Dienstag, 10. April 2018

Digitale Nacht

„Vergangenheit ist kein Geheimnis mehr, die Gegenwart ist dünn, weil sie abgetragen wird von Tag zu Tag, und die Zukunft heißt Altern.“ (Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein)
Fünf Monate war ich auf meinem Zauberberg im Hunsrück. Ich habe die Stille und die gute Luft genossen, jetzt geht es in den tosenden Lärm der Großstadt mit seinen todbringenden Miasmen, denen offenbar nur mit Fahrverboten beizukommen ist.

Meinen schwachen Nerven ist diese Zumutung, die das Leben in der pulsierenden Metropole™ für einen empfindsamen Geist darstellt, nur erträglich, wenn ich in dieser Zeit auf das infame Inferno der Informationen verzichte, mit denen uns die Geißel der Menschheit quält, jene Hydra, die uns via Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet Ängste in den Kopf setzt und sich von diesen Ängsten ernährt wie ein Vampir.

Für einen Monat verschwinde ich also in die digitale Nacht. Ich werde nicht online sein und mein uraltes Handy sendet auch kein GPS-Signal. Wo bin ich? Ich will es selbst nicht wissen. Wenn alles gut geht, melde ich mich wieder. Falls Sie nichts mehr von mir hören sollten, habe ich mein Leben grundlegend geändert.
Ich wünsche Ihnen, liebe Lesende, wie stets nur das Allerbeste.
The Comedian Harmonist - Irgendwo Auf Der Welt. https://www.youtube.com/watch?v=iaoSiklAXiU

Ein überraschendes Ende

„Nach innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft.“ (Novalis)
Es war schon Mitternacht, als ich beschloss, mir noch ein paar eiskalte Dosen Bier zu spendieren. Ich war gerade auf dem Weg zur Tankstelle, als ich aus einem dunklen Hauseingang angesprochen wurde.
„Darf ich Sie mal was fragen?“
„Ich habe kein Geld“, antwortete ich genervt und durstig, und obwohl es sich um eine Lüge handelte, empfand ich keinerlei Reue.
„Was ist Geld?“ fragte die Stimme.
„Woher kommen Sie?“ fragte ich zurück. Die Stimme hatte einen merkwürdigen Akzent, vermutlich ein Ausländer. Offensichtlich kein Bettler, sondern ein Tourist. Die wollen Informationen, kein Geld.
„Von sehr weit her.“
„Um was geht’s denn?“ fragte ich ungeduldig.
„Was sollte man sich an diesem Ort anschauen? Was meinen Sie?“
„Fangen Sie mit dem Reichstag an“, sagte ich. „Dann gehen Sie durch das Brandenburger Tor und Unter den Linden bis zum Alex.“
Im Hauseingang leuchtete ein kleines rundes Display auf. Die Stimme studierte vermutlich eine Karte.
„Kann ich diesen Reichstag haben? Er sieht sehr alt aus.“
Was? Der Typ war ein echter Spaßvogel. Aber das kann ich auch. „Na klar. Ich verkaufe Ihnen den Reichstag für eine Million Euro. Haben Sie so viel Geld in bar einstecken?“
„Was ist Geld?“
Ach so, das hatte ich ganz vergessen. „Kein Problem. Wissen Sie was, ich schenke Ihnen den Reichstag. Aber Sie können ihn erst morgen Vormittag um elf Uhr mitnehmen.“
Ich wusste, dass zu diesem Zeitpunkt der gesamte Bundestag und die Regierung dort versammelt waren, um einer Rede der Bundeskanzlerin zu lauschen.
„Das ist sehr nett von Ihnen. Kann ich Ihnen als kleines Dankeschön auch etwas schenken?“
„Klar. Wie wäre es mit einem Sixpack?“
„Was ist ein Sixpack?“
„Vergessen Sie’s. Schönen Abend noch.“
Da reichte mir eine dürre Hand mit sehr vielen Fingern einen Beutel. Ich nahm ihn und ging.
Was soll ich sagen? Am nächsten Tag um elf Uhr verschwand der Reichstag. Merkel war weg. Seehofer, Nahles und die AfD - alle weg. Einfach weg. Das ganze Raumschiff Berlin war ins Weltall verschwunden.
Im Beutel des Besuchers aus einer anderen Welt waren kleine Kekse, die nicht nur besoffen machten, sondern auch schön und schlank. Sie regen mich bis heute zu meinen Erzählungen an. Möge der Beutel niemals leer werden.
The Police - Too Much Information. https://www.youtube.com/watch?v=jUwd737mioM

Montag, 9. April 2018

Exklusiv: Was in der Wohnung des Amokläufers gefunden wurde

Die Polizei hat die Wohnung des Amokläufers von Münster folgende Gegenstände gefunden bzw. nicht gefunden, die Rückschlüsse auf die Motivation des Täters zulassen:
„Wenn der Lieferfahrer nicht mehr klingelt“, das neue Buch von Andy Bonetti. Vermutlich wird in den nächsten Minuten die Kiezschreiber-Redaktion von der GSG 9 gestürmt.

Eine Flasche Wodka. War klar gewesen. Die Russen stecken dahinter.
    Eine Tüte Haribo Colorado. Haben die Zuckermafia oder die CIA den Täter manipuliert?
      Ein stark zerlesenes Exemplar des „Wachturm“. Also doch ein religiöses Motiv?
        Ein Manifest, geschrieben auf der Rückseite eines Bierdeckels: „Die Gesellschaft ist an allem Schuld“. Müssen wir über die soziale Kälte® in Deutschland reden?
          Eine DVD von „Aladdin“. Ein Bekenntnis zum IS?
            Im Kühlschrank fanden sich weder Schinken noch Wurst. Sind Vegetarier grundsätzlich als Gefährder einzustufen?
              Nirgendwo war das Parteiprogramm der CDU. Merkel ist wieder fein raus.



              Wie Münchhausen den Krieg gewann

              „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (Bibel: 1 Kor 15, 55)
              Bald ist es dreißig Jahre her, dass die Berliner Mauer fiel, und manch einer kann sich gar nicht mehr an den Kalten Krieg erinnern, oder er ist zu jung, um es selbst erlebt zu haben.
              Ost und West standen sich vierzig Jahre unerbittlich in diesem Krieg gegenüber. Aber die Bataillone, die in diesen Jahren täglich in die Schlacht zogen, trugen keine Waffen. Es war ein Krieg der Worte und der Bilder, es war in erster Linie ein Propagandakrieg, da man sich scheute, die fürchterlichen atomaren Vernichtungswaffen zum Einsatz zu bringen. Wer macht die beste Werbung für seine Lebensweise, für seine Gesellschaftsform? Der Westen hat diesen Kampf gewonnen. Die Marktwirtschaft als Meisterin der Selbstvermarktung.
              Wie immer, wenn es um Reklame, um Propaganda geht, müssen wir von der Lüge sprechen. Die Frage lautet also präzise: Wer hat besser gelogen? Vergleichen wir nur mal die Presse, das Fernsehen und das Radio in der BRD und der DDR. Die Produktwerbung im Westen war viel verführerischer als im Osten. Die Filmkulissen waren schöner. Die Schokolade und das Schnitzel schienen in Frankfurt am Main besser zu schmecken als in Frankfurt an der Oder. Die Verheißungen und Verlockungen des Westens weckten Begierden im Osten, umgekehrt funktionierte das überhaupt nicht.
              Die Schutzmacht des Westens – Uncle Sam, der große Bruder – war einfach sexy: Coca-Cola, Hollywood, Rock’n Roll, Jeans, Cheeseburger und elegante Limousinen. Alles, was aus den USA kam, wurde blind verehrt und nachgeäfft. Die Schutzmacht des Ostens – Onkel Wanja, die Sowjetunion – war bestenfalls langweilig, aber eigentlich bedrohlich und hässlich zugleich. Soljanka, Archipel Gulag, Wodka und Mangelwirtschaft. Ein Schwarz-Weiß-Film, der keinerlei kulturellen Einfluss auf Europa hatte.
              Und so kam es, dass der Osten den verlogenen Schmeicheleien des Westens erlegen ist. Der Wolf hatte Kreide gefressen und als die sieben Geißlein die Tür geöffnet haben, war es zu spät. Sie erkannten, dass es den ganzen Luxus im Westen tatsächlich gab, aber nicht für jeden. Jetzt hatten sie zwar Reisefreiheit, aber kein Geld, um nach Italien zu fliegen. Jetzt gab es Kaffee und Bananen in Hülle und Fülle, aber keine Garantie, sich alles leisten zu können.
              Die Sicherheit ihres Lebens im Osten hatten sie aufgegeben für einen Platz am Roulettetisch des Casinokapitalismus. Werde ich morgen noch Arbeit haben? Wie wird es meinen Kindern einmal gehen? Die Wahlen zum Bundestag sind wie die Wahlen zur Volkskammer: man darf zwischen identischen Blockflöten auswählen. Die Überwachung des Privatlebens funktioniert dank „westlicher Technologie“ wie zu den besten Stasi-Zeiten. Die Freiheit wird – aus Gründen der Sicherheit (das „Supergrundrecht“ laut CSU), wegen der Gefahr des Terrorismus, der neuen Propagandakeule – immer weiter eingeschränkt.
              Die Propagandaschlachten von einst sind geschlagen. Es gibt keine Alternative mehr. Wir sitzen in der Falle. Der Weg zurück ist versperrt. Nur wenige Jahrzehnte später, geprägt durch die tägliche, ununterbrochene Gehirnwäsche der Medien, der Reklame und der Politik, kann man sich ein anderes Leben gar nicht mehr vorstellen. Der Wolf kann sich derweil den Kapitaleinsatz für die Kreide sparen. Die Geschichte wird erst in eine neue Phase treten, wenn alle sieben Geißlein verschlungen und verdaut sind.
              The Brothers Johnson - Stomp! https://www.youtube.com/watch?v=tPBDMihPRJA

              Sonntag, 8. April 2018

              Wie die Medien Terror definieren

              Wenn ein arischer Christ in eine Menschenmenge rast und sich anschließend erschießt, ist es kein Terror.
              Wenn ein Muslim mit Migrationshintergrund dasselbe tut, ist es Terror.
              Wenn auch nur der Verdacht besteht, die Russen könnten in einem anderen Land einen Mordversuch unternommen haben, ist es Terror.
              Wenn die Amerikaner jeden Tag mit ihren Drohnen die Bürger anderer Länder ermorden, ist es kein Terror.

              Typologie des Restaurantbesuchers

              „Ich halte nichts vom Recht des Menschen auf Arbeit; ich halte es lieber für das größte Recht des Menschen, nichts zu tun.“ (Gioacchino Rossini)
              Sie sagen mir, was Sie am liebsten im Restaurant bestellen, und ich sage Ihnen, welcher Typ Sie sind:
              Jägerschnitzel: Der Jägerschnitzel-Esser ist ein ausgesprochener Erfolgsmensch und sehr unkompliziert.
              Pizza: Auf den Pizza-Esser kann man sich verlassen, er ist ein Genussmensch, der seine Liebsten gerne mit einem Stück seiner Speciale oder Diavolo verwöhnt.
              Gyros: Der Gyros-Esser ist körperlich und geistig immer in Bewegung, er ist neugierig und sehr kommunikativ.
              Bami Goreng: Der Bami-Esser ist ein gefühlvoller Mensch und daher als Tischgenosse sehr beliebt.
              Tandoori Chicken: Der Tandoori-Esser ist ein stolzer Mensch, der gerne im Mittelpunkt steht, aber auch ein großes Organisationstalent besitzt.
              Spaghetti Bolognese: Spaghetti-Esser sind schüchtern und bescheiden, aufgrund ihrer offenen Art können sie aber auch schnell Kontakte knüpfen.
              Burrito: Der Burrito-Esser braucht Harmonie und Ausgewogenheit, Streit mag er nicht, Geselligkeit hingegen sehr.
              Rumpsteak: Der Rumpsteak-Esser strotzt vor Energie, was ihn beruflich sehr erfolgreich macht und auf das andere Geschlecht anziehend wirkt.
              Kaiserschmarrn: Der Kaiserschmarrn-Esser sprüht vor Freude und Optimismus, er liebt seine Freiheit, aber auch neue Herausforderungen.
              Peking-Ente: Der Enten-Esser arbeitet hart und erlaubt es sich erst zu entspannen, wenn er sein Ziel erreicht hat.
              Cheeseburger: Der Cheeseburger-Esser ist erfinderisch und originell, er ist freundlich und hilfsbereit.
              Thai-Curry: Der Curry-Esser verfügt über eine gute Intuition, leider wird er häufig von anderen Menschen ausgenutzt.
              Melt Downer - Back Down For The People Of The Past. https://www.youtube.com/watch?v=qBN_apIfY94


              Samstag, 7. April 2018

              Der Garten erwacht





              Nur mal angenommen

              „Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt; die Wahrheit steht von alleine aufrecht.“ (Thomas Jefferson)

              Nur mal angenommen. Sagen wir mal, ich möchte die Gesellschaft verändern. Dann gründe ich doch keine Partei, oder? Partei heißt: Ich mache in eurem Spiel mit. Darf ich mir die Spielfigur aussuchen? Oh, super. Ich nehme die grüne oder die rote Figur. Und wir spielen dasselbe Spiel: Monopoly. Ich muss versuchen, alle anderen Spieler in den Bankrott zu treiben. Aber wenn ich ein anderes Spiel spielen möchte, wenn ich die Gesellschaft verändern möchte, dann gründe ich doch keine Partei. Dann melde ich doch nichts bei den Behörden an, die ich abschaffen möchte. Dann organisiere ich ein Treffen mit Leuten, die genauso denken wie ich. Wir überlegen uns, wie wir Monopoly abschaffen können. Und schon ist die Polizei hinter uns her. Ich finde das nicht fair. So verändert sich die Gesellschaft doch nie.

              Ich bin wieder da!

              „Was, wenn du schliefest? Und was, wenn du, in deinem Schlafe, träumtest? Und was, wenn du in deinem Traume, zum Himmel stiegest und dort eine seltsame und wunderschöne Blume pflücktest? Und was, wenn du, nachdem du erwachtest, die Blume in deiner Hand hieltest? Ah, was dann?“ (Samuel Coleridge)
              Es klingelt an der Tür. Wer kann das um diese Uhrzeit sein, frage ich mich. Ich erwarte niemanden. Ich erwarte eigentlich nie jemanden, weil ich niemanden einlade. Der Schornsteinfeger, ein Wasserwerker oder die Zeugen Seehofers? Ein Bettler kann es nicht sein. Die Bettler haben diesen Villenvorort längst aufgegeben.
              Ich öffne arglos die Tür. Vor mir steht ein Mann, der fast genauso aussieht wie ich. Ein wenig älter, ein wenig dicker, ein wenig grauer.
              „Hallo, ich bin’s“, sagt er und grinst mich an.
              „Wer sind Sie?“ frage ich ihn.
              „Ich bin du. Ich will mein altes Leben zurück.“
              „Das verstehe ich nicht.“
              „Brauchst du auch nicht. Ich war eine Weile fort. Sechs Monate als Privatdetektiv in Los Angeles. Drei Monate im Japan des 17. Jahrhunderts. Ansonsten dieses und jenes. Jetzt bin ich wieder da.“
              „Ich verstehe es immer noch nicht.“
              „Ich bin du. Und jetzt bin ich zurück. Ich will mein Haus wieder haben. Hast du eingekauft? Ich habe Hunger.“
              Dann geht er an mir vorbei ins Haus und stellt seinen Koffer in den Flur.
              „Und was wird mit mir?“
              Jetzt stehe ich hier am Mainzer Hauptbahnhof und fange wieder von vorne an. Wer denkt sich so einen Schwachsinn aus? Soll das eine Metapher sein? Muss ich mir jetzt wieder einen Job suchen?
              Ernst Mosch - Alte Kameraden. https://www.youtube.com/watch?v=j69ep9yONjQ

              Freitag, 6. April 2018

              Lieblingsbands

              This blogpost is dedicated to dergl
              1975: Bay City Rollers
              1979: Police
              1983: Ultravox
              heute: ein Leben ohne Ranking

              Police - Peanuts. https://www.youtube.com/watch?v=OkYTfmNd5c4

              Broccoli – Fluch oder Segen?


              Blogstuff 210
              „Als Schreiberling ist man immer wieder gezwungen, seiner Ehefrau das sie enervierende Bedürfnis zu erklären, allein in atmosphärischen Kneipen herumzusitzen, um dort im eigenen Geist nach Einfällen zu angeln, und natürlich kommt man in Versuchung, mit diesem Alibi seine gesamte Sauferei zu adeln.“ (Alexander Schimmelbusch: Die Murau Identität)
              Vielleicht haben deswegen so viele Europäer Angst vor den Einwanderern dieser Tage, weil sie selbst als Einwanderer in der Vergangenheit ganze Völker und Kulturen ausgelöscht haben? #Amerika #Afrika #Australien #Asien
              Mega-Trend 2018: Sich den ganzen Nachmittag mit Chardonnay in die Gleichgültigkeit hineintrinken.
              Hätten Sie’s gewusst? Es gibt New York und York, aber nicht Old York.
              Jeder einsame Koffer kann eine Bombe sein. Jeder einsame Mensch auch.
              Wie viele Schauspieler haben schon in Stücken von Shakespeare auf der Bühne gestanden? Sie kommen und gehen und nach ihrem Tod sind sie vergessen. Die kreative Leistung des Autors zählt mehr als die Leistung des Menschen, der nur die Worte auswendig lernt und auf der Bühne wiederholt. In der Medienwelt der Moderne herrscht der Kult der Oberflächlichkeit. Der Hollywood-Schauspieler wird vergöttert und ist schnell Millionär. Die Autoren der Drehbücher kennen wir nicht. Wir wissen nicht, wer die Figuren erschaffen hat, die von den Stars verkörpert werden, und wer die Sätze geschrieben hat, mit denen die Stars identifiziert werden. „Sein oder nicht sein“ – Shakespeare. „Es kann nur einen geben“ – irgendein unbekannter und schlecht bezahlter Drehbuchautor. Heute reichen eine hübsche Fassade und die Fähigkeit, Texte fehlerfrei nachplappern zu können. Schon ist man reich und berühmt.
              Neulich im Radio: „Hier die Aufstellung der deutschen Mannschaft: Rupf, Hummel, Spuck, Utz, Blunk, Kupp, Runkel, Nuck, Grutz, Klumm, im Tor Sandlmayer.“
              Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er arbeitet an seinem monumentalen Epos „Aufstieg und Fall des Nudelsalats – eine Kulturgeschichte“.
              Über die Bonettistas schreibt Jorge Luis Borges im „Sandbuch“: „Die Sekte war niemals zahlreich, und heute hat sie nur noch wenige Anhänger. Von Eisen und Feuer dezimiert, schlafen sie am Wegesrand oder in den Ruinen, die der Krieg übriggelassen hat, da es ihnen ja untersagt ist, sich Wohnstätten zu errichten.“
              Hat es leider nicht in die Rubrik „Blogstuff“ geschafft: Das Horst-Käse-Szenario.
              Wenn man bei der Bildersuche von Google den Begriff “korrupte Politiker” eingibt, erscheinen zuerst Riester, Orban und Berlusconi.
              Der wahre Narzisst verachtet die sozialen Medien, denn er ist sich selbst genug.
              „Nimm diese Urkunde mit meinem Siegel als Unterpfand meiner Huld”, sagte Bonetti und legte dem Praktikanten salbungsvoll die Hand auf das Haupt, bevor er ihm sein Arbeitszeugnis gab. Ein Jahr bei Bonetti Media ist kostenlos, aber niemals umsonst.
              Er verströmte einen ganz eigenen Geruch, eine Mischung aus antikem Zahnstein und nassem Hundefell, ein Dialog aus Moder und Resignation.
              Hätten Sie’s gewusst? Kurz vor der Glienicker Brücke, auf der Berliner Seite, steht die „Große Neugierde“. Ein Teepavillon aus der Preußenzeit. Partywissen de luxe.
              Bush – Mouth. https://www.youtube.com/watch?v=zkfNRooifK4

              Donnerstag, 5. April 2018

              Inferno und Ekstase

              „Ich bin im Besitz der Wahrheit, doch vermag ich sie nicht vernünftig zu begründen. Die unschätzbare Gabe, sie anderen mitzuteilen, ist mir nicht gewährt.“ (Jorge Luis Borges: Das Sandbuch)
              Wir kennen diesen Mann und doch würden wir ihn nicht erkennen. Er trägt trotz frühlingshafter Temperaturen einen Trenchcoat. Den Hut hat er tief ins Gesicht gezogen und mit seinem riesigen falschen Schnurrbart wirkt er wie ein bulgarischer Pornodarsteller.
              Das Gebäude sieht aus wie ein antiker Tempel. Mächtige Säulen stützen einen dreieckigen Giebel. Zwölf Stufen muss er hinaufgehen, bevor er an der hohen Eingangstür angelangt ist. Er sieht sich nervös um. Werden sie ihn erwischen? Es wäre unglaublich peinlich und ein Fall für die Weltpresse. Aber er kann diese geheime Mission auch keinem seiner Mitarbeiter übertragen.
              Er tritt ein und geht zum Empfangstresen. Seine Schritte hallen unter der Kuppel des turnhallengroßen Foyers. Er zeigt seinen Besucherausweis. Er versucht zu lächeln, aber es misslingt ihm auf so klägliche Weise, dass der diensthabende Beamte eigentlich Verdacht schöpfen müsste. Aber Bonetti ist drin. Das wäre geschafft.
              Er geht die Treppe hinauf. Fünf Millionen Bücher. Die Nationalbibliothek. Nur sein Werk fehlt noch. Er sieht sich um. Niemand zu sehen. Dann zieht er ein Exemplar seines Meisterwerks „Inferno und Ekstase“ aus der Innentasche seines Mantels und stellt es unter B ab. Zwischen Thomas Bernhard und Bertolt Brecht. Manchmal ist es schwieriger, ein Buch zu verschenken, als es zu stehlen.
              ***
              Ich sitze im „Benedict“ in der Uhlandstraße. Downtown Berlin, sieht aber aus wie die sechziger Jahre in Wuppertal. Genüsslich verspeise ich eine Portion Shakshuka, ein nordafrikanisches Pfannengericht aus Eiern, Tomaten und Paprika, und trinke dazu ein Glas Mimosa, Champagner mit Orangensaft. Es ist elf Uhr morgens.
              Zwei Männer in schwarzen Ledermänteln, mit schwarzen Handschuhen, mit schwarzen Sonnenbrillen und mit schwarzen gegelten Haaren treten an meinem Tisch.
              „Mister Bonetti.“
              „Ja?“
              „Sie sind verhaftet.“
              „Ich hatte Sie schon im Morgengrauen erwartet.“
              „Wir sind keine Unmenschen.“
              „Was wird mir vorgeworfen?“
              „Sie wissen es.“
              Ich tupfe mir den Mund mit meiner Serviette ab, stehe auf und folge ihnen.


              Neun Stunden Entspannung: Das Geräusch von Regen auf einem Zelt. https://www.youtube.com/watch?v=MdVBo4OmuDk



              Bildmaterial


              Früher gab es für jede Veranstaltung, die man besucht hat, ein opulentes Programmheft.



              Auch für die großen Kinofilme gab es Programmhefte. Für eine Mark bekam man Informationen zum Film in Zeiten, in denen es kein Internet gab, und eine bleibende Erinnerung an den Filmabend.



              Das ist ein Kunstwerk von mir aus dem Jahr 1985. Ich nutzte das halbe Jahr zwischen Abitur und Zivildienst für mein erstes Buch (unveröffentlicht) und diverse Gemälde.



              Dieser Aushang galt in den letzten Monaten speziell mir und meinen Freunden. Die letzten Worte des Schuldirektors habe ich heute noch im Ohr: "Ich zeige Sie an, Herr Eberling." So geht Schulabschluss, Freunde der Sonne.



              Das ist der Cover-Entwurf zu einer geplanten Satirezeitschrift. Zwanzig Jahre ist das her.

              Mittwoch, 4. April 2018

              NATO-Strichjunge - zu hart?

              Der Oppositionspolitiker Diether Dehm hat den Bundesminister des Äußersten als "NATO-Strichjungen" bezeichnet. Ein treffendes Sprachbild, schließlich befindet sich die Bundesrepublik seit ihrer Gründung in der Rolle eines devoten Vasallen der USA und ihrer Regierungsorganisationen (NATO u.a.) und ist der Besatzungsmacht bei Bedarf zu Willen.
              Vergleiche an der Grenze zum guten Geschmack hat natürlich auch die Regierung zu bieten, man denke an den Putin-Hitler-Vergleich des damaligen Finanzministers Schäuble aus dem Jahre 2014. Frage: Kann ich Heiko Maas mit Hitler vergleichen und folgendes Witzbild bringen, das den zu kurz geratenen SPD-Minister zeigt? Diskutieren Sie in Ihrer Bezugsgruppe!

              Im Universum der Schlüsselanhänger

              In den Siebzigern hatte ich einen Tip&Tap-Schlüsselanhänger, das waren die Maskottchen der Fußball-WM 1974.

              In den Achtzigern hatte ich einen Flaschenöffner als Schlüsselanhänger.

              In den Neunzigern hatte ich Bart Simpson als Schlüsselanhänger.

              In den Nullern hatte ich eine Gewürzgurke mit Gesicht als Schlüsselanhänger.

              Jetzt habe ich einen Schlüsselanhänger mit Originalsand aus Miami. Ich war nie dort. Keine Ahnung, wer mir den geschenkt hat.
              Als Ersatz habe ich einen Maiskolben-Schlüsselanhänger. Als Kind habe ich Schlüsselanhänger gesammelt. Eigentlich habe ich früher überhaupt sehr viel „gesammelt“, d.h. einfach nix weggeworfen. Das änderte sich, als ich 1989 auszog und mein Messi-Universum einfach hinter mir gelassen habe.

              Nächste Woche: Gartenzwerge


              Mangold – Chancen und Risiken


              BS 209
              „Der gute Künstler ist der, den man verstehen kann; es ist der schlechte Künstler, der immer »missverstanden« wird.“ (Gilbert Keith Chesterton)
              Und dann gibt es noch die ganzen verbitterten Feierabendkommunisten, die den Marx-Schlüsselanhänger in der Hosentasche kneten, während sie den Anweisungen ihrer Vorgesetzten lauschen.
              Ich bin ja auch ein Nachkriegskind. Vietnamkrieg. War alles nicht so einfach. Wir konnten uns ja damals kein Handy oder Internet leisten.
              In Aufsichtsräten gilt eine Frauenquote von 30 Prozent. Diesen Wert hat die Merkel-Regierung fast geschafft. 24 von 82 Kabinettsmitgliedern sind Frauen, das sind 29,2 Prozent. Ich finde es toll, wie viel die erste Kanzlerin der Geschichte in über zwölf Jahren für die Frauen erreicht hat. Migranten: Fehlanzeige. Behinderte – nach Schäubles Ausscheiden – leider auch.
              Der praktizierende Alkoholiker, professionelle Fagottspieler und Verfasser der meisterhaften Elegie „Wenn das Grillhuhn dreimal gackert“, Ricky Laredo, wurde zum CCO (Chief Content Officer) von Bonetti Media Unlimited befördert. Professor Phrasenschwall übernimmt das Ressort Öffentlichkeitsarbeit. Zielvorgabe des Vorstandsvorsitzenden Bonetti ist es, die Zahl der Redakteure zu halbieren, um danach die Redaktion thematisch breiter aufzustellen.
              Hätten Sie’s gewusst? Wenn man meine Telefonnummer mit der Vorwahl von New York wählt, hat man Yoko Ono am Telefon.
              Echte Kerle fragen nicht nach Kalorien.
              Bandname: Die sinnlosen Rolltreppen.
              Bonetti Convenience Food plant die Einführung einer „Gauländer Jagdwurst“, speziell für den ostdeutschen Markt.
              Downtown Wichtelbach 1987: Panini-Bildchen von libidinösen Hedonisten oder semiprofessionellen Pseudoanarchisten aus der obersten Etage des Untergrunds wechselten für unvorstellbare Mengen von Hubba Bubbas den Besitzer.
              Eile zerstört alles: jeden Genuss, jede Beziehung, jede Arbeit. Der ewige Blick auf die Uhr, das blitzartige Urteil über ein Thema – zehn Meinungen in einer Minute äußern, das ist der Volkssport im 21. Jahrhundert. Etwas auf sich wirken lassen, eine Meinung reifen lassen, lange an einem Ort bleiben, um seine Wirkung in sich aufzunehmen – lächerlich, der nächste Termin wartet, das Flugzeug wartet, das Büro wartet.
              Im Herbst kommt ein weiterer Spin-Off aus der Star Wars-Reihe in die Kinos: „Die dunkle Nacht – ein Jedi kommt selten allein“. Es geht dabei um Rüdiger, den Cousin von Luke Skywalker. Rüdiger Skywalker.
              Wenn ich heute Schüler wäre, würde ich bei Klassenarbeiten immer Alexa in den Ranzen packen.
              „Mein Beruf ist meine Profession“, schreibt Margot Käßmann tiefsinnig im Fanzine „Chrismon“. Ist nicht ihre Konfession ihr Beruf?
              P.S.: Hier noch ein Hinweis in eigener Sache. Kommentare werden ab heute von unserem Call-Center in Bangalore bearbeitet. Daher möchten wir Sie bitten, nur noch in englischer Sprache zu kommentieren.
              Post Malone - Rockstar ft. 21 Savage. https://www.youtube.com/watch?v=4GFAZBKZVJY

              Dienstag, 3. April 2018

              Erste nationalsozialistische Stadt Deutschlands

              In Coburg hatte die NSDAP bereits 1929 die absolute Mehrheit im Stadtrat. 1931 wurde erstmals vor einem öffentlichen Gebäude die Hakenkreuzfahne gehisst, es war das Coburger Rathaus. Ab 1939 durfte die fränkische Stadt sich offiziell "Erste nationalsozialistische Stadt Deutschlands" nennen.
              Aber ein Problem hatten die Rechten im Süden. Dieses Stadtwappen:

              Ein Afrikaner! In der arischen Vorzeigestadt. Also fand man diese Lösung:

              Heute ist wieder der heilige Mauritius im Wappen. Welches Wappen wir die AfD auswählen, wenn es wieder soweit ist?
              Und was ist mit der Zunft zum Mohren in Bern?


              Was ist mit der Mohrenstraße in Berlin und der Mohren-Apotheke im Mainz? Ein Wettrennen zwischen Linken und Rechten um die Beseitigung von Begriffen und Darstellungen ist entbrannt.

              Highlights meiner Autogrammsammlung

              Der Weltstar Chris Roberts, der Kanzler Willy Brandt, Deutschlands Antwort auf Michael Jackson: Wolfgang Petry, der Weltmeister Bernd Hölzenbein.



              Bonusmaterial für meine Fans: mein Zack-Mitgliedsausweis.

              Alles wegen Skippy

              „Wir können offenbar ohne Feinde nicht glücklich werden. Und ohne Feindbilder können die Medien nicht auf den Wellen unserer Empörung surfen.“ (Lupo Laminetti)
              Wir hätten es alle wissen können, denke ich, als ich die letzte Büchse Soljanka-Ersatz meiner Monatsration öffne. Spätestens, als die deutsche Presse, die wie immer besonnen auf aktuelle Themen reagiert hat, den Vergleich mit Sarajewo zog. Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers und seiner Frau 1914. Hundert Jahre später also der Mordanschlag auf Sergej „Skippy“ Skripal und seine Tochter in Salisbury.
              Die Spurensicherung ist noch am Tatort, Miss Marple hat noch nicht einmal ihre Stützstrümpfe angezogen, da präsentiert die britische Regierung schon den Täter: Putin. Ein Anschlag auf Russen? Dann müssen es Russen gewesen sein. Wer hätte sonst ein Motiv? Das geheimnisvolle Gift sei aus Russland, heißt es, obwohl die Formel zu Herstellung des Gifts bei Wikipedia zu finden ist. Egal. Werft in guter alter Wildwestmanier einen Strick über den Baum! Wer braucht im Zeitalter des Turbojournalismus noch Fakten?
              Ein Russe wurde vergiftet. Irgendwo in England. Anfangs habe ich noch nicht einmal die entsprechenden Artikel angeklickt. Je älter ich werde, umso weniger interessiere ich mich für Nachrichten. Mit jedem Tag erscheinen sie mir trivialer und banaler, sie wiederholen sich. Muss ich mich tatsächlich dafür interessieren? Und hat der Fall womöglich historische Bedeutung? Aber während wir uns alle noch fragen, ob es ein Fall für Sherlock Holmes oder für James Bond ist, überschlagen sich die Ereignisse im Hunsrück.
              Morgendämmerung, Nebel liegt über den Wiesen. Schweppenhausen schläft noch. Erna Malotzke kommt bei ihrem morgendlichen Rundgang mit Dackel Fridolin gerade am Friedhof vorbei, da fängt er plötzlich an zu knurren. Der Hund, nicht der Friedhof. Wie bei einem Erdbeben merken die Tiere das heraufziehende Unglück früher als die Menschen. Dann hört auch Frauchen das dumpfe Brummen der Motoren.
              Zehn Minuten später steht eine russische Panzerkolonne auf der Dorfkreuzung und blockiert die Straßen in alle vier Richtungen. Niemand kommt mehr mit dem Auto nach Stromberg, Waldalgesheim, Eckenroth oder Windesheim. Die beiden einzigen CDU-Mitglieder des Gemeinderats flüchten durch die Weinberge in den Wald.
              Die russische Soldateska ist erschüttert. Es gibt keinen Supermarkt, keinen Bäcker, keinen Metzger im Ort, noch nicht einmal eine Kneipe, die man plündern könnte. Die Winzer verhalten sich ruhig. Was passiert, wenn den Russen den Tresterschnaps entdecken? Drehen sie dann völlig durch?
              Jetzt arbeite ich auf einer Kolchose, die Lebensmittel sind streng rationiert und nur auf Bezugsschein erhältlich. Die Russen sind sauer. Hier gibt es nichts zu holen. Ein paar Fernseher, Handys und billigen Schmuck. Schweppenhausen ist für sie ein Zuschussgeschäft.
              Wo bleibt die Bundeswehr? Die 95 Panzer, die aktuell einsatzfähig sind, werden andernorts gebraucht, heißt es. Wir sind verloren, im Fernsehen laufen nur noch russische Militärparaden, im Radio läuft das Streichquartett Nr. 8 von Schostakowitsch als Dauerschleife. Fußball-WM gibt es auch keine.
              So beginnt der dritte Weltkrieg. Alles wegen Skippy.
              Walter Murphy - A Fifth of Beethoven. https://www.youtube.com/watch?v=4MFbn8EbB4k

              Hier sehen Sie den despotischen Tartarenfürsten, der sich in sein blutiges Fäustchen lacht.

              Montag, 2. April 2018

              +++Eilmeldung+++ Putin im Fall Skripal geständig

              Zweite Eilmeldung: Verkehrsminister wechselt zu Volkswagen

              … als Laboraffe
              Dritte Eilmeldung: Aprilscherze wegen der Feiertage auf 2. April verlegt

              Weißes Gold – die geheimnisvolle Welt des Spargels


              Blogstuff 208
              „Unsere Zeit, die reich ist an Entdeckungen in der Chemie, der Mechanik und Physik, hat viele begabte, aber unglückliche Künstler dazu verführt zu denken, diese Entdeckungen seien etwas Wunderbares und Ewiges. In diesem schwachen Urteil befangen, haben Jünglinge und Greise nicht allein die Philosophie vergessen, sondern auch das Herz des Menschen.“ (Konstantin Waginow: Das Kloster Unseres Herrn Apoll)
              Bei VW gibt es eine Gehalts-Obergrenze von zehn Millionen Euro für den Vorstandsvorsitzenden. Das ist für mich Sozialismus. Die zehn Millionen sollten als Mindestlohn festgelegt werden.
              Hätten Sie’s gewusst? Bonetti gibt es nur in den Medien. Außerhalb der Medien gibt es keinen Bonetti. Andy Bonetti ist wie Gott. Er lebt nur, wenn Sie an ihn glauben. Wenn Sie seine Bücher in der Bahnhofsbuchhandlung kaufen.
              Aus Sicht der Arbeiter, Armen und Arbeitslosen ist es eigentlich nur folgerichtig, rechte Parteien zu wählen. Ihre früheren Interessenvertreter, die Gewerkschaften und die Spezialdemokraten, aber auch die Linken und die Grünen, haben sie verraten, um selbst ein Leben als Bourgeois zu genießen (Schröder, Steinbrück, Clement, Riester e tutti quanti) und die Fragestellungen der Bourgeoisie (Sternchen und Binnen-I, Homoehe und Juchtenkäfer) zu bearbeiten. Für den Sozialstaat ist kein Geld da, für die Bankenrettung I („Finanzkrise“) und die Bankenrettung II („Griechenland“) hingegen jede Menge. Aus Rache für diesen Verrat wählt die Unterschicht nun rechts. Falls die Rechten jemals an die Macht kommen, werden sie die linke Bourgeoisie „jagen“, wie Gauland schon angekündigt hat. Die Unterschicht wird glauben, man habe sie gerächt – bevor sie die Rattenfänger wieder in den Untergang führen wie 1933.
              Proseminar Medien
              1. In den Medien zählt Geschwindigkeit, nicht Wahrheit.
              2. Es gibt keine Gerechtigkeit. In der Bundesliga gibt es auch nur einen Tabellenführer. Ist Fußball deswegen ungerecht?!
              3. Wahrheit und Gerechtigkeit können gemessen werden. In Geld. Konkret: Klickraten, Quoten, Werbeeinnahmen.


              Dritte Zähne, Drittes Reich, Dritter Weltkrieg, Dritter Weg. Alles nix Gutes. Sie erinnern sich noch an den „Dritten Weg“? Blairs New Labour, Clintons New Democrats und Schröders Neue Mitte versprachen den Menschen in den Neunzigern einen „aktivierenden Sozialstaat“ bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum, das Wohlstand für alle garantieren sollte. Eine einzige Propagandashow. In Wirklichkeit wurden die sozialdemokratischen Parteien zu FDP-Filialen umgebaut. Den neoliberalen Wechsel, den Helmut Schmidt der FDP 1982 noch verweigert hatte, was ihn die Kanzlerschaft kostete, schaffte Schröder auch ohne Freidemokraten mit den willfährigen Grünen 1998.
              Wer das Verhalten von Erwachsenen im Internet mit dem Verhalten von Kindern vergleicht, beleidigt die Kinder. Kein kleines Kind würde ein solches Sozialverhalten, eine solche Gehässigkeit und Aggression an den Tag legen wie so mancher Erwachsene in den sogenannten „sozialen“ Medien.
              Gemüse? Müssen Sie mir dick mit Schinken umwickeln wie einem Hund die Tablette. Dann esse ich es.
              Bush - Straight no chaser. https://www.youtube.com/watch?v=HPCIYUsxh_Y

              Wird Bonetti dieses unmoralische Angebot annehmen?

              Sonntag, 1. April 2018

              Einenhamwanoch, einenhamwanoch

              Frohe Ostern



              Das war Ihnen noch nicht witzig genug? Es fehlt Ihnen eine dritte sexuelle Anspielung, um die Sache abzurunden? Okay ...

              Du

              „Das ist das Große am Kind, dass es das Gute bei den Menschen immer als selbstverständlich voraussetzt.“ (Albert Schweitzer)
              Wenn ich gehen wollte, hast du dich oft mit deinen winzigen Füßen in meine Schuhe gestellt. Du bist ein paar Schritte damit herumgeschlurft. Es war dein Zeichen, dass ich nicht gehen sollte. Dann bin ich noch eine Viertelstunde geblieben.
              Als ich dir versprochen habe, dir beim nächsten Besuch ein Tigerbaby mitzubringen, hast du gefragt: „Ein echtes?“ „Fast“, habe ich geantwortet. Du hast dich trotzdem über das Kuscheltier gefreut.
              Wenn wir zusammen gespielt haben und deine Mutter rief aus der Küche, das Essen sei fertig, sagte ich zu dir: „Wer zuerst in der Küche ist, hat gewonnen.“ Dann bist du – als hätte dich ein Katapult abgeschossen – losgerannt und warst immer vor mir da.
              Als ich dich fragte, was du malst – du hattest gerade ein Bild begonnen -, sagtest du: „Das weiß ich doch jetzt noch nicht.“
              Als wir deine Einschulung bei einem Italiener feierten, hatten wir beide Spaghetti Bolognese bestellt. Alle bekamen ihr Essen, nur du musstest warten. Ausgerechnet. Also habe ich dir meinen Teller gegeben und zehn Minuten später habe ich deine Kinderportion serviert bekommen.
              Am Tag, als die Möbelpacker eure Sachen eingeladen haben, saßen wir zusammen im Garten und ich habe dir ein ganzes Buch vorgelesen. Du hast zwei Stunden aufmerksam zugehört, ohne mich zu unterbrechen.
              Als alle Kinder verrückt nach Knut, dem Eisbärenbaby, waren, bin ich durch Berlin gefahren, um den letzten Stoffeisbären für dich aufzutreiben. Im Schaufenster eines Geschäfts habe ich ihn entdeckt. An das Schauexemplar hatte wohl keiner gedacht. Ich habe ihn dir gegeben und du hast gesagt: „Du bist der liebste Menschen auf der ganzen Welt.“
              Ich habe dir dein erstes Eis gekauft. Eine Kugel Vanilleeis. Im Becher mit einem winzigen Plastiklöffel. Du kanntest das Wort „Eis“ nicht und hast „heiß“ verstanden. Du hast deswegen erstmal auf das Eis gepustet, bevor du es probiert hast.
              Deine sanfte helle Stimme, mit der du mich nach meinem Lieblingstier oder meiner Lieblingsfarbe gefragt hast. Das zufriedene Summen, wenn wir ein Lego-Haus nach deinen Vorstellungen bauten. Wir tanzten zusammen, du hast die Musik voll aufgedreht. Auf meinem Rücken bist du durch die Wohnung geritten, majestätisch wie eine Maharani auf ihrem Elefanten. Ich habe dir Höhlen aus Kissen, Decken und zusammengerückten Möbeln gebaut.
              Ich war dein drittes Wort. Mama – Papa – Dada. Dada war ich. Ich habe dich gefüttert und du hast verträumt aus dem Fenster gesehen, als wärst du in diesem Augenblick woanders. Die ganzen Süßigkeiten, die ich dir mitgebracht habe. Der Double Fudge Brownie Supreme von Tim’s Canadian Deli am Winterfeldtplatz.
              Am letzten Abend vor dem Umzug hast du mich gefragt, wer meine beste Freundin ist. Ich habe gesagt, dass du es bist. Dann hast du mit einem Kugelschreiber deinen Namen auf meinen Unterarm geschrieben. Ich habe meinen Namen auf deinen Unterarm geschrieben.
              In diesem Monat feiern wir deine Konfirmation in Hamburg. Du bist ein tolles Mädchen.
              Imagine Dragons – Thunder. https://www.youtube.com/watch?v=fKopy74weus