuhause fort, mit leeren Händen kehrte ich heim.“ (Xuefeng Yicun)
Eines Tages tauchte er plötzlich auf. Er nannte sich Ben, aber ich glaube nicht, dass Ben sein richtiger Name war. Mit einer Flasche Bier in der Hand saß er vor Uschis Waschsalon und blickte noch nicht mal auf, als ich den Laden betrat.
Uschis Waschsalon ist eigentlich ein Kiosk. Aber früher war es mal ein Waschsalon und über der Eingangstür war noch das alte Ladenschild. Uschi war noch ziemlich jung, sie hätte meine Tochter sein können. Bei ihr gab es alles, was man im Dorf so brauchte. Getränke, Zigaretten, Brötchen, Süßigkeiten, Zeitungen und Zeitschriften.
Der Hit waren aber die Sandwiches, die sie selbst machte. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, jemals so gute Sandwiches gegessen zu haben. Mit Käse, Schinken, Salat und Relish. Scharfes Paprika-Relish, süßes Mango-Relish, Gurken-Ingwer-Relish, Avocado-Relish. Sie machte die Soßen selbst. Ein Genuss.
Vor dem Waschsalon standen ein paar Klappstühle und wer Lust hatte, setzte sich eine Weile hin und schaute dem spärlichen Verkehr zu, der durch unseren Ort kam. Die meisten Leute wollten an den Strand, der etwa einen Kilometer vom Dorf entfernt war. Manchmal, wenn nichts los war, setzte sich Uschi dazu.
Ben sah ich immer öfter. Er kam dreimal am Tag. Morgens holte er sich Brötchen und Kaffee, mittags aß er ein Sandwich oder zwei und abends kaufte er sich Bier und eine Kleinigkeit zum Knabbern. Irgendwann kamen wir ins Gespräch. Er hatte immer einen Skizzenblock dabei. Ich fragte ihn, was er zeichnen würde.
Das Meer, sagte er. Meistens das Meer. Auf den Blättern, die er beim Bier durchsah, konnte ich nur wirre Linien erkennen. Es hätte alles Mögliche sein können. Ich fragte ihn, wo er im Dorf wohnte. Er grinste nur und schüttelte den Kopf. Er käme jeden Tag mit dem Auto, sagte er und deutete mit dem Kopf auf den Chevrolet El Camino. In seinem Atelier würden aus den Skizzen Ölgemälde, die er an reiche Sammler in die Stadt verkaufte.
Eines Tages sah ich seinen Wagen auf dem Parkplatz an den Dünen. Ich ging zum Strand, aber ich sah ihn nirgends. Ich kletterte über die Düne, die an einigen Stellen mit Strandhafer bewachsen war. Dahinter war ein kleines Wäldchen. Dort sah ich ihn vor seinem Zelt sitzen. Er hatte nur eine Bermuda-Shorts an und rauchte gerade eine Zigarette. Am Ende des Sommers verschwand er so plötzlich wie er aufgetaucht war.
Dazz Band – Let It Whip. https://www.youtube.com/watch?v=WSIL-SU--Lw

Mittwoch, 14. Februar 2018

Österreich zwischen Reaktion und Revolte?

Um eines muss man die Österreicher nicht beneiden. Nach dem Ende ihrer GroKo-Zeit landeten sie in einem reaktionären Bündnis zwischen einer ÖVP im Führermodus und der rechtsextremen FPÖ. 2021 werden wir Deutsche die Union mit der AfD in einem ähnlichen Bündnis sehen.
Aber um das Frauen*Volksbegehren beneide ich unsere Nachbarn schon. Ich habe als Wahlberliner mit Volksentscheiden gute Erfahrungen gemacht. Es ist schön, wenn man zwischen den Wahlen konkret um seine Meinung gebeten wird. Es ist wie bei den üblichen Wahlen: mal gewinnt man, mal verliert man. Das Tempelhofer Feld wurde den Immobiliengeiern entzogen, der Flughafen Tegel bleibt auch einem Nichtflieger wie mir leider erhalten.
In Österreich geht es um eine echte 50%-Quote auf den Chefsesseln in Politik und Wirtschaft, nicht um diese lauwarme Scheiße mit den Aufsichtsräten wie in Deutschland. Die 30-Stunden-Woche finde ich hervorragend, mit Zeitpolitik habe ich mich zehn Jahre hauptberuflich beschäftigt. Alleinerziehende unterstützen – großartig. Ich kenne eine Frau, die in Teilzeit 1100 netto verdient und zwei Kinder von zwei Vätern hat, die beide nix bezahlen. Selbstbestimmung, Schutz vor Gewalt, da gibt es noch einige Punkte, die ich hier nicht alle aufzählen kann.
Hätten wir auf Bundesebene doch auch endlich Abstimmungen – die das Grundgesetz übrigens ausdrücklich vorsieht (Artikel 20). Felix Austria! Viel Erfolg, Österreich.
P.S.: Laut Grundgesetz sind Mitgliederbefragungen zu Regierungskoalitionen wie aktuell bei der SPD oder Sonderparteitage wie bei der CDU nicht vorgesehen. Wenn ich mir die Spielanleitung der Bundesrepublik von 1949 so anschaue, bestimmen die Abgeordneten des Bundestags, die wir letztes Jahr gewählt haben (die älteren Leser werden sich erinnern), wer die Regierung führt.

Lüdenscheid o muerte


Blogstuff 193
„Ich kotzte den letzten Rest meiner Würde in den Rinnstein. Der Regen spülte ihn in die Finsternis der Kanalisation und dort ist er bis heute.“ (Lupo Laminetti)
GroKo: Kanzlerwahlverein meets Karnevalsverein.
Brandt hat als Parteivorsitzender die Fackel an Hans-Jochen Vogel weitergegeben. Jetzt gibt Schulz über Scholz das Streichholz an die Nahles weiter. Wer wird das Fünkchen einmal erben?
Die Handwerkerfamilien sind stolz, wenn sie ihre Kinder aufs Gymnasium schicken und wenn hernach noch eins von ihnen studiert. Dann wundern sie sich, wenn der Sohn als Klangschalentherapeut nach Köln geht und die Tochter einen Zahnarzt heiratet. Solche Kinder übernehmen die Metzgerei nicht mehr.
Achtung, der tut jetzt weh: Ich bin ein Guter und kein Schlächter. Gesinnungshumor de luxe!
Haarsträubende Vergleiche I: 2016 töteten US-Polizisten 963 Menschen, 408 Menschen wurden in vierzig Jahren an der innerdeutschen Grenze getötet (Quelle: ZERV).
Geld ist natürlich die ultimative Motivation. Aber es gibt immer noch die entwicklungsgeschichtlich ältere neurochemische Selbstbelohnung. Ich setze im Prenzlauer Berg Punkt 22 Uhr die Nachtruhe durch. Ich bekomme direkt vor dem Restaurant einen Parkplatz. Wir holen uns die Kicks auch ohne Drogen.
Haarsträubende Vergleiche II: München hat so viele Einwohner wie der Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf, jeweils 1,5 Millionen.
Zum 200. Geburtstag von Karl Marx: Es gibt immer noch das Proletariat, aber es hat immer noch keine Interessenvertretung. #Arbeiterpartei

Stattdessen kämpfen Frauen, Schwarze, Arme, Homosexuelle, Kranke, Marxisten und Behinderte als Einzelgruppen auf nationaler Ebene gegen einen international perfekt vernetzen Konzernkapitalismus. #Solidarität
Moralismus und Puritanismus sind die neuen Spielwiesen des Bürgertums, das sich selbst als „linksliberal“ definiert, aber längst seinen Antikapitalismus aufgegeben hat, weil es vielversprechender ist, sich gegen Gedichte oder Gemälde zu wenden, als den Kampf mit den Konzernen und Überwachungsorganen aufzunehmen. Vor der Macht hat man resigniert, jetzt gängelt man sich gegenseitig mit jakobinischen Exzessen.
„Hylas und die Nymphen“ von John William Waterhouse wurde aus der Manchester Art Gallery entfernt:

Was machen wir mit dem „Ursprung der Welt“ von Gustave Courbet? Das ist eindeutig Pornographie, oder? Wenn Sie anderer Meinung sind, habe ich folgende Frage an Sie: Wäre es für sie Pornographie, wenn es kein Gemälde, sondern eine Fotografie wäre?

Aber wenigstens ist die Frauenbewegung in dieser Frage mit dem sprenggläubigen Islam einer Meinung.
Black Sabbath - Crazy Train. https://www.youtube.com/watch?v=N0i9yCZ5D8E

Dienstag, 13. Februar 2018

Das Paket

„Der Trieb, aus unserem Wesen etwas hervorzubringen, das zurückbleibt, wenn wir scheiden, hält uns eigentlich am Leben fest.“ (Hölderlin)
Wenn Sie eine Agentur gründen, die im Internet mit dem Slogan „Wir übernehmen jeden Auftrag, Mord und Heiratsvermittlung ausgenommen“ wirbt, müssen Sie mit allem rechnen.
Die Frau, die eines Tages mein Büro betrat, war etwa einsfünfzig groß und sorgfältig geschminkt. Dennoch sah ich, dass sie die vierzig überschritten hatte. Es war einfach die Art, wie sie mich ansah.
„Können Sie dieses Paket nach Island bringen?“ fragte sie mich, nachdem wir die üblichen Begrüßungsfloskeln ausgetauscht hatten.
Das Paket war nicht größer als eine Faust und würfelförmig. Es war in schwarzes Lackpapier eingeschlagen und mit einer silbernen Kordel zugeknotet. Eigentlich sah es wie ein edles Geschenk aus.
„Was ist in dem Paket?“ fragte ich.
„Das kann ich Ihnen nicht sagen.“
„Wenn es illegal ist, Drogen zum Beispiel, werde ich es nicht transportieren.“
„Keine Angst. Keine Drogen, kein Gift, keine Waffe, keine Bombe.“
„Ist es die Asche eines Verstorbenen?“
„Nein.“
Ich schwieg und überlegte. „Warum schicken Sie das Paket nicht mit der Post?“
Sie schüttelte den Kopf und ihre großen Ohrringe bewegten sich. „Ich kann dieses Paket nicht per Post schicken. Es ist zu wertvoll.“
„Ist es Schmuck? Gold? Dann müssen wir es versichern.“
„Nein, es ist nicht im materiellen Sinne wertvoll. Keine Diamanten, kein Diadem oder so etwas. Sehen Sie, es ist ganz leicht.“
Sie gab mir das kleine Paket und ich hielt es zum ersten Mal in der Hand. Es war federleicht. Unter dem Papier fühlte ich eine Art Schachtel. Etwas Festes.
„Sie werden den Auftrag übernehmen? Ich zahle Ihnen alle Reisespesen plus tausend Euro.“
Sie legte einen Umschlag mit Geld auf den Tisch.
Ich nickte.
***
Als ich in Reykjavik aus dem Flugzeug stieg, war es bitterkalt und für den Nachmittag war ein Schneesturm angekündigt. Im Flughafengebäude war nicht viel los. Mir fielen zwei Mädchen auf, Zwillinge in identischen Kleidern, die mich stumm anstarrten. Ich ging hinaus zum Taxistand und stieg mit dem Paket ein. Während des Fluges hatte ich es die ganze Zeit in der Hand gehalten.
Wir fuhren auf der Landstraße 1 nach Norden, dann bogen wir auf die 60 ab. Eine endlose Schneelandschaft, keine Bäume, keine Häuser. Der Sturm blies Schnee auf die Straße, so dass mein Fahrer kaum etwas erkennen konnte.
„Sind Sie das erste Mal in Island?“ fragte er.
„Ja.“
„Wie lange bleiben Sie?“
„Morgen fliege ich zurück nach Berlin.“
„Sie haben kein Gepäck dabei, nur dieses Paket.“
„Ja.“
„Entschuldigen Sie, dass ich neugierig bin. Was ist denn drin?“
„Keine Ahnung.“
Der Fahrer lachte.
Mein Ziel war ein abgelegenes Haus am Ortsrand von Holmavik. Der Taxifahrer ließ mich an der Straße raus, da der schmale Weg zum Haus nicht befahrbar war. Ich bat ihn zu warten, aber er schüttelte nur den Kopf. Er wollte so schnell wie möglich nach Hause.
Ich stapfte durch den eisigen Wind auf das Haus zu. Trotz meiner Winterkleidung fror ich erbärmlich. Die Fenster des Hauses waren nicht erleuchtet. Nichts deutete auf Leben hin.
Ich klopfte an die Tür.
Ich wartete.
Ich klopfte ein zweites Mal. Laut, fast verzweifelt.
Dann hörte ich Schritte.
The Church - Cortez The Killer. https://www.youtube.com/watch?v=JQVXQArandw
Wer erinnert sich noch an M.C. Escher?

Montag, 12. Februar 2018

Die Kindersoldaten der SPD

Sie träumten von gesellschaftlichen Veränderungen, heute sind sie traumatisiert von den Grabenkämpfen der Parteipolitik.

Kevin Spacey.

Gottes kleiner Bruder

„Nichts kann mehr zu einer Seelenruhe beitragen, als wenn man gar keine Meinung hat.“ (Georg Christoph Lichtenberg)
Es war an einem Montag gegen elf Uhr, als Gottes kleiner Bruder die Erde betrat. Er stand mitten im Wald und sah an seinem nackten Körper hinunter. Niemand hatte ihn ankommen sehen, aber ich schätze, es war so wie bei den Zeitreisen in den Terminator-Filmen mit Arnold Schwarzenegger. Gottes kleiner Bruder war jedoch eher klein und schmächtig. Also schuf er sich als erstes ein weites Gewand aus hellem weichem Stoff und ein Paar solide Schuhe.
Er wanderte in den nächsten Ort. Es war ein kleines Dorf namens Wichtelbach. Er grüßte jeden, der vorüberkam. Die Leute grüßten zurück und gingen weiter. Gottes kleiner Bruder war gekommen, um die Welt zu retten. Aber wie sollte er es anstellen? Also fragte er eine alte Frau, an wen er sich wenden könne, er sei neu im Ort. Gehen Sie am besten zum Bürgermeister, antwortete ihm die Frau und wies ihm den Weg.
Der Bürgermeister empfing ihn freundlich, wusste aber auch nicht, wie er ihm mit seinem Anliegen helfen könne. Insgeheim befürchtete er, vor ihm stünde ein Geisteskranker. Er verwies ihn ans Landratsamt in der Kreisstadt. Gottes kleiner Bruder machte sich unverzüglich auf den Weg in die Stadt. So verging der erste Tag.
Als der Landrat ihn endlich empfing, stellte sich heraus, dass dieser ihm auch nicht helfen könne. Er solle sich doch an die Presse wenden und gab ihm die Telefonnummer der Lokalredaktion. Auch fragte er ihn, wie er den heiße. Gottes kleiner Bruder überlegte kurz und antwortete: Hermanito. Eigentlich hatte er gar keine Lust, mit einem Reporter zu sprechen. Wer weiß, was diese Leute aus seiner Geschichte machen würden? Aber die Sache mit den Medien war eine gute Idee.
Am gleichen Abend erschien Hermanito auf allen Fernsehkanälen der Welt. Gleichzeitig, live und in Farbe. Er verkündete, dass er Gottes kleiner Bruder sei und die Welt retten wolle. Als ersten Schritt beabsichtige er, den Reichtum der Welt gleichmäßig auf alle Menschen zu verteilen. Die Reaktion war gewaltig. Er war das Thema Nummer 1 in jedem Gespräch. Aber die Milliardäre, die zu diesem Thema interviewt wurden, weigerten sich, ihr Geld abzugeben. So verging der zweite Tag.
Am nächsten Tag schuf Hermanito sich eine bescheidene Hütte auf einem Hügel, um Ruhe zu finden. Er wollte nachdenken. Inzwischen wurde er von Reportern belagert, die ständig an seine Tür klopften. So konnte es nicht weitergehen. Also beschloss er, vierundzwanzig Stunden nach seiner Fernsehansprache, ein Zeichen zu setzen. Auf einen Schlag fielen die tausend reichsten Menschen tot um. Kein Wachpersonal, keine Sicherheitsanlagen hatten sie schützen können. Sie waren tot. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer um die Erde. Die Milliardäre waren weg. Hermanito sprach seine Forderung in die Mikrophone der Reporter: Verteilt den Reichtum unter die Armen. So verging der dritte Tag.
Am nächsten Tag meldeten sich die Erben der Vermögen und begannen zögernd, Geld an Hilfsorganisationen zu überweisen. Aber es ging alles viel zu langsam und die Reichen dachten, ihre Vermögen in den Steueroasen wären dem Blick von Gottes kleinem Bruder verborgen geblieben. Also beschloss Hermanito den nächsten Schritt. Er versprach, alle Waffen auf der Welt zu vernichten. Man solle sich bis Mitternacht aus den Waffenfabriken entfernen, denn auch sie würden zerstört werden. Und tatsächlich: über Nacht waren alle Schusswaffen und alles militärische Gerät verschwunden. So verging der vierte Tag.
Am Freitag waren alle Kriege vorbei. Die Soldaten hatten keine Waffen mehr, die Waffenfabriken waren verschwunden. Flugzeugträger und Atom-U-Boote waren ohne Waffen und fuhren in ihre Häfen zurück. Bomber und Panzer waren verschwunden, es gab keine Atomwaffen mehr. Aber auch die Polizei und die Wachmannschaften der Reichen hatten keine Waffen mehr. Es gab Plünderungen, die nur mit Knüppeln und Tränengas nicht aufgehalten werden konnten. Die Paläste der Reichen wurden regelrecht auseinander genommen.
Es kam zu Volksaufständen. Trump wurde aus dem Weißen Haus gezerrt und Putin flog aus dem Kreml. Die Nordkoreaner stürmten Südkorea, die Herrschaft der Kim-Dynastie war vorüber. Millionen Palästinenser überquerten die Grenze zu Israel, niemand konnte sie aufhalten. Sie begannen, Häuser zu bauen und Gärten anzulegen. So verging der fünfte Tag.
Hermanito war unzufrieden. Er versuchte immer das Gute, das war aber schwerer als er dachte. Inzwischen war sein kleines Haus von zehntausenden Menschen belagert, die voller Wünsche und Ideen waren. Er hörte ihnen aufmerksam zu. Also schuf er genügend Nahrungsmittel für die Menschen in Afrika und in anderen armen Ländern. Aber die Leute wollten nicht nur satt sein. Also gab er ihnen neue Kleider. Aber sie sahen das Elend ihrer Hütten und wollten mehr. Hermanito ahnte: Wenn ich ihnen Häuser gebe, werden sie Autos haben wollen.
Er musste radikaler vorgehen, es war schon Samstag. Also ließ er alles Geld auf Bankkonten und in Steueroasen, alles Bargeld, alles an Gold, Schmuck und Diamanten in einem einzigen Augenblick verschwinden. Aber die Menschen jammerten, denn er hatte die Wirtschaft der ganzen Welt ins Chaos gestürzt. Wie sollte man ohne Geld Handel betreiben? Wie sollten sich die Menschen in den Städten ernähren, die von Landwirtschaft keine Ahnung hatten? So verging der sechste Tag.
Schließlich hat Gott ein Einsehen und holte seinen kleinen Bruder am Sonntagmorgen zurück. Er sagte nichts und gab ihm einen Job im Himmel. Heute leitet Hermanito den Vergnügungspark für die Kinder und ist sehr zufrieden.
5000 Volts - I'm On Fire. https://www.youtube.com/watch?v=J84DXzDMG_M
P.S.: Bevor mal wieder unqualifizierte Fragen auftauchen, habe ich ein paar Infos für Sie zusammengestellt. Ja, Gott ist ein Mann. Ja, er hat einen kleinen Bruder und eine große Schwester. Die Schwester war für die Einhörner (schon ausgestorben), die Flamingos und Norwegen zuständig. Ja, alle drei sind Mexikaner. Daher der Name „Hermanito“, übersetzt: kleiner Bruder.

Sonntag, 11. Februar 2018

Mainzer Rosenmontagszug 2018 - Erste Bilder für Leser ab 18




Darüber wird morgen die Welt sprechen.

Copyright: Frank Schönhals.

Danke an meinen Leserreporter und alten Schulfreund für diesen exklusiven Einblick.

Guido Knopp präsentiert: Martins Helfer

„Es ist eine Falle.“ (Admiral Ackbar)

Das ist das neue Konzept von Bonetti Media: brandaktueller Content und süße Tierbilder.
Ihr Colonel Clickbait

Zeig mir deine Helden und ich sag dir wer du bist

Es war an einem Montagmorgen irgendwann vor zehn Jahren. Keine Ahnung, es ist schon eine Weile her. Aber ich weiß genau, dass es ein Montag war. Ich hatte am Tag zuvor mit Freunden ein Fußballspiel im Stadion gesehen. Mainz 05. Sonntagsspiel. Bei einem der Jungs hatte ich auf der Gästematratze übernachtet und als ich am nächsten Morgen mit bierschweren Lidern erwachte, war mein Gastgeber schon längst über alle Berge, um irgendwelche dicken und frechen Kinder auf einer Gesamtschule zu unterrichten.
Er hatte mich gebeten, so lange in seinem Haus zu bleiben, bis der Lieferdienst ein Päckchen für ihn abgegeben hätte. Ich zog mich an, aß einen Joghurt und trank jede Menge Mineralwasser. Dann, gegen zehn Uhr, klingelte es. Der Lieferfahrer stand vor der Tür. Das Päckchen war ein Laufband, so ein Fitnessteil, das mindestens drei Zentner wog. Wir wuchteten das Teil zusammen vom Lkw in den Hausflur und verschnauften erst einmal. An der Garderobe hingen die Fanschals und andere Sachen mit extrem starkem Mainz 05-Bezug. So kamen wir ins Gespräch.
Was soll ich sagen? Dieser Mann, damals um die fünfzig, hatte früher bei Mainz 05 gespielt. In den siebziger und achtziger Jahren. 1988 war Mainz in die Zweite Bundesliga aufgestiegen und gleich wieder abgestiegen. Erst mit dem Wiederaufstieg 1990 setzte sich der Verein im Profigeschäft durch. Bis 1996 lag der Zuschauerschnitt bei mageren 4000 Besuchern. Natürlich haben auch die Amateure damals schon in der dritten Liga Geld verdient, aber das war auf dem Niveau eines Kellners oder eines Bauarbeiters.
Aber der Lieferfahrer hat nicht geklagt. Das war sein Leben. Er war stolz, für die 05er gespielt zu haben. Nach dem Ende seiner Zeit als Fußballer ist er eben Lieferfahrer geworden. Es gibt Nationalspieler aus meiner Kindheit, die haben nach ihrer Karriere mit einem Kiosk oder einem Sportgeschäft weitergemacht. Aber heute erzählen sie uns, ein Spieler verdiene Millionen, weil er nach seiner Zeit als Spieler davon leben müsse.
Wer sagt das? Ist das in Stein gemeißelt? Steht das schon im Alten Testament? Bis 35 muss ich die Kohle für den Rest meines Lebens gemacht haben? Warum? Kann sich ein Spieler keinen anderen Job suchen? Dann heißt es immer: Die Fußballer haben ja nichts anderes gelernt. Na und? Die Typen trainieren höchstens zwei Stunden am Tag und haben am Wochenende ein Spiel, falls sie nicht auf der Ersatzbank sitzen. Bestenfalls ein Halbtagsjob. Da kann man nebenbei locker ein Fernstudium oder was auch immer machen.
Bei Mainz 05 verdient keiner der Spieler unter einer Million, sagt mein Orthopäde und der muss es wissen, weil er früher der Mannschaftsarzt der 05er war. Augenblicklich sind sie auf dem 16. Platz in der Bundesliga. Das ist Wahnsinn! Aber Vereine und Spieler erzählen die Story vom kleinen Zeitfenster, um „sein Schäfchen ins Trockene zu bringen“, und die Journalisten und Fans plappern es treudoof nach. Von mir kriegen diese Leute jedenfalls keinen Cent. Weder für Fanartikel, Eintrittskarten oder Pay-TV. Dieses heilige Gelübde habe ich in den letzten zehn Jahren nie gebrochen.
Bobby Pickett - Monster Mash. https://www.youtube.com/watch?v=SOFCQ2bfmHw

Samstag, 10. Februar 2018

So sehen Sieger aus


Das Feuer politischer Begeisterung wird vor dem Reichstag entzündet. V.l.n.r.: Andrea Nahles, Angela Merkel. Im Hintergrund: Maybrit Illner.
Drei einfache Fragen zur aktuellen Bundespolitik:
1. Da die gerade verhandelte Koalition von Union und SPD doch eine Fortsetzung der Koalition von 2013 bis 2017 ist, warum hat sich eigentlich die Verteilung der Ministerien so stark verändert?
2. Wieso wird ausgerechnet ein Mann Finanzminister und Herr über einen Bundeshaushalt von etwa 1400 Milliarden Euro in der laufenden Legislaturperiode, der in seiner Stadt noch vor kurzem mit dem Bau eines einfachen Opernhauses überfordert war und offenbar mit Steuergeld nicht umgehen kann?
3. Wieso geht die SPD jetzt ohne den Mann, der Verhandlungsführer bei den Koalitionsgesprächen war, auf Werbetour für eben jenen Vertrag?
Ich würde mich wirklich freuen, wenn die SPD-Mitglieder die ganze Sache noch zum Scheitern brächten. Einfach weil ich Lust auf das Chaos danach habe. Aber die Sozis werden uns – wie immer – enttäuschen.

Meins bleibt Meins wie es sinkt und kracht


Immer gut drauf: unsere Spezialdemokraten.
Darauf ein dreifach donnerndes Helau! Narrhallamarsch!

Zur Psychopathologie des Berufspolitikers


Blogstuff 192
„Komm, lass uns gehen
Schnee schauen, Sake trinken
Taumeln wie Flocken“
(Matsuo Bashō)
Causa Schulz: from zero to hero vor einem Jahr, als wäre die SPD ein Actionfilm. Und jetzt ist die Nummer geplatzt wie ein Kondom von Al Bundy. Der Mann wird 2019 so vergessen sein wie eine Stummfilmdiva.
Gentrifizierung ist in erster Linie Arisierung.
Es wächst zusammen, was zusammen gehört: Staaten und Konzerne werden totalitär, die Bevölkerung pflegt einen puritanischen Gesinnungsterror.
Die Progressiven in den Großstädten waren schon immer gut vernetzt. Die Konservativen in der Provinz kannten einander nicht, höchstens in ihrem unmittelbaren Umfeld. Für sie ist das Internet die große Chance. Im Nachhinein betrachtet hat das Netz den Rechten und der Anti-Aufklärung Tür und Tor geöffnet. Twitter-Trump hat den Schatz der Hillbillies als erster gehoben.
Soeben von mir erfunden: der Mexican-Chinese Hot Dog. In einer weichen Reismehltortilla ist ein Würstchen mit Glasnudeln, Ketchup und Guacamole. Lecker! Nächste Woche: Involtini bavarese.
Ich öffne eine Tür und überrasche einen Mann, der gerade seinen Pudel küsst.
Männer können kein Leben in die Welt setzen, sie können keine Kinder bekommen. Aber sie können Leben retten. Warum kommen so wenige auf diesen naheliegenden Gedanken?
Er hatte den Handschuhladen von seinem Onkel geerbt. Es war August, brütend heiß und kein einziger Kunde betrat sein Geschäft.
Bei Facebook gibt es herrlich sinnlose „Tests“, bei denen du noch nicht mal Fragen beantworten musst. Du loggst dich nur mit deinem Profil ein. Auf die Frage „Welches Gewürz bist du?“ bekam ich die Antwort „Safran“. Aha. Da frage ich mich wiederum, ob wirklich ein Algorithmus das Ergebnis berechnet oder ob ein Schimpanse an einem Rouletterad dreht.
Politiker sind wie Kaufleute. Erst drehen sie dir irgendeinen Scheiß an. Dann reden sie ihn schön.
Interessantes Gesprächsthema für Ihre nächste Party: Diskus kommt aus dem Altgriechischen und heißt Platte, Diskussion kommt vom lateinischen Wort für Untersuchung. Beide haben nichts miteinander zu tun.
Wenn ich die ganzen Freizeitanlagen sehe, die es heute gibt. Wir haben früher mit Kartoffeln gekegelt, wir haben uns aus Lumpen und Tesafilm Fußbälle gebastelt.
Substantive und Verben gehen oft getrennte Wege. Das Kalb kalbt nicht, die Sülze sülzt nicht und der Reiher reihert nicht.
Mein Lieblingskommentar zur Blogstuff-Reihe: „Hallo, ich bin wichtig. Wenn ich über einen Witz nicht lachen kann, schreibe ich einen Leserbrief.“
Die Vermarktung des Ausnahmeschriftstellers und Gesamtkunstwerks Andy Bonetti hat jetzt übrigens die Medienagentur „Butter & Fisch“ übernommen.
Die SPD ist ein Paradoxon: Wir erwarten nichts von ihr, aber wir sind dennoch von ihr enttäuscht.
The Verve - The Drugs Don't Work. https://www.youtube.com/watch?v=ToQ0n3itoII

Freitag, 9. Februar 2018

Neues von Sigmar Gabriel


Hier verabschiedet sich Siggi Pop von seiner ehemaligen Partei. Er wird Aufsichtsratsdingsbums bei der geplanten Erdnusspipeline von Usbekistan nach Hanau. Rechts neben ihm der usbekische Außenminister (oder die Außenministerin?!).
NEWSUPDATE: Nur 15 Minuten nach dieser Exklusivmeldung von Bonetti Media Unlimited reagiert Martin Schulz, langjähriger Stammleser dieses Blogs und erklärter Fan von News-Tycoon Andy Bonetti, und gibt seinen Rückzug aus der eventuell möglichen Regierung Merkel/Scholz bekannt. Im Herbst eröffnet er mit dem Papst eine Herrenboutique in Würselen.

Viva Schweppenhausen

Zwei kleine Begebenheiten, um die Überschrift zu rechtfertigen:
Neulich war ich bei meinem Winzer, um meine Weinvorräte zu ergänzen. Er war gerade dabei, eine Abflussrinne auf dem Boden seines Weinlagers mit Mörtel aufzufüllen. Dreißig Jahre seien er und seine Frau über diese Rinne gestolpert. Jetzt sei endlich Schluss. Während er den Mörtel in die Rinne warf und mit der Kelle glattzog, zitierte er Hegel: „Die Wahrheit einer Absicht ist die Tat.“ Das ist Schweppenhausen. Das Dorfleben wird völlig unterschätzt.
Vielleicht sind die politischen Verhältnisse in Schweppenhausen ja zukunftsweisend für das ganze Land? Bei der letzten Gemeinderatswahl bekam die CDU 21 Prozent, die SPD null Prozent, andere Parteien aus dem Bundestag ebenfalls null Prozent. Freie Wählergemeinschaften, die weder links noch rechts sind, sondern einfach was fürs Dorf machen, lagen bei 79 Prozent. Im Gemeinderat, der aus zwölf Leuten besteht, haben nur noch zwei ein Parteibuch.
Ren and Stimpy - Jubel Jubel Freu Freu. https://www.youtube.com/watch?v=VDQWyJcdKFw
P.S.: Meine Lieblingsmeldung war heute „Suchschiff vermisst“. Das Spezialschiff „Seabed Constructor“, das nach der vermissten Boeing der Malaysia Airlines sucht, war drei Tage lang vom Radar verschwunden.

Irgendwas ist immer - Zen mit Andy Bonetti

Ein Jünger kam zu Meister Bonetti.
„Meister“, sagte er mit gesenktem Haupt, „ich weiß nichts.“
„Dann wirft dieses Nichts von dir“, riet ihm der Meister.
„Wie kann ich ein Nichts fortwerfen?“ fragte der Jünger.
„Indem du schweigst.“
Der Jünger nickte und entfernte sich.
Ich kann Ihnen sagen: Seit Bonetti als Zen-Meister arbeitet, ist bei ihm die Hölle los. Hier einige andere Anekdoten:
Eine Frau fragte Meister Bonetti: „Kennst du den Weg?“ „Ja“, antwortete er und ging hinaus. Die Frau saß noch um Mitternacht auf ihrem Platz und wartete.
Ein Mann suchte den Meister auf und fragte ihn: „Was ist wichtiger: die Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft?“ Bonetti ging auf den Mann zu, kickte ihm mit dem Knie in die Familienjuwelen, setzte sich wieder und fragte: „Was war schlimmer: mich kommen zu sehen, der Schmerz oder die Erinnerung daran?" Der Mann war sprachlos und ging.
Ein Gelehrter trat vor Bonetti und sprach ihn an: „Sag mir deine Wahrheit.“ Der Meister sprach: „Für einmal will ich sprechen, so hört alle gut zu, aber erzählt es nicht weiter und behaltet es für euch: Da ist nichts.“
Ein Novize fragte den Meister: „Hat deine Schule Regeln?“ Bonetti nickte: „Ja, sie hat Regeln.“ „Und welche sind das?“ fragte der Jüngling weiter. „Ich kenne sie nicht“, antwortete Meister Bonetti.
Ein reicher Kaufmann kam zum Meister und fragte: „Wie kann ich den weltlichen Dingen entsagen und spirituelle Erfüllung finden?“ Bonetti antwortete: „Einigen gehört die ganze Welt, anderen nur ein Teil davon. Ich gebe dir meine Kontonummer.“
Kreisky – Veteranen der vertanen Chancen. https://www.youtube.com/watch?v=rd97tNthGZk

Donnerstag, 8. Februar 2018

Sachgrundlose Befristung

Wenn es um die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen geht, denken viele Menschen an Jobs in der Produktion oder im Service. Sie wissen gar nicht, dass sie mit ihren Rundfunkgebühren zum Elend der unsicheren Arbeitsplätze beitragen.
Ein Beispiel: Bei mir um die Ecke gibt es das ZDF. Es liegt einsam und sagenumwoben auf einem Hügel vor der Stadt Mainz, Kafkas Schloss lässt grüßen. Beim ZDF arbeiten – Außenstellen wie das Hauptstadtstudio in Berlin eingeschlossen – 3500 Festangestellte und 4200 sogenannte „feste Freie“. Sie haben Kettenverträge über bestimmte Zeitkontingente.
Ein Schulfreund aus Ingelheim ist jetzt seit über 25 Jahren auf dem Lerchenberg. Er muss vier Mal im Jahr einen neuen Arbeitsvertrag unterschreiben. Er hat einen ganz normalen Bürojob und macht die gleiche Arbeit wie die Festangestellten. Eine Freundin aus Mainz hat seit vielen Jahren eine Stelle als „feste Freie“. Zum Jahresbeginn ist ihr Arbeitszeitkontingent kommentarlos von 110 Tagen im Jahr auf 84 Tage zusammengestrichen worden. Sie lebt buchstäblich von der Hand in den Mund.
Insgesamt gibt es bei ARD, DLR, DW und ZDF 19.176 feste Freie (Stand: 2016). Wir finanzieren diesen Wahnsinn mit unseren Gebühren. Höchste Zeit, diesen Menschen endlich einen festen Arbeitsvertrag, die Chance auf eine Betriebsrente und eine Perspektive zu geben.

Der siebenfach gewundene Pfad der Erleuchtung

„Wer sucht, wird nichts finden, wer nicht sucht, wird auch nichts finden.“ (Andy Bonetti)
Meister Bonetti hat seine Jünger um sich versammelt, um ihnen das geistige Auge zu öffnen und das göttliche Licht zu zeigen. Er führt sie auf den Weg in den inneren Himmel, den Sitz der Güte und des Mitfühlens. Mit seiner Hilfe können sie ihren Geist verwandeln, sich von Zorn und Hass, von Neid und Ehrgeiz erlösen, um bereits im Diesseits das Nirwana zu erlangen. Bonettismus ist keine Philosophie im westlichen Sinne, daher spricht der Meister auch nur in Gleichnissen.
Einmal kam ein Jünger zu Meister Bonetti und wünschte zu erfahren, wo der Eingang zum Pfad der Wahrheit wäre. Bonetti lächelte und sprach: „Hörst du das Rauschen der Toilettenspülung. Dort ist der Eingang.“
Ein anderes Mal fragte ein Jünger: „Meister, was ist das Geräusch einer einzelnen Hand, die klatscht?“ „Ganz einfach“, antwortete Bonetti, „es macht Klatsch.“ Der Jünger sah ihn verblüfft an. „Das verstehe ich nicht, Meister.“ Da haute ihm Bonetti eine runter. Mit einer Hand. Und es machte Klatsch. Da verstand der Jünger.
Bonetti hielt im Kreise seiner Jünger ein Glas in die Höhe. „Dieses Glas hat mir Meister Pralinski vom Nebelberg geschenkt. Er hat immer Wasser aus einer Quelle geschöpft und es aus diesem Glas Wasser getrunken. Ich aber trinke Bier aus diesem Glas. Ist es ein Wasserglas oder ein Bierglas?“ Die Jünger dachten nach und schwiegen. Dann begannen sie zu diskutieren. Nachdem sie eine Stunde lang zu keiner Antwort gekommen waren, zerschlug Meister Bonetti das Glas.
Ein Mann kam zu Bonetti, warf sich vor ihm auf den Boden und bat: „Lehre mich die Wahrheit.“ Bonetti reagierte nicht, daraufhin fragte der Mann: „Wo finde ich die Erleuchtung?“ Als er wieder keine Antwort bekam, flehte er den Meister an: „Ist das Leben den wirklich so leer?“ Bonetti schüttelte den Kopf. Der Mann stand auf und ging. Später sagte Bonetti zu seinen Jüngern: „Ich rede zu viel.“
Der wahre Jünger Bonettis hält seinen Mund geschlossen, bis Moos auf ihm wächst, er ist gelassen und ruhig wie ein erloschenes Räucherstäbchen in einem verlassenen Heiligtum, er sammelt in aller Demut Spenden und verkauft die Schriften des Meisters an Bahnhöfen und in Flughäfen.
Eruption - One Way Ticket. https://www.youtube.com/watch?v=D4y_acTR0MY

Andy Bonetti: „Selbstwerdung – vom zersplitterten Ich zum ganzen Kerl in sieben (nicht immer ganz so) einfachen Schritten.“ Jetzt in Ihrer Fußgängerzone. Achten Sie auf den Mönch mit den riesigen Clownschuhen und dem Sombrero. Liebe Freunde der gepflegten Transzendenz! Greifen Sie beherzt zu! Dieses Buch wird Ihr Leben verändern. Nur für kurze Zeit.

Mittwoch, 7. Februar 2018

Kiezschreiber Spezial

Seehofer wird Polizeiminister und Heimatmuseum.

Andrea Nahles, die vorgestern noch mit "Andrea - Schicksalsjahre einer Schreierin" im Mittelpunkt des Blogs stand, wird SPD-Vorsitzende.
Schulz wird als Außendienstmitarbeiter bei Wind und Wetter Klinken putzen müssen.
Die CSU bleibt für die Digitalisierung zuständig. Kupferaktien stark nachgefragt.
Flinten-Uschi bleibt Bundeswehrchefin. Die Bewaffnung wird endgültig auf Platzpatronen umgestellt.
Ein Sozi wird Finanzminister. Die Maastricht-Kriterien werden nicht mehr eingehalten.
Andy Bonetti wird Literaturpapst im Ministerrang.
Merkel bleibt Kanzlerin. Motto der Legislaturperiode: Es kracht und zischt - passieren wird nischt.

Der Hunger bittet zum Diktat

Wir schreiben das Jahr 1 nach Kohl. Niemand spricht mehr über Saumagen. Das Land ist im dreizehnten Jahr in der Geiselhaft einer Frau, deren Lieblingsgericht wir nicht kennen. Sicher irgendwas Langweiliges ohne Geschmack und ohne Gewürze.
Das Croissant ist jetzt oft in den Nachrichten, der Donut sowieso. Daneben gibt es Kimchi und Bagel vs. Baklava. Bei uns dreht sich alles um die Frage, ob der Schokoladenkuchen mit dem Erdbeerkuchen gemeinsame Sache macht.
P.S.: Dieser Text entstand im Traum bei einem Nickerchen nach dem Mittagessen. Es hatte ein Linsengericht gegeben, wie es sich für einen darbenden Künstler gehört.
P.P.S.: In Interviews ist Frau Merkel übrigens variabel. Mal sind Königsberger Klopse ihr Leibgericht, mal Spaghetti Bolognese oder Rinderrouladen.
Moby - Why Does My Heart Feel So Bad? https://www.youtube.com/watch?v=1AHs7uAV1mA

Die Reise

Ich war auf meiner Wanderschaft tief in einen Wald geraten und hatte die Orientierung verloren. Die Sonne ging unter und die Farben wurden schwächer, bis die Bäume schließlich ganz mit der Dunkelheit des Himmels verschmolzen. Ich setzte mich unter einer Tanne und war gerade eingeschlafen, als mich der Schrei einer Eule weckte. Vor mir stand im fahlen Mondlicht eine schemenhafte Gestalt. Ohne ein Wort zu sagen, ging sie durch den Wald davon. Ich überlegte nicht lange und folgte ihr. Nach einer Weile kamen wir an einen Fluss. Dort lag eine Barke. Die Gestalt, die mit einem langen Kapuzenmantel bekleidet war und sich auf einen Wanderstab stützte, deutete auf das Boot und verschwand im Nebel des Ufers. Ich war der festen Überzeugung, dass mich auf der anderen Seite des Flusses das Jenseits erwartet. Ich ruderte hinüber. Es war totenstill. Ich hatte das Gefühl, allein auf der Welt zu sein. Am gegenüberliegenden Ufer sah ich schließlich ein Licht. So kam ich nach Mannheim.
Toni Mahoni. https://www.youtube.com/watch?v=PZGOfwQge54

Dienstag, 6. Februar 2018

Was der Großvater schon wusste

Ich lese gerade „Gegengifte – die organisierte Unverantwortlichkeit“ von Ulrich Beck aus dem Jahr 1988. Ich habe es damals aufmerksam gelesen, was ich an den vielen Anstreichungen erkenne. In einem Satz tauchen meine drei Studienfächer auf:
„Leben und Handeln in der Risikogesellschaft sind im strengen Sinne des Wortes kafkaesk geworden – wenn dieser Begriff die real erlebbaren absurden Situationen des einzelnen in einer totalitären, für ihn undurchschaubaren, labyrinthischen Welt bezeichnet, die durch kein anderes Wort zu charakterisieren sind und für die weder Politologie und Soziologie noch Psychologie einen Schlüssel liefern.“ (S. 101)
Noch ein Zitat gefällig?
„Die Hektik wächst mit dem Bruttosozialprodukt und mit ihr das Bedürfnis nach Ausstieg aus der Hektik – am Abend, am Wochenende, im Urlaub oder in der Lebensmitte. Überall, wo man der Hektik zu entfliehen versucht, tut man dies mit den Mitteln der Hektik: Freizeitindustrie, Tourismusindustrie, Autobahnen, Skilifte usw., die die Technik selbst in die letzten Reservate von ‚Natur‘ (gleich Anti-Hektik) hineinplanieren, wodurch der Wunsch in seiner Erfüllung und durch seine materielle Erfüllbarkeit für immer breitere Bevölkerungskreise sich selbst untergräbt und begräbt.“ (S. 91)
Genesis - Dancing with the Moonlit Knight. https://www.youtube.com/watch?v=HKIkzGGAG9s&feature=share

Die falsche Frage

„Welcher Begriff wäre törichter als der des Fortschritts, da doch der Mensch, wie jeder Tag aufs Neue beweist, immer dem Menschen ähnlich und gleich, das heißt immer ein Wilder bleibt. Was bedeuten die Gefahren des Waldes und der Steppe neben den sich täglich wiederholenden Zusammenstößen und Auseinandersetzungen der Zivilisation?“ (Charles Baudelaire)
Häufig wird in den Medien und im Netz die Frage diskutiert, wie viele Menschen auf der Erde leben können. Das ist die falsche Frage. Die richtige Frage lautet: Welche Bedürfnisse hat der Mensch? Er muss zunächst mal essen und trinken. Wenn ihm frisches, sauberes Wasser reicht und pflanzliche Kost, können sehr viel mehr Menschen auf der Erde leben, als wir denken. Wollen wir alle Fleisch essen, Auto fahren und Urlaub auf Mallorca machen, wollen wir alle – kurz gesagt – das falsche Leben der Deutschen und der Amerikaner führen, ist die Kapazitätsgrenze längst erreicht. Die Erde trägt und erträgt uns nicht mehr, Sie und mich eingeschlossen. Was brauchen wir, um leben zu können? Die Frage wird in dieser Debatte nur selten gestellt. Stattdessen hantiert jeder mit Zahlen herum, zehn Milliarden, elf Milliarden. Als ob es so einfach wäre.
N.W.A. - Express Yourself. https://www.youtube.com/watch?v=u31FO_4d9TY

Montag, 5. Februar 2018

Jemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen

Helfen Sie mit! Spenden Sie! Bonetti Real Estate möchte in Berlin eine Mauer errichten. Raus aus den Köpfen, rein in die Stadt. Wir brauchen die Mauer wieder!
Hintergrund dieser Aktion ist folgender Sachverhalt: Die Medien melden allenthalben, heute sei der Tag, an dem die Mauer genauso lange weg ist wie sie gestanden hat. Gleichstand quasi. Warum das ein Thema ist, weiß ich nicht. Jedenfalls war sie am 9.11.1989 nicht sofort weg, aber man hat sie an einigen Stellen geöffnet. Man hat also Türen in die Mauer gemacht, obwohl es ja auch vorher schon Grenzübergänge gegeben hat, aber das wird jetzt zu kompliziert. Das verstehen insbesondere die jungen Leser dieses Blogs nicht, die natürlich zu Recht fragen werden: Wenn ihr Alten eine schöne solide Mauer hattet und mit Türen drin und so – warum habt ihr nicht einfach ein Dach drüber gemacht, dann hättet ihr doch ein Haus gehabt? Da haben die jungen Leser gar nicht mal so Unrecht. Wir haben damals die einmalige Chance verpasst, West-Berlin zu überdachen. Gerade bei dem Scheißwetter diesen Winter! Und im Sommer immer diese saublöde Hitze. Vom Wind gar nicht zu reden. Nie mehr umfallende Bäume durch Orkane. Aber das hat natürlich der dämliche Kohl verbockt. Der hat nicht nachgedacht und die Mauer gleich abreißen lassen. Heute würden wir so eine Mauer gar nicht mehr schaffen. Solche Bauprojekte können wir 2018 doch überhaupt nicht mehr stemmen. Damals, 1961, hat man die Mauer in wenigen Tagen hochgezogen. Heute bekommen wir eine schlichte Abfertigungshalle an einem Flughafen nicht mehr hin, wo man sein Gepäck aufgibt und sein Flugticket in die Hand gedrückt bekommt. Es war nicht alles schlecht am Sozialismus. Mauern konnten die Arbeiter und Bauern. Scheiß doch die Wand an, das konnten sie echt gut.

Andrea – Schicksalsjahre einer Schreierin


Blogstuff 191
„Und dies mag man sagen vom Menschen – wenn Theorien sich ändern und zusammenbrechen, wenn Schulen, Philosophien, wenn enge dunkle Wege des nationalen, religiösen, ökonomischen Denkens wachsen und zerfallen, greift und strauchelt der Mensch vorwärts, unter Schmerzen manchmal und umsonst. Wenn er vorwärts geschritten ist, mag er zurückgleiten, aber nur einen halben Schritt, niemals den ganzen.“ (John Steinbeck: Früchte des Zorns)
Was wird die wichtigste Erfindung des 21. Jahrhunderts sein? Der Replikator, das Holo-Deck oder die Warp-Technologie? Mein Bauch sagt Replikator, da ich gerne esse, aber nicht gerne koche. Mein Herz und mein fauler Arsch sagen Holo-Deck, da ich alle meine Phantasien ausleben könnte, ohne das Haus zu verlassen. Aber mal im Ernst: Recht hat natürlich der Verstand, der die Warp-Technologie verlangt, damit wir rechtzeitig ein paar neue Planeten zum Besiedeln und Kaputtmachen finden können.
Am Fenster saßen vier Hühner, am Tresen ein Schwein, das ständig zu ihnen hinübersah. Ganz in der Ecke war ein Esel. Draußen fuhren langsam die Bullen vorbei. Da betrat ein Gorilla die Kneipe (Fragment)
Wer ist der schlimmste Endgegner in einer öffentlichen Debatte, sagen wir mal in einem Regionalzug oder einem Supermarkt? Es ist nicht der radikale Salafist oder der durchgeknallte AfD-Wähler. Es ist die Studienrätin im Ruhestand.
Warum gibt es keine moderne Höhlenmalerei?
„Diese aalglatten Medienfressen, diese polierten Porzellanvisagen im Fernsehen regen mich total auf. Jedes neugeborene Baby hat mehr Falten als eine Nachrichtensprecherin oder ein Hollywoodschauspieler. Die Gesichter sind so faltenlos und ausdruckslos, als wären sie noch nie benutzt worden.“ (Henry Slowfish: How to hurt the pain)
Da lobe ich mir die fränkische Fleischlandschaft vom Egersdörfer:

Der Begriff Massenvernichtungswaffen ist viel zu eng gefasst. Wie viele Menschen wurden Opfer des amerikanischen Hamburgers, der italienischen Pizza, der deutschen Bratwurst, der belgischen Fritten und der Schweizer Schokolade? Wie viele von ihnen starben an einem tödlichen Cocktail all dieser Fett- und Zuckerbomben?
Ich sehe das riesige Gesicht mit der Hakennase vor mir. Links und rechts sind gewaltige Flügel aufgespannt. Es geht nicht um meine Schuld, es geht um meine Strafe. (Traum)
Was mich letztlich zusammenhält, ist mein Spezialgürtel: der Wanstbändiger 3000. Ansonsten würde ich hier vor dem Computer liegen wie Jabba the Hutt.
Der 1. FC Kaiserslautern ist in der zweiten Liga in sportlichen und finanziellen Schwierigkeiten. Jetzt wird ernsthaft über eine „FCK-Steuer“ in der Stadt diskutiert, damit der Verein „gerettet“ werden kann. Warum verzichten die Bonzen in kurzen Hosen, die beim FCK angestellt sind, nicht ein Jahr lang auf die Hälfte ihrer üppigen Gehälter? Und der Vorstand auch? Aber das ist kein Thema.
Es sind nicht nur zu viele Informationen, wir lassen sie auch zu nah an uns heran. Deswegen sind so viele Menschen unentspannt.
P.S.: Im Artikel „Blogstuff 17“ aus dem Jahr 2014 wurde ein erhöhter Anteil an Kalauerol und Ironie 605 festgestellt. Leser dieses Textes werden gebeten, sich von ihrem Hausarzt untersuchen zu lassen. Männlichen Lesern empfiehlt unser Sponsor Gummihandschuh-Müller außerdem eine Prostata-Untersuchung.
Knorkator – Makellos. https://www.youtube.com/watch?v=R6UcFnjEVpw

Sonntag, 4. Februar 2018

Himmel & Hölle

„Ich erwarte nichts. Wenn du was erwartest im Leben, bis du sowieso schon angeschissen.“ (Rolf Zacher)
In der Hölle steht ein Fernseher. Man kann nur ein einziges Programm sehen: das Leben im Paradies.
Ich muss Ihnen sagen: So toll ist das Leben im Paradies gar nicht.
Chicane - Saltwater. https://www.youtube.com/watch?v=ET1-6Bef9xU

Herein, herein, wenn’s kein Schneider ist

„Früher war der Mensch Herr seines Wissens. Jetzt ist das Wissen sein Herr.“ (John Steinbeck)
Ich habe meine Strategie inzwischen radikal geändert. Jeder kann meine Daten haben. Ich lösche auch nicht mehr den Browser-Verlauf oder die Cookies. Wozu diese Abwehrhaltung? Hereinspaziert, kommen Sie, meine Damen, meine Herren! Es ist offen. Vierundzwanzig Stunden am Tag. Sie wollen mir ein Auto verkaufen? Aber gerne. Ich habe kein Geld und kann nicht Auto fahren. Ballern Sie mich mit Werbung zu! Legen sie mir Ihre Argumente zu Füßen. Es ist Ihre Zeit. Ihre Energie. Sie sehen mich auf einem Kreuzfahrtschiff? Sie machen sich Sorgen um meine Rente? Herein, herein.
Es waren die dunklen Zeiten der Analogie, die mich auf diese Idee gebracht haben. Damals gab es die DVU, die NPD und die Republikaner. Was habe ich gemacht? Ich habe diese Parteien angeschrieben und mich als glühender Anhänger ihrer Ideen geoutet. Ich wollte mehr wissen. Sie sollten mir Info-Material schicken. Flyer, Broschüren, Aufkleber, Schallplatten mit der deutschen Nationalhymne. Auch für meine viele Freunde.
Kisten kamen. Viele Kisten im Laufe der Jahre. Frisches Altpapier. Es hat die Rechtsradikalen Geld und Arbeit gekostet, mir ihren Müll zu schicken. So sehe ich es auch heute noch. Ich wehre mich nicht, ich lasse sie kommen. Denken Sie bitte daran, wenn Sie den nächsten Wahlstand der AfD sehen. Gehen Sie nicht vorbei! Sprechen Sie mit dem parlamentarischen Arm des Neofaschismus. Aber bitte freundlich und verständnisvoll. Die Zeit fehlt den Rechten später, um den nächsten Frührentner um den Finger zu wickeln.
P.S.: Der Schneider war in längst vergangenen Zeiten gefürchtet, als man seine Klamotten noch auf Pump schneidern ließ. Der Mann kam irgendwann mit der Rechnung und man ließ sich vom Personal verleugnen, wenn er vor der Tür stand.
Grace Jones - I've Seen That Face Before (Libertango). https://www.youtube.com/watch?v=nIN3IE3DHqc

Samstag, 3. Februar 2018

Die Wahrheit über die wilden Siebziger


Das Vorzimmer von Iron Maiden.

Filterblasen und Sprechblasen

„Ich begreife nicht, dass eine Hand eine Zeitung berühren kann, ohne Krämpfe von Ekel zu bekommen.“ (Charles Baudelaire)
Liegt es an der Ruhe des Landlebens, liegt es an der Gelassenheit des Alters? Aber an manchen Tage denke ich: Eigentlich hat sich gar nicht so viel geändert. Damals hatten wir Kohl, der in seinem ganzen Leben nicht eine Rede gehalten hat, und das sage ich in aller Entschiedenheit, liebe Parteifreunde, die mich vom Hocker gerissen hat. Heute haben wir Merkel, denn Kontinuität und Verlässlichkeit geben den Menschen im Lande ein wichtiges Signal, meine Damen und Herren – und nix wurde besser.
Ein Modewort unserer Zeit ist die Filterblase, in der wir alle angeblich leben. Jeder liest nur das, was er gerne hören möchte und was ihn in seiner Einschätzung bestätigt. Das war in meiner Jugend, als es noch kein Internet und keine sozialen Medien gab, aber nicht anders. Man benutzte nur andere Begriffe. Beispielsweise Milieu. Der Arbeiter wählte SPD, der Bauer CDU und der Zahnarzt FDP. Als ich mich von meiner Kindheit, die ich mit MAD, ZACK und Asterix verbracht hatte, zum Jugendlichen upgegradet hatte, las ich die taz und die Titanic.
Ich begann als Anarchist und schnurrbarttragender Drum-Tabak-Konsument, wählte in den achtziger und neunziger Jahren die Grünen und kaufte explizit die Tageszeitung aus Berlin, die mit dem Vorsatz gegründet wurde, dass auch der linke Bürger beim Frühstück endlich seine eigene Zeitung lesen kann. Einmal mit Humor, einmal ohne Humor, Titanic und taz erklärten mir die Welt, wie ich sie gerne sah. Kohl ist doof, Deutschland ist Scheiße und BILD-Leser sind Schwachköpfe, die auf das Vierte Reich warten.
Jetzt besteht das Brett vor dem Kopf eben aus Einsen und Nullen. „Na und?“ (Alfred E. Neumann) Liebe Delegierte und liebe Gäste, ich werde jetzt zum Schluss kommen, ich bin der festen Überzeugung, damit wir auch in Zukunft und das halte ich für sehr wichtig. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
FIDLAR - Wake Bake Skate. https://www.youtube.com/watch?v=baAfrsyeSts

Freitag, 2. Februar 2018

Gastautor: Charlie Chan

Spider did not spin web for a single fly.
Mind like parachute - only function when open.
Question without answer like faraway water - no good for nearby fire.
One grain of luck sometimes worth more than whole rice field of wisdom.
Very wise to know way out before going in.
Cannot tell where path lead until reach end of road.
If strength were all, tiger would not fear scorpion.

Gespräch mit Gott

Bonetti: Warum überschüttest du mich mit deiner unendlichen und bedingungslosen Liebe, obwohl ich den ganzen Tag in Unterhosen vor dem Computer sitze, Schokolade esse und die Welt mit meinen drittklassigen Witzen nerve?
Gott: Weil ich dich so geschaffen habe, Andy. Als Prüfung für die Menschheit, als Vorbild für alle geldgeilen Workaholics mit Waschbrettbauch, die ich nicht in meine Chillout-Zone namens Himmel lassen werde, und als Inspiration für deine Leser.

Post von Andy Wagner

Nicht die menschliche Boshaftigkeit macht mir Angst, nicht die Gier und die Aggression. Nein, die menschliche Dummheit macht mir Angst.
Beispiel Klimawandel: Was wissen wir über das Klima? Die Wettervorhersage ist für den nächsten Tag genau, für die nächste Woche und den nächsten Monat taugt sie nichts. Wir kennen das komplexe Gebiet des Weltklimas eigentlich nicht.
Beispiel Spezialdemokraten und andere Wortakrobaten: Was wissen sie über die Bedürfnisse der kleinen Leute? Spricht der kleine Mann von der Straße mit seiner kleinen Frau in der kleinen Eckkneipe bei einem kleinen Bier wirklich über die Vereinigten Staaten von Europa und die Gebührenordnung der Fachärzte?
Wir sind zu blöd. Wir wissen nichts.
Die geistige Armut ist das größte Problem der Menschheit.
Herzlichst
Ihr Andy Wagner
Tom Tom Club - Genius of Love. https://www.youtube.com/watch?v=ECiMhe4E0pI

Donnerstag, 1. Februar 2018

Hier lacht der Cineast

Finde den Fehler!
Jacks Blick: Unbezahlbar.

Warum sind digitale Agenten … äh: Assistenten weiblich?

„Alexa, warum bist du eine Frau?“
„Ich kann die Antwort auf deine Frage nicht finden.“
(Marie Kilg: Siri, ficken? TAZ 15.5.2017)
Wir leben im 21. Jahrhundert, reproduzieren aber die Rollenmuster der letzten zehntausend oder hunderttausend Jahre. Alexa, Siri, Cortana – es sind Frauenstimmen, die unsere Befehle ausführen.
Die Begründung der Unternehmen, nach einer intensiven mehrminütigen Recherche exklusiv für Sie zusammengestellt:
1. Frauen waren immer die Sekretärin – ein sogenanntes Totschlagargument der Ewiggestrigen bzw. eine „Killerphrase“: „Haben wir schon immer so gemacht“ oder „Sind wir so gewöhnt“. BULLSHIT !!!
2. Frauenstimmen klingen freundlicher. Wärmer. Angenehmer. Isch kenn Frauen …
3. Frauenstimmen sind besser zu verstehen. WHAT ???
4. Sie sollen uns die Angst vor KI und der weiteren technischen Okkupation unserer Privatsphäre nehmen. Männer freuen sich, wenn sie gegenüber einer „Frau“ den Chef spielen können. Dann kann die selbstgekaufte Wanze ja nicht gefährlich sein. Jetzt wird es hässlich …
Zumindest Alexa soll nun feministischer werden: http://winfuture.de/news,101569.html

Aufregung

Reg dich nicht auf, sage ich mir, als der Wecker klingelt, obwohl in meiner Welt noch ewige Finsternis herrscht. Reg dich nicht auf, sage ich mir, als ich durch den kalten Regen zur Bahnstation gehe. Reg dich nicht auf, sage ich mir, als ich auf dem Bahnsteig warte. Reg dich nicht auf, sage ich mir, als ich mich in die vollbesetzte S-Bahn quetsche. Reg dich nicht auf, sage ich mir, als ich die Treppe zum Büro nehmen muss, weil der Aufzug nicht funktioniert. Reg dich nicht auf, sage ich mir, als mir mein chronisch gut gelaunter Kollege von seinem Abend in der Bar und den Fußballergebnissen erzählt. Reg dich nicht auf, sage ich mir, als ich die vierzig Mails auf meinem Computer durchgehe. Reg dich nicht auf, sage ich mir, als mich mein Chef in sein Büro ruft. Reg dich nicht auf, sage ich mir, als er mir erklärt, ich müsse in der nächsten Woche dienstlich nach Helgoland. Reg dich nicht auf, sage ich mir, als ich in der Kantine Blumenkohlauflauf und paniertes Seelachsfilet zur Auswahl habe. Reg dich nicht auf, sage ich mir, als meine Ex-Frau anruft und mir wegen ausbleibender Alimente mit ihrem Anwalt droht. Reg dich nicht auf, sage ich mir, als ich nach Hause fahre. Reg dich nicht auf. Reg dich nicht auf. Reg dich nicht auf. Aber ich rege mich auf.
Focus - Hocus Pocus. https://www.youtube.com/watch?v=MV0F_XiR48Q